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»Zahnloser Tiger« – Gemeinderat und DAV-Chef sehen Gumpensperrung am Königssee kritisch

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Königssee: Gemeinderat und DAV-Chef sehen »Infinity Pool«-Gumpensperrung am Königssee kritisch
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Aus Naturschutzgründen planen Nationalparkverwaltung und Landratsamt ein Betretungsverbot im oberen Teil des Königsbach-Wasserfalls. (Foto: privat)

Schönau am Königssee – Aus dem »Berchtesgadener Anzeiger« hat Gemeinderat Beppo Maltan, Vorsitzender der Alpenvereinssektion Berchtesgaden, vom geplanten Betretungsverbot für den Bereich des sogenannten »Infinity Pools« am Königsbach-Wasserfall erfahren. Und er sieht die Gebietssperrung durchaus kritisch, wie er am Dienstag im Gemeinderat Schönau am Königssee betonte. »Das ist ein zahnloser Tiger«, sagte der hiesige DAV-Chef auf der Sitzung im Gasthaus »Unterstein«.


Dass man das geplante Betretungsverbot auch mit Unfällen begründe, die es im Bereich des »Infinity Pools« ja gar nicht gegeben habe, konnte Maltan nicht nachvollziehen. »Als Vorstand eines Bergsteigerverbandes sehe ich das durchaus kritisch, denn da müsste man ja auch die Watzmann-Ostwand oder die Watzmann-Überschreitung sperren.« Doch Beppo Maltan sprach auch als Vertreter eines Naturschutzverbandes – »und da sehe ich natürlich die schlimme Naturzerstörung in diesem Bereich«.

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Dennoch blieben laut Maltan viele Fragen offen: »Wie will man das Betretungsverbot umsetzen? Mit Tafeln? Wie weiß der Besucher, wo das Sperrgebiet beginnt? Und wer soll das kontrollieren? Schließlich haben die Ranger keine entsprechenden Rechte. Und soll die Polizei die Leute vielleicht mit Handschellen abführen? Ein Badeverbot in den Gumpen wäre da gescheiter. Durch die jetzt geplante Maßnahme werden die Leute jedenfalls erst recht aufmerksam auf das Gebiet.«

Für Bürgermeister Hannes Rasp ist klar, dass die Gemeinde hier nicht tätig werden könne. »Denn wenn wir hier tätig werden wollten, dann ginge das nur über das Sicherheitsrecht. Die Unfallhäufigkeit ist da hinten aber viel geringer als beispielsweise am Watzmann. Deshalb haben wir da keine Chance.« Rasp geht deshalb davon aus, dass das Betretungsverbot aus Naturschutzgründen erlassen werden soll. »Denn die vielen Menschen dort hinten trampeln Pflanzen und Boden kaputt.«

Wenn eine entsprechende Verordnung erlassen werde, müsste man unter anderem mit Tafeln darauf hinweisen. »Dann sind die Leute selbst dafür verantwortlich, die Bestimmungen einzuhalten.« Kontrolliert werden müsste das durch die Polizei. Der sogenannte »Natural Infinity Pool« im oberen Bereich des Königsbach-Wasserfalls ist in den letzten Jahren ein beliebtes Ziel von sogenannten Influencern geworden. Über die sozialen Medien wurde dieser ehemals versteckte, ruhige und naturschutzfachlich wertvolle Ort weit abseits des offiziellen Wegenetzes im Schutzgebiet weltweit bekannt gemacht.

Nun besuchen jährlich tausende Fototouristen die Gumpen am Wasserfall. Die Nationalparkverwaltung Berchtesgaden strebt nun in Abstimmung mit dem Landratsamt Berchtesgadener Land ein Betretungsverbot für den Bereich des »Infinity Pools« an, um eine Erholung der Vegetation zu ermöglichen (zum Bericht). Das Königssee-Ufer sowie die unteren Terrassen am Wasserfall sollen weiter zugänglich bleiben.

Das Landratsamt Berchtesgadener Land wird eine entsprechende Verordnung erarbeiten, auf deren rechtssicherer Basis Zugangsbeschränkungen für das künftige »Vegetationsschutzgebiet« definiert und bei Nichtbeachtung Bußgelder verhängt werden können.

Dieser Prozess soll mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Ulli Kastner