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Zehntausende feierten Walpurgis im Harz

Bad Grund/Hahnenklee (dpa) - Sie haben lange Nasen, Buckel, riesige Hüte und schwingen Besen - wild verkleidete Frauen sind das Markenzeichen der Walpurgisfeiern im Harz. Und so viele Hexen wie in diesem Jahr seien noch nie durch den Ort gezogen, sagt Isabel Junior, die Tourismuschefin von Hahnenklee.

Walpurgis
Eine Feuerkünstlerin tanzt in die Walpurgisnacht. Foto: Matthias Bein Foto: dpa

Der zu Goslar gehörende Ferienort ist eine der Walpurgis-Hochburgen im niedersächsischen Westharz. Dort und in 30 weiteren Orten des Mittelgebirges trafen sich zehntausende Menschen, um in der Nacht zum 1. Mai zu feiern. Dabei gehe es zwar oft wild zu, teilt die Polizei mit. Ausschreitungen oder nennenswerte Zwischenfälle habe es aber nicht gegeben. Walpurgis sei ein friedliches Fest, sagt ein Sprecher.

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«Die Gäste kommen von weither, um hier zu feiern», erläutert Braunlages Tourismus-Chef Christian Klamt. «Die Stimmung war ausgelassen.» Die Besucher, viele davon verkleidet, vergnügten sich und tanzten, bis gegen Mitternacht ein Hexenflug über den Braunlager Kurparkteich und ein Feuerwerk die Party beendeten.

Zu den traditionsreichsten Walpurgis-Veranstaltungen gehört ein schauriges Schauspiel auf der Naturbühne am Hübichenstein bei Bad Grund. Dort erscheinen Hexen und Teufel, Sagengestalten und die Maikönigin, die am Ende den Winter und das Böse vertreibt. «Der Platz mitten im Wald war wie jedes Jahr rappelvoll», freut sich Mitorganisator Andreas Lehmberg. Walpurgis-Veranstaltungen für Kinder hatte es bereits am Nachmittag überall im Harz gegeben. Dabei zogen auch die Kleinen als Gruselgestalten verkleidet durch die geschmückten Orte.

In ihrer Form als Volksfest gibt es die Walpurgisnacht erst seit Ende des 19. Jahrhunderts. 1889 trafen sich zum ersten Mal Wanderer zu einer fröhlichen Fete auf dem Brocken. Ursprünglich gehen die Feiern aber auf ein heidnisches Frühlingsfest zurück. Um das Jahr 800 lebten im Harz Sachsen, die von Karl dem Großen auf brachiale Art zu Christen gemacht worden waren. Da sie sich ihren alten Göttern weiter verbunden fühlten, zogen sich die Sachsen zum Feiern auf schwer zugängliche Berge zurück. Sie vermummten sich, um unerkannt zu bleiben und um böse Geister abzuschrecken.

Die Kirche, der die Umtriebe nicht verborgen blieben, versuchte dem Fest einen neuen Inhalt zu geben. Deshalb wurde später am 30. April der Geburtstag der heiligen Walburga gefeiert, der Schutzpatronin gegen Aberglauben und Geister. Den literarischen Grundstein für die heutigen Feste legte Goethe, als er nach einer Brockenbesteigung 1777 im «Faust» das teuflische Treiben festhielt.

Die Tourismusbranche im Harz freut sich darüber noch heute. Denn Hotels und Pensionen, sagt die Sprecherin des Tourismusverbandes HTV, Eva Ronkainen, waren auch diesmal zur Walpurgisnacht wieder gut gebucht.