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Wunde Knie und einiges Bier als Preis für Patenschaft

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Vor dem Abschluss einer Patenschaft standen wunde Knie: Markus Helminger (vorne von links), Michael Gschwendner, Manuel Maier, Ulrich Helminger und der Schirmherr, Bürgermeister Thomas Gassner, sowie Hermann Hunglinger (hinten von links), Martin Brom, Lisa Zenz und Stefan Lohwieser. (Foto: Eder)

Surberg – Vorsitzender zu sein, ist oftmals gar nicht so angenehm: Dies musste der Chef des Burschenvereins Neukirchen, Markus Helminger, schmerzhaft erleben, als er mit seinen Mitgliedern nach Lauter zum Patenbitten beim Burschenverein Surberg kam. Er war der Erste, der sich auf eines der kantigen Holzscheite knien musste.


Stark waren sie vertreten, die Burschen aus Neukirchen. Um die 40 Personen marschierten pünktlich um 19.30 Uhr im Saal des Gasthauses Lauter ein. Dann hatten sie noch die Musikkapelle dabei und einige »hochwertige Leit’«, wie sich der Surberger Burschenvereins-Vorsitzende Hermann Hunglinger zur Belustigung der Besucher ausdrückte. Es sei schön, dass die Neukirchner so zahlreich zum gemütlichen Beisammensein gekommen seien, meinte Hunglinger, aber warum gleich mit Musik und so prominenter Begleitung?

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Diese Frage beantwortete der Neukirchner Vorsitzende Helminger prompt, indem er auf die Bühne stieg, ein Tragerl Bier in der Hand. Der Burschenverein Neukirchen feiere im August sein 120. Gründungsfest, stellte er fest und fügte an: »Wegen dem waarn ma do; mia brauchatn an Patenverein!« Dazu wollte er sein Tragerln an Hunglinger überreichen mit den Worten: »Des passt doch so weit?« Das fand Hunglinger keineswegs und meinte: »Wenn jeder da herinnen so ein Kastl kriegt, dann vielleicht.«

So gingen die Meinungen über eine angemessene Entschädigung für eine Patenschaft deutlich auseinander. Um die Frage kompetent zu klären, holten sich beide Seiten Verstärkung auf die Bühne. Die Surberger holten sich den Trachtenvereins-Vorsitzenden Stefan Lohwieser, die Neukirchner Martin Brom als Unterstützung. Und mit deren Hilfe entspann sich ein unterhaltsamer Verhandlungs-Marathon.

Markus Helminger war dann das erste Opfer, das auf dem Scheitl Platz nehmen musste – und das bis zum bitteren Ende. Da die Verhandlungen den Surbergern nicht schnell genug gingen, wurden nach und nach weitere Neukirchner Vereinsfunktionäre auf die Bühne geholt, um mit ihrem Vorsitzenden das grausige Los des Scheitlkniens zu teilen. Währenddessen gingen im Hintergrund die Verhandlungen weiter. Dem vom Vorsitzenden zunächst überreichtem Tragerl Bier folgte als weitere Patenschafts-Gabe ein 30-Liter-Fass Bier. Als das immer noch nicht genügte, wurde noch ein weiteres 30er-Fassl aufgefahren und schließlich noch ein Tragerl Bier. Zwischendurch brachte Bandl-Dirndl Lisa Zenz noch ein Brotzeit-Packerl auf die Bühne. Und schließlich erklärte sich Bürgermeister Thomas Gassner noch dazu bereit, den Surberger Teilnehmern am Jubiläumstag in Neukirchen eine Runde Schnaps zuzusagen. Mit dieser Ausbeute gaben sich die Surberger Chef-Unterhändler letztlich zufrieden, und der Neukirchner Vorsitzende Helminger konnte endlich seine gemarterten Knie entlasten.

Die Besucher im Saal jedenfalls hatten ihren Spaß an den schlagfertigen Argumenten der Unterhändler und nicht zuletzt auch an den gelungenen Witzen von Stefan Lohwieser. Die Neukirchner »lästerten« außerdem über ihre Surberger Kollegen, die ihre Scheitl falsch beschriftet hatten: Da stand was vom 110-Jährigen, dabei feiert man in Neukirchen ja schon das 120-jährige Bestehen; Gründungsjahr 1899, wie Vorsitzender Helminger betonte.

Unterhändler Brom betonte zum Schluss allerdings mit Nachdruck, man rechne nun in Neukirchen ganz fest damit, dass die Surberger so zahlreich kommen, dass das Festzelt immer ganz voll sein wird. Und Festleiter Ulrich Helminger sen. informierte dann noch kurz über den Verlauf der Festwoche, die der Burschenverein Neukirchen zusammen mit dem Trachtenverein feiert: Der gemeinsame Festabend ist für 3. August terminiert, das Gründungsfest des Burschenvereins zusammen mit dem 55. Gaufest der Burschen- und Arbeitervereine des Chiemgau und Rupertiwinkels am 4. August. he