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Zehn Cent pro Schnaps gehen an die Drogenprävention

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Gerhard Polt Oberwössen
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Wenn Michael Well den indischen Pfarrer einer bayerischen Gemeinde interviewt – da bleibt kein Auge trocken. (Fotos: Flug)
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Bereits beim Weinfest im Rahmen des »Rechlberger«-Jubiläums herrschte grandiose Stimmung unter den rund tausend Besuchern. Für Tanzlaune sorgten die Hallgrafen und der Alpensound. Die Stimmung war bestens an den vollen Biertischen. Erst spät in der Nacht klang der Abend in der Bar mit Musik von der Funkloch-Musi aus.

Unterwössen – Auch am Tag danach standen die Besucher des Kabarettabends im Rahmen der 100-Jahr-Feier des Oberwössner Trachtenvereins »D' Rechlberger« noch unter dem Eindruck der Veranstaltung. In jeder Hinsicht war es ein Genuss, was Gerhard Polt und die Well-Brüder auf die Festzeltbühne brachten.


Das muss man erst einmal bringen: In einem rappelvollen Festzelt die bayerische Bierzeltkultur überspitzt vor Augen zu führen und dafür dröhnenden Applaus und kräftiges Gelächter der wohl über tausend Gäste einzufahren. Polt berichtet vom Fest zum 125-jährigen der Feuerwehr in Hausen. »Vom Jubiläum haben wir schon zwei, ach drei Jahre vorher gewusst. Es sollte etwas Kulturelles werden, so haben wir ein Bierzelt aufgestellt.«

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Im Wettbewerb der Vereine lag die Feuerwehr mit ihrem Jubiläum weit vorn. 8900 Essen wurden ausgegeben, zitiert Polt aus dem Vereinsprotokoll, darunter über 2000 ganze Hendl und 11 Fischsemmeln. Besonders stolz ist der Verein auf über 20 000 getrunkene Liter Bier, ohne Weißbier. Da hat der Bräu gleich 20 Fässer Weißbier für die Jugendarbeit gespendet. »Drogen schaden auch Dir« stand groß über dem »Enzianzelt« der Feuerwehrjugend, berichtet Polt. Die Jugend führte von jedem verkauften Schnaps 10 Cent, insgesamt über 7000 Euro an die Drogenprävention ab, zeigte sich Polt stolz.

Alkoholprobleme in der bayerischen Familie waren Thema eines Radiointerviews. Mit der Darstellung einer erfolgreichen Karriere als Trinksportler, der Vater, und Kampftrinker, der Sohn, nahm Polt zugleich unsinnige Radio- und Fernsehformate aufs Korn, die mit sozialen Abgründen Zuschauer unterhalten.

Das Erziehungsziel der Eltern, das Studium, die Rolle der Frau in der Beziehung und den Umgang der Menschen untereinander beschreibt er in einem Beitrag, So beklagt sich Polt, dass alle Töchter Psychologie studieren, um das Wissen in der Ehe anzuwenden. Dabei würde doch gesunder Menschenverstand ausreichen.

Männer sind dagegen oft deppert, wie sein Freund Karli, der ihm jederzeit Geld leiht. Manche Frau heiratet doch schnell mal so einen Deppen wie den Karli. »Nach relativ kurzer Zeit merkt sie dann, was sie sich für Schrott an Land gezogen hat. Frauen sind dann zu stolz zuzugeben, dass sie einen Teil des Lebens an so einen Typen verschissen haben. Zukünftig nehmen sie ihn dann in Schutz.«

Kinder sind behütete Helmkinder, die Mütter im Geländewagen gezopfte Helikopterschnecken, die mit Champagnerpartys den Übertritt aufs Gymnasium feiern. Über das Haus der Geschichte führt Polts Weg zu Seehofer, Söder, Stoiber und Strauß, die alle ihr Fett abbekommen. Die bayerische SPD kommt da besser weg, denn die genießt inzwischen Artenschutz.

77 Jahre alt ist der Polt jetzt. Hinter seiner bayerischen Bedächtigkeit steckt ein blitzgescheiter Kopf. So lustig und humorvoll, so bissig, sarkastisch und ironisch sind die Beiträge. Dabei sitzt jede Betonung, Denkpause, Pointe. Nie verhaspelt er sich, auch wenn er auf hohem sprachlichem Niveau durch Dialekte und Sprachen wandert. Zwei sprachlich verschiedene Personen in einem Beitrag sind für Polt kein Problem. Er beginnt ruhig im bedächtigen Ton, strotzt kurz darauf breitbrüstig vor Stolz, ehe er über eine Presseschreiberin in eine Granatenwut gerät.

Ein Höhepunkt des Abends war Polt als indischer Pfarrer einer bayerischen Gemeinde, interviewt von Michael Well auf Schulenglisch, gelesen vom Blatt. Polt beherrschte seinen langen Widerpart perfekt, wechselt zwischen Englisch, Indisch und Indisch-bayerisch.

Die Well-Brüder Karli, Stofferl und Michael Well stehen Polt in nichts nach. Allerdings ist ihre Exzellenz die Musik auf unendlich vielen Instrumente, in allen Stilrichtungen auf perfektem Niveau gespielt. Vieles ist kompositorisch verändert, überspitzt, aber immer hoch witzig und erstklassig vorgetragen und gesungen.

Händels Feuerwerkmusik entstand nicht in London, sondern in Hausen. Auf der Durchreise von Wien nach London erlitt er dort am Kreisverkehr einen Fahrzeugschaden. Er musste in Hausen auf die Reparatur warten. Die Originalversion im Blasmusikcharakter grub der dortige Ortsheimatpfleger aus, die Well Brüder spielten sie.

Dazu Mimik, Gestik und witzige Texte in der Anmoderation. Zwischen Tuba, Flöte, Alphorn oder Ziach streute Michael Well schon mal einen Plattler oder einen Irish Dance auf den Fußspitzen.

Das Publikum war hin und weg, auch wenn einige – wie Altbundespräsident Horst Köhler – mit dem geballten Dialekt etwas Probleme haben. Statt drei, hätte es gern auch sechs Zugaben sein dürfen. Unmittelbar darauf unterhielt in der Bar die Formation Boarisch Six. Und während viele Gäste den Abend und einen grandiosen Abschluss des Festwochenends in Oberwössen feierten, begannen die Oberwössner Trachtler bereits mit dem Abbau der Biertischgarnituren im Hauptzelt.