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Zigeunermusik, Tangos und Klassik

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Lerchengezwitscher aus dem Luftballon: Das Münchner Trio Verdandi brillierte in der Sawallisch-Villa mit (von links) Mirjam von Kirschten am Klavier, Ilona Cudek, Geige (hier mit Luftballon) und Elke Funk-Hoever am Violoncello. (Foto: Giesen)

Eine wunderbar unterhaltsame Mischung aus virtuos dargebrachter Zigeunermusik, kurzen klassischen Stücken und Tangos bot das Trio Verdandi aus München im komplett ausverkauften Kammermusiksaal des Sawallisch-Hauses Hinterm Bichl in Grassau.


Bei dem hochkarätigen Konzert spielten Ilona Cudek auf der Geige, Elke Funk-Hoever am Cello – beide Damen sind Mitglieder der Münchner Symphoniker – sowie Mirjam von Kirschten am Klavier. Die drei Musikerinnen feiern als Ensemble in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen, wobei sie sowohl als Solistinnen in verschiedenen Orchestern auftreten als auch in kammermusikalischen Besetzungen im In- und Ausland musizieren.

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Ohne dass ein gedrucktes Programm vorlag, wurden die verschiedenen Stücke jeweils von einer der Damen selbst angekündigt. Im ersten Teil kamen unter anderem das eher ernste, getragene Klaviertrio in c-Moll des tschechischen Komponisten Josef Suk (1874 bis 1935) und die lyrisch eindringliche »Aria« von Robert Schumann (1810 bis 1856) zur Aufführung.

Zu den Lieblingskomponisten des Trio Verdandi gehört die französische Komponistin Mélanie Hélène Bonis (1858 bis 1937), die ihre Kompositionen unter dem Künstlernamen Mel Bonis veröffentlichte, weil sie damals als Frau in dem reinen Männermetier Nachteile fürchten musste. Trotz des Widerstands ihrer Eltern gelang es ihr durch Vermittlung von César Franck, am Pariser Konservatorium fünf Jahre Musik zu studieren. Danach verheirateten sie ihre Eltern mit einem 22 Jahre älteren, zweifach verwitweten Industriellen mit fünf Kindern, von dem sie weitere drei Kinder bekam. Obwohl sie wegen ihrer familiären Verpflichtungen erst um 1900 wieder verstärkt zu komponieren begann, hinterließ sie ein umfangreiches Werk mit etwa 300 Kompositionen, darunter elf Orchesterwerke, 30 Orgelwerke, Kammermusik und 60 Klavierwerke, von denen zwei (zum Beispiel »Les Gitanes«) Mirjam von Kirschten virtuos spielte und dem Publikum damit die besondere, weithin unbekannte Musik dieser Komponistin ins Bewusstsein rückte. Mel Bonis wird, unter anderem durch das Trio Verdandi nach rund 60-jähriger Vergessenheit erst in den letzten Jahren wieder häufiger aufgeführt.

Sehr lebendig, heiter, zum Teil überraschend lustig wurde es im zweiten Teil des Konzerts. Nach einem kurzen russischen Lied von Michael Glinka (1804 bis 1857) kamen zwei Stücke in A-Dur zu Gehör, ein wunderschönes, opus 70, von Max Bruch für Cello und Klavier und »Papillon«, flirrend, schwebend, von Gabriel Fauré. Weitgehend mit Pantomime, dem kratzigen Geräusch von Milchschäumern auf den Saiten oder Luftblasen – mit Flaschen erzeugt – erheiterten die Zuhörer beim Song »My Heart will go on« aus der »Titanic«. Bei dem Zigeunerstück »Die Lerche« entlockte die Violinistin Ilona Cudek durch die einem Luftballon entweichende Luft wahres Lerchengezwitscher, immer im Ton zu den übrigen Instrumenten passend, und harmonierte genial mit den Vogelpfiffen von Elke Funk-Hoever.

Erwähnt werden müssen auch die schmissigen Tangos und Milongas des zeitgenössischen Komponisten und Musikers Peter Ludwig, die nicht nur bei der erklatschten Zugabe die Zuhörer faszinierten. Ganz zuletzt erklang der berühmte »Salut d'amour« des britischen Komponisten Sir Edward Elgar (1857 bis 1934), sodass Paul Bischof, einem der beiden Vorsitzenden der Sawallisch-Stiftung, bei der Verabschiedung seine anfangs angekündigten Vorschusslorbeeren »kammermusikalische Brillanz, Ausstrahlung, mitreißend und überall hervorstechende Spielfreude, …« nur noch bestätigt werden konnten.

Wenn der Besucherandrang wie bei diesem ersten Konzert des Jahres so weitergeht, wird bei der Villa Sawallisch nicht mehr lange von »Geheimtipp« die Rede sein können.

Christiane Giesen