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Würdige Hommage an Tobias Reiser

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Die Hirtenkinder fungierten auch als hervorragender Chor, hier im Dialog mit Alfred Kröll, der die »finstere Macht« verkörpert. (Foto: Andreas Kolarik

Die ergreifende Wiederaufnahme des Szenischen Oratoriums »A Liacht is aufkemma« von Tobias Reiser in einer Bearbeitung von Josef Radauer begeisterte heuer die Besucher des »Tobi Reiser Adventsingens« in Salzburg. Zur Premiere in der Großen Aula der Universität war auch Tobias Reisers Mutter Grete Reiser gekommen. Die Aufführung war eine würdige Hommage an den vor 15 Jahren überraschend verstorbenen Tobias Reiser und seinen vor 40 Jahren verschiedenen Vater.


Das Stück von zeitloser Aktualität begann mit einer düsteren Vision der vom Hass, vom Bösen, vom Dunkeln, von der Kälte bedrohten Welt. Die Hirtenkinder fungierten, hier in schwarze Mäntel gehüllt, zugleich als hervorragender Chor. Klangen ihre Stimmen am Anfang noch etwas verhalten, verloren sie schnell ihre Befangenheit und erstaunten mit ihrer hervorragenden Intonation, ihren klaren, hellen Stimmen und ihrer Frische und Präsenz. Alfred Kröll, der den vom Bösen versuchten Menschen mimte, trat im Prolog mit einer Krampusmaske als personifizierte dunkle Macht mit beschwörenden Gesten in Dialog mit dem Chor. Die virtuos gezeichneten Dias von Siegwulf Turek schufen als Lichtprojektion hier ein gespenstisches Szenario und nahmen die Zuschauer später mit auf eine faszinierende Reise in ein Fantasieland irgendwo zwischen Heiligem Land und Alpen.

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Der Maria gab Madeleine Schwaighofer mit kindlicher Unschuld ihre Gestalt und ihre wunderbare Stimme. Als charakterstarker Josef überzeugte Nikolaus Gruchmann. Die Geschichte hatte durch die Rahmenhandlung – den Kampf zwischen dem Dunkel und dem anfangs ganz schwachen Licht, das die Welt in ein ganz neues Licht hüllt - viel Zug. Besondere Dramatik hatten das Lied »A Liacht is aufkemma«, als Gegenpol zum Prolog ausdrucksstark inszeniert, und die Szene der »Verschwörung der finsteren Mächte«, bei der die Stimmen der Wirte und des Satans durcheinander aus diversen Lautsprechern durch den Raum hallten, ohne diese zuordnen zu können.

Bereits weit verbreitete Lieder von Tobias Reiser wie »In einer kalten Winternacht«, Volksgut wie das aus dem Stift Nonnberg stammende »Still o Erden«, Perchtenmusik von Tobi Reiser und Musik von Wilhelm Keller wurden mit viel Feingefühl interpretiert. Neu arrangiert hatte Radauer die selten zu hörende »Siezenheimer Herbergssuche«, ein Zwiegespräch nur zwischen Maria und Wirt. Die wohltönenden Pongauer Bläser, das farbenreiche Ensemble Tobi Reiser mit Andreas Gassner an der Orgel, die markanten Walchschmied Sänger und der glockenreine Salzburger Dreigesang wurden selbst zu Handlungsträgern.

Höhepunkte waren die Szenen der Hirtenkinder und vor allem ihr Ständchen, das sie für das Jesuskind einübten. Die stets natürlich agierenden Kinder zeigten eine bisher noch nie erreichte Perfektion und Vielseitigkeit, etwa mit einem eigenen Posaunenquartett, das mit den Geigen eine temperamentvolle Tanzlmusi entstehen ließ. Beim »Poschn« im Schleuniger spielte der 12-jährige Posaunist Sebastian Rehrl aus Surheim ein rasantes Solo darüber. Den festlichen Schlusschor bildeten die Kinder mit allen anderen Sängern. Das Stück schwang innerlich lange nach.

Restkarten für die letzten Aufführungen am Freitag um 19 Uhr, am Samstag um 15 und 19 Uhr sowie am Sonntag um 15 Uhr gibt es beim Ticketcenter Polzer, Telefon 0043/662/9690, auch für das verkürzte Adventsingen für Kinder am Sonntag um 11 Uhr. Veronika Mergenthal