Würdige Interpreten genialer Tondichter

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Drei Virtuosen als würdige Interpreten genialer Tondichter: Klarinettist David Orlowsky, Cellistin Anastasia Kobekina und Pianistin Lauma Skride. (Foto: Benekam)

Die Traunsteiner Sommerkonzerte blühen in allen Klangfarben und ein jedes Konzert hinterlässt einen anderen Duft im Kulturforum Klosterkirche.

Die kompositorischen Werke großer Tondichter gehen miteinander in Austausch, geben sich ein vorsichtiges Stelldichein, finden und erschließen sich einen Klangraum, in dem die Zuhörer der Sommerkonzerte mit sensibler Hingabe die jeweiligen Stimmungen aufzusaugen scheinen. Kein Abend mag dem anderen gleichen.

Wie schade, dass in diesem seit 41 Jahren bestehenden Kammermusikfestival so wenig junge Gesichter zu sehen sind. Das kann man deuten, wie man will. Gerade die Klassische Musik hat etwas Philosophisches, etwas Erzählerisches und durch und durch Tiefgründiges, über das sich wunderbar diskutieren ließe. Eine Musik, die Ausdruck innerer Befindlichkeit und Haltung des jeweiligen Tonschöpfers ist – sicherlich auch gekoppelt an dessen Kultur und die jeweiligen gesellschaftspolitischen Themen der Epoche. Selbsterklärend ist ihre Vielfalt und allzu verständlich, dass Musik aus Israel – Themenschwerpunkt der diesjährigen Sommerkonzerte – oft ernste, dissonante oder verstörende Untertöne hat.

Im sechsten Sommerkonzert, das von dem Klarinettisten David Orlowsky, der Cellistin Anastasia Kobekina und der Pianistin Lauma Skride gestaltet wurde, kamen Werke zweier wichtiger Vertreter der Musik Israels zu Gehör: Das Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier (1973) von Mordecai Seter (1916 bis 1994) und die Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 2 op. 63 (1959) von Mieczysław Weinberg (1919 bis 1996).

Und diese technisch wie emotional hoch anspruchsvollen Werke haben, wie sich beim Hörgenuss zeigte, in diesen drei Virtuosen würdige Interpreten gefunden: So fand Seters »getondichtetes« Werk, mit dem das Konzert eröffnet wurde, eine unmissverständliche Aussage, die sich wie ein Schleier durch den Kirchraum zog. Anastasia Kobekina und David Orlowsky stürzten sich mit jeder Faser ihrer Musikerpersönlichkeiten in diese Themen. Zusammen mit Lauma Skride, die im besten Wortsinn die immer »richtigen« Anklänge sensibler Expression besteuerte, verband das Trio Empathie mit technischer Brillanz.

Befreiend fast entzerrte Felix Mendelssohn Bartholdy die beklemmende Stimmung: Sein Andante aus der Klarinettensonate g-Moll MWV Q 15, in Orlowskys und Skrides Interpretation, bot den Zuhörern mit liedhaft-melodiösen Klängen die wohltuende seelische Hängematte. Als Jude mit polnischen Wurzeln war auch Mieczysław Weinbergs Musikschaffen nicht gerade von Harmonien bestimmt. Seine Cellosonate Nr. 2 op. 63 mag als Spiegel seiner inneren Bewegtheit gelten: Emotional aufgeladenen und ausdruckstark verpasste Anastasia Kobekina in engem Zusammenwirken mit Lauma Skride der Komposition ein Zeit-Echo: Musik ist so viel mehr als reine Unterhaltung.

Mit Johannes Brahms‘ viersätzigem Trio a-Moll op. 114 war dann wieder ein seelisches Abspannen in versöhnlicheren Klanggefilden angesagt. Abermals fand ein großartiges Werk zur vollen Wirkentfaltung gereifte Virtuosen, die es facettenreich auszugestalten wussten. So endete das Konzert in milder Stimmungslage und langanhaltendem Schlussapplaus. Eine kurze, aber ungemein wohlklingende Zugabe, stammte aus der Feder von Anastasia Kobekinas Vater und verabschiedete die mitgerissenen Konzertbesucher mit einem sanften Adieu.

Kirsten Benekam