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Zeitumstellung in der Nacht auf Sonntag

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Zeitumstellung
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In der Nacht vom 25. auf den 26. März werden die Uhren wieder auf Sommerzeit umgestellt - von 2.00 auf 3.00 Uhr. Foto: Federico Gambarini Foto: dpa

Es gibt sie alle halbe Jahr. Und doch sorgt sie immer wieder für Verwirrung: In der Nacht auf Sonntag ist Zeitumstellung.


Braunschweig (dpa) - In der Nacht auf Sonntag werden um 2 Uhr morgens die Uhren um eine Stunde auf 3 Uhr vorgestellt. Die Nacht ist also eine Stunde kürzer als sonst. Die Umstellung auf Sommerzeit wurde in Deutschland in heutiger Form 1980 eingeführt.

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Sie ist allerdings umstritten. Eine Mehrheit der Deutschen würde am liebsten nicht mehr länger am Zeiger drehen oder LED-Anzeigen verändern. Eine aktuelle und repräsentative Umfrage von YouGov ergab, dass rund 60 Prozent die Umstellung gern abschaffen würden.

Für die technische Umsetzung ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig zuständig. Sie betreibt mehrere Atomuhren. Die Wissenschaftler sorgen dafür, dass über einen Zeitsender in Mainflingen bei Frankfurt/Main das Signal für die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) gesendet wird.

Viele Empfänger des Senders mit einer Reichweite von 2000 Kilometern stellen das Signal automatisch um. Dazu gehören die Bahn, Flughäfen und Energieversorger. Zusätzlich wird über das Internet eine koordinierte Weltzeit verbreitet und an Rechnern erfolgt die Umstellung über die Systemsteuerung. »Viele Anwender bekommen also unabhängig von unseren Aussendungen ab 26. März (Sonntag) die richtige Zeit«, sagt Andreas Bauch, Leiter der Arbeitsgruppe Zeitübertragung.

Allein die Deutsche Bahn stellt 120 000 Uhren um. S-Bahnen, die zwischen 2 Uhr und 3 Uhr fahren sollten, fallen aus. Schließlich wird diese Stunde von der Zeitumstellung geschluckt. Intercity- und ICE-Züge kürzen ihre nachts oft längeren Stehzeiten in Bahnhöfen. Wo das nicht reicht, um die Stunde auszugleichen, kommt der Zug verspätet an. Darauf wird in der Reiseauskunft aber hingewiesen.

Am letzten Sonntag im Oktober wird die Uhr wieder auf die Normalzeit, die Mitteleuropäische Zeit (MEZ), zurückgestellt.

Bahn-Pressemitteilungen

Auch wenn die technische Zeitumstellung der Uhren in der Regel unkompliziert verläuft, hat der Mensch hin und wieder seine Probleme damit. Eine Stunde vor oder eine zurück? Das ist nicht immer so einfach, wie die Beispiele zeigen:

HORST SEEHOFER: Der bayerische Ministerpräsident verschläft im April 2014 eine Telefonkonferenz mit der Bundeskanzlerin, weil er seinen Wecker wegen der Sommerzeit nicht eine Stunde vorgedreht hat. Erst als sein Telefon nicht aufhört zu klingeln, so der CSU-Chef, sei ihm schlagartig klar geworden: Die Zeitumstellung! Die Telefonschalte beginnt so erst mit einigen Minuten Verzögerung um 8.07 Uhr.

WECKDIENST: Ausgerechnet die Telekom verschläft im März 2001 die Umstellung auf die Sommerzeit. »Etliche Menschen sind zu der alten Zeit geweckt worden«, sagt eine Mitarbeiterin des Erinnerungs-Service. Der Grund für die Verspätung seien Computerprobleme gewesen.

FINANZAMT: Im niedersächsischen Bad Gandersheim stehen im November 2011 knapp zwei Dutzend Mitarbeiter vor den verschlossenen Türen des Finanzamts. Der Eingang lässt sich einfach nicht öffnen. Den verantwortlichen Computer hat offensichtlich die Umstellung auf Winterzeit durcheinandergebracht. Statt um 6 Uhr kommen die Angestellten erst um 8 Uhr an ihre Arbeitsplätze, nämlich als der erste Kollege mit einem richtigen Schlüssel eintrifft.

BLITZER: Autofahrer in Freiburg bekommen im November 2010 einen Schrecken. In einigen Straßen gelten gewöhnlich nur von 22 Uhr bis 6 Uhr 30 km/h statt der sonst erlaubten 50 km/h. Doch weil die Blitzer nicht pünktlich von Sommerzeit auf Normalzeit eingetaktet wurden, fotografieren die Messgeräte am Abend nach der Zeitumstellung fälschlicherweise schon ab 21 Uhr, wie die »Badische Zeitung« damals berichtet. Knöllchen gibt es in dieser verflixten Stunde allerdings nicht - zumindest nicht für diejenigen, die weniger als Tempo 50 gefahren sind.

ONLINE-AUKTION: Pech haben einige eBay-Anbieter im Oktober 2004. Auktionen, die am Tag nach der Zeitumstellung zwischen 10 und 11 Uhr hätten enden sollen, sind bereits eine Stunde vorher vorbei. Bieter der letzten Stunde kommen daher nicht mehr zum Zug - gerade dann, wenn erfahrungsgemäß die Preise stark steigen. Ein Wermutstropfen: Den betroffenen Verkäufern will Ebay die Gebühren erlassen.