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Zieglerwirtstube platzte aus allen Nähten

Mit der Veranstaltung »Heast as net, wia die Zeit vergeht...« über die Traunsteiner Stadtgeschichte sollte die Veranstaltungsreihe »Erzählcafé 2012 – Daran erinnere ich mich gern...« der Stadtbücherei Traunstein eigentlich in die Sommerpause gehen. Der Andrang im Heimathaus war jedoch so unerwartet groß, dass bereits lange vor Beginn keine Besucher mehr eingelassen werden konnten. Deshalb entschloss sich die Initiatorin Annette Hagenau, Leiterin der Stadtbücherei, die Veranstaltung am Mittwoch, 1. August, um 20 Uhr zu wiederholen. Interessenten sollten vorsichtshalber in der Stadtbücherei oder im Heimathaus einen Platz reservieren.

Ein Rückblick auf die bisherigen Veranstaltungen, die nicht nur auf die Zieglerwirtstube des Heimathauses beschränkt sind, zeigt, dass das Projekt »Erzählcafé« der Stadtbücherei bei den Leuten sehr gut ankommt. »Ich bin mit der Resonanz absolut zufrieden«, erklärte Hagenau. Der absolute »Renner« waren die »Friedhofsgschichterl« mit Stadtrat und Gärtnermeister Josef Häusler. An dem Rundgang über den Waldfriedhof, bei dem der ehemalige Friedhofsgärtner deutlich machte, dass es dort nicht immer ruhig und traurig zuging, nahmen rund 150 Bürger teil. Aber auch Themen wie »Tradition und Brauchtum«, ein Gespräch mit Lesung mit Krimiautor Wolfgang Schweiger oder »Sport in Traunstein« lockten zahlreiche Zuhörer ins Heimathaus.

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Kenner der Stadtgeschichte kamen zu Wort

Zur letzten Veranstaltung vor der Sommerpause, deren Moderation Altoberbürgermeister Fritz Stahl mit zahlreichen Zitaten von Franz von Kohlbrenner übernommen hatte, waren absolute »Hochkaräter« und Kenner der Traunsteiner Heimatgeschichte gekommen. Sigi Strohhammer, der 1939 im Stadtteil Heilig Geist geboren wurde, hatte viel über das alte Spitalviertel zu erzählen, das stets mit den Hochwassern der Traun zu kämpfen hatte. Als Hausministrant im damaligen Bürgerheim bekam er für seine Dienste sogar vom heutigen Papst ein »Fuchzgerl« geschenkt.

Aus der Unteren Stadt, »wo ma dahoam war«, berichtete Willi Schwenkmeier. Wenn er in die obere Stadt musste, musste er sich auf Geheiß der Mutter »schee oziagn«. Aber das kam nicht oft vor, denn die Untere Stadt sei eine Stadt für sich gewesen, so Schwenkmeier. Metzgereien, Bäckereien, Lebensmittelgeschäfte und Wirtshäuser habe es genügend gegeben, und sogar eine eigene Feuerwehr, die Wiesen-Feuerwehr.

Über die Schulzeit auf dem Land gab Albert Drechsler Auskunft. Er musste von Alterfing 5,4 Kilometer in die Schule gehen, die Langmooser sogar elf. Im Sommer sei es noch gegangen, aber im Winter hätten die Kinder schon zu kämpfen gehabt. Damals konnte er noch nicht ahnen, dass er später als Einsatzleiter des städtischen Bauhofs selbst fürs Schneeräumen in der Stadt verantwortlich sein würde.

Albert Rosenegger aus Axdorf in der früheren Gemeinde Haslach erinnerte sich, dass er zum ersten Mal nach Traunstein gekommen ist, als man beim Käsbauer am Stadtplatz seine Kommunionkerze gekauft hat. Weil in Haslach mit Kirche, Wirtshaus, Schule, Bäcker, Metzger und Lebensmittelgeschäft alles Notwendige vorhanden gewesen sei, habe sich das Leben auf einem engen Radius abgespielt. Bei der Gebietsreform 1972 habe Haslach unter seinem Bürgermeister Franz-Xaver Steber zunächst nicht mitgespielt, weil Traunstein eigentlich nur Interesse an den Gewerbegebieten gehabt habe. 1978 wurde die Gemeinde nach 160 Jahren dann doch nach Traunstein eingemeindet. Gemeindeteile gingen auch an Siegsdorf und Vachendorf.

Zweite Erzählcafé-Runde startet im September

»Als man noch Kolonialwaren einkaufte« war das Thema von Max Binder, Jahrgang 1926. Er zählte eine ganze Reihe von Lebensmittelgeschäften auf, die bei den meist älteren Zuhörern ein zustimmendes Nicken hervorriefen. »Sie haben sich wegen der Preisbindung durch die Hersteller halten können«, meinte er. Es habe lediglich einen Rabatt von drei Prozent in Form von Rabattmarken gegeben. Nach dem Krieg hätten Handelsketten diese Preisbindung durch Eigenmarken unterlaufen. Außerdem sei das Lagerproblem für die Bevölkerung durch die Kühlschränke nicht mehr so groß gewesen. Dies habe zum Rückgang der kleinen Kolonialwarengeschäfte geführt.

Als »Zuagroaster« hatte Joachim Bödeker eine nette Geschichte parat. Er fand vor 13   Jahren auf dem Waldfriedhof zufällig das Grab von Arpad von Laban, der während seiner Jugend in der Stadt Nordenham in der Wesermarsch sein Musiklehrer war. Er ging der Geschichte nach und fand heraus, dass von Laban, der in Traunstein die erste private Musikschule gegründet hatte, die Stadt 1953 verlassen hatte und nach Nordenham gezogen war. Nachdem er 1960 verstorben war, veranlasste seine Frau die Umbettung nach Traunstein.

Das »Erzählcafé« geht am 18.    September mit dem Thema »Quo vadis Jugend in Traunstein« in die zweite Runde. Bjr