Yusra Mardini: »Wir vertreten die ganze große Welt«

Yusra Mardini
Bildtext einblenden
Die Schwimmerin Yusra Mardini startet bei Olympia im Flüchtlingsteam. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa Foto: dpa

Yusra Mardini besitzt keinen Ausweis. Sie hat nur ein Dokument, auf dem steht: Flüchtling in Deutschland. Bei den Olympischen Spielen startet die Schwimmerin deswegen im Flüchtlingsteam.


Aus welchem Land ein Sportler oder eine Sportlerin kommt, sieht man bei den Olympischen Spielen meist schnell. Denn auf der Kleidung ist etwa eine Flagge eingenäht oder die Shirts zeigen die Landesfarben. Bei der Schwimmerin Yusra Mardini ist das anders. Auf ihrer Kleidung sind die fünf olympischen Ringe zu sehen. Denn sie startet für das Flüchtlingsteam. Die 23-Jährige hat derzeit keinen Ausweis. Denn sie floh vor dem Krieg in Syrien und lebt heute in der deutschen Stadt Hamburg. Im Interview mit den dpa-Nachrichten für Kinder erzählt sie, was sie sich für Olympia vorgenommen hat.

Anzeige

Auf was freust du dich bei Olympia besonders?

Yusra Mardini: »Auf die Eröffnungszeremonie. Ich hoffe, ich darf Fahnenträgerin sein.«

Du hast schon vor fünf Jahren in Rio bei Olympia mitgemacht. Willst du diesmal etwas anders machen?

Yusra Mardini: »Nein, gar nicht. Ich war einen ganzen Monat in Rio und ich habe wirklich alles erlebt, was man dort erleben kann während den Olympischen Spielen - außer einer Medaille. Dafür habe ich das Herz der Menschen gewonnen. Das war wirklich etwas Besonderes für mich und mein Team. Wir haben der Welt etwas Hoffnung gegeben.«

Du startest im Schmetterlingsstil. Was hast du dir vorgenommen?

Yusra Mardini: »Ich bin in einem der Vorläufe dabei. Es wird sicherlich richtig hart, ins Halbfinale zu kommen, wenn ich ehrlich bin.«

Startet ihr als Flüchtlingsteam unter neutraler Flagge?

Yusra Mardini: »Ja, aber es ist die olympische Flagge! Das heißt, wir vertreten die ganze große Welt. Und was will man mehr?«

Würdest du gern für ein Länderteam schwimmen und wenn ja für welches?

Yusra Mardini: »Für Syrien zu starten ist ein bisschen kompliziert, da ich gerade keinen Pass habe. Ich weiß nicht, ob das überhaupt geht. Für Deutschland zu starten kann ich mir in der Zukunft vorstellen. Es ist aber viel schwerer, sich für Deutschland zu qualifizieren. Man muss hart arbeiten, um es zu schaffen. Es ist schon mein Ziel, eine der Top-Athletinnen in Deutschland zu werden.«

Sprecht ihr im Team über eure Flucht?

Yusra Mardini: »Die anderen bekommen alles mit, was in meinem Leben passiert. Manchmal fragen sie mich so Einiges. Eine Frau im Team sagte mir: Ich werde nie verstehen, was dir passiert ist, aber du sollst wissen, dass ich immer für dich da bin. Das alleine fand ich wirklich süß. Das vergesse ich nie. Ich bin sehr glücklich, Teil von so einem Team zu sein.«