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Zu Besuch in der Schatzkammer der Waginger Wehr

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Feuerwehr-Chronist Thomas Pfeffer (links) und Museums-Wart Alois Pfeffer »im Einsatz«: Mit Muskelkraft wurde diese Saug- und Druckspritzen aus dem Jahr 1902 bedient.
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Dem »Chief« einer US-Feuerwehreinheit gehörte dieser Helm, der zusammen mit zahlreichen anderen Helmen aus zwei Jahrhunderten und drei Kontinenten im Feuerwehrmuseum in Waging am See zu sehen ist. (Fotos: Wannisch)
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Rarität: Uniform mit dem Schriftzug »FIRE DEPT.«.
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Die »Feuerfahne« der Feuerwehr Waging aus den 1860/70er Jahren.

Waging am See – Feuerwehrhelme aus zwei Jahrhunderten und von drei Kontinenten, die Originalfahne aus dem Gründungsjahr 1872 und seit wenigen Wochen eine wahre Rarität aus der Zeit der US-Besatzung – unter dem Dach des Feuerwehrhauses in Waging finden sich viele Schätze aus der Geschichte der Wehr.


Mit Museumswart Alois Pfeffer und Chronist Thomas Pfeffer hat sich das Traunsteiner Tagblatt auf Spurensuche gemacht.

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»Das ist wirklich eine Rarität, was da bei einer Haushaltsauflösung in Ruhpolding gefunden wurde«, sagt Alois Pfeffer stolz und blickt auf die unscheinbare, schwarzgraue Wolljacke. Das Modell von 1910 nutzte die Freiwillige Feuerwehr bis in die 1960er Jahre hinein; also auch während der US-Besatzung. In dieser Zeit erhielten die Uniformen zum üblichen Feuerwehr-Abzeichen noch ein kleineres Emblem mit der Aufschrift »FIRE DEPT.« (Fire Department). Mit dem Abzug der Amerikaner verschwanden auch diese Abzeichen. »Die Experten beim Feuerwehrmuseum in Mühldorf haben uns die Echtheit bestätigt – und, dass wir hier etwas sehr Seltenes haben«, ergänzt Pfeffer.

Viele Schätze auf Dachböden gefunden

Seit 1989 gibt es das Feuerwehrmuseum in Waging am See. Damals stand der Umzug vom alten ins neue Feuerwehrhaus an der Fichtenstraße an. »Da wir so viel altes Zeug am Dachboden hatten, kam uns die Idee mit dem Museum«, erinnert sich Alois Pfeffer, der damals Kommandant war. Um die Sammlung zu ergänzen, wurde auf Dachböden und in Kellern in der Gemeinde gesucht. »So sind wir auch auf die verschollen geglaubte Gründungsurkunde gestoßen«, sagt Chronist Thomas Pfeffer.

Und das alte Zeug kann sich sehen lassen. Derzeit sind am Standort der Waginger Wehr vier Generationen von Leitern zu sehen. Das älteste Modell – eine Balanceschiebeleiter aus dem Jahr 1899 – ist noch aus Holz. Daneben steht die Leihgabe der Chieminger Feuerwehr, eine Leiter aus dem Jahr 1982. Sie gehörte aber ursprünglich der Feuerwehr Waging. Die dritte Generation ist die aktuelle Drehleiter aus dem Jahr 1990 – das erste computergesteuerte Modell. Die neue, 32 Meter lange Leiter wird diese dann ab Juli ersetzen.

Auch eine Saug- und Druckspritze aus dem Jahr 1902 ist im Besitz des Feuerwehrmuseums. Das Modell stammt aus Holzhausen bei Teisendorf, ein baugleiches Modell wurde aber von der Waginger Wehr genutzt. Die Spritze war mit der Saug- und Pumpfunktion ein Hightechgerät ihrer Zeit.

Ein Zufallsfund in einem Abrisshaus ist auch die »Feuerfahne« – ein wertvolles Original. »Da der Schriftzug 'Freiwillige Feuerwehr' fehlt, dachten wir zunächst, es wäre vielleicht die Standarte der Musikkapelle«, erinnert sich Thomas Pfeffer an den Fund. Doch bei der Restaurierung stellte sich heraus, dass das stark beanspruchte, rote Stück Stoff zwischen 1860 und 1870 gefertigt wurde und dem Vorläufer der Freiwilligen Feuerwehr Waging – der Löschanstalt Waging – gehörte. Der fehlende Verweis auf die Freiwillige Feuerwehr ist so auch zu erklären, erst ab 1872 gab es die Freiwillige Feuerwehr Waging. Nur die rote Laterne, die anzeigte, wo der Kommandant war, ist eine Nachbildung.

Das 150-Jahr-Jubiläum feiert man dennoch 2018. Denn erst seit Kurzem weiß man, dass die Wehr offiziell 1872 gegründet wurde. »Warum man sich auf 1868 als Gründungsjahr festgelegt hat, das ist heute nicht mehr wirklich nachzuvollziehen, es wurde eher willkürlich festgelegt«, weiß Chronist Pfeffer.

Zu sehen sind aber nicht nur Schätze aus der Geschichte der Waginger Wehr. Mehr als 1500 Abzeichen von Feuerwehren aus Deutschland und den USA sind in einem Schaukasten zu bewundern. Darunter auch eines des legendären NYFD, der New York Fire Department. Besonders stolz ist Museumswart Alois Pfeffer aber auf das Abzeichen der Feuerwehr Helgoland. »Das ist heute nicht mehr zu bekommen.« Mittlerweile geizen vor allem kleine oder besondere Wehren damit, diese zu verschenken; denn Sammler zahlen hohe Preise dafür. Doch verkaufen würde man in Waging diese Raritäten nie. Lieber zeigt man sie stolz den Besuchern. vew

Wer das Feuerwehrmuseum in Waging am See, Fichtenstraße 1, besuchen will, kann einen Termin mit Alois Pfeffer vereinbaren unter Telefon 08681/9575. Auch freut sich die Feuerwehr über Sachspenden für das Museum.