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»Zu ihren Füßen singt ein buntes Vögelein«

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Verena Dusch (links) und Lisa Schmuck setzen dem Gedenkkonzert mit ihren solistischen Darbietungen Glanzlichter auf. (Foto: Janoschka)

Am 24. Mai wäre Ernst Gruber 85 Jahre alt geworden. Dies nahm seine ehemalige Flötenschülerin Verena Dusch zum Anlass, ein Konzert für diesen vor zwei Jahren verstorbenen Kirchen- und Schulmusiker zu organisieren, der im Berchtesgadener Land und im Chiemgau gewirkt und viele eindrucksvolle musikalische Spuren hinterlassen hat.


In der Kirche Sankt Andreas in Teisendorf stand am Eingang des Altarraumes ein Tischchen mit dem Bild von Ernst Gruber, der quasi als unsichtbarer Zuhörer sicherlich seine Freude an diesem herrlichen Konzert voller Kleinodien hatte. Verena Dusch, Sopran, Lisa Schmuck, Alt, Veronika Hasenöhrl an der Harfe und Cäcilia Sommer an der Orgel und als Leiterin des Kirchenchores Teisendorf musizierten in inniger Verbundenheit miteinander. Geistlicher Rat Anton Parzinger würdigte in seiner Begrüßung ebenso wie Verena Dusch die Leistung und das Wirken dieses engagierten Kirchenmusikers.

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Die Marienlieder in diesem Gedenkkonzert »Ave Maria« fügten sich mit Chorsätzen wie »Regina Coeli« des italienischen Komponisten Antonio Lotti (1667 bis 1740) und »Maria Himmelskönigin« von Franz Philipp (1890 bis 1972), mit Duetten wie »Sei gegrüßt, o Jungfrau rein«, »Ich weiß ein hübsches Häuselein«, »Es blühn drei Rosen« und »O Maria, noch so schön« des Spätromantikers Joseph Haas (1879 bis 1960), mit »Ave Maria« von Luigi Luzzi (1824 bis 1876), von Joseph Rheinberger (1839 bis 1901), Franz Schubert (1797 bis 1828), Caspar Ett (1788 bis 1847), Luigi Cherubini (1760 bis 1842) und von Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921) hervorragend in den Marienmonat Mai und boten gleichzeitig einen Überblick über die Literatur zu diesem Thema.

Mit den Instrumentalwerken trugen die Musikerinnen Veronika Hasenöhrl auf der Harfe und Cäcilia Sommer an der Orgel zur feierlich-erhebenden Atmosphäre bei. Die Harfenistin entführte die zahlreichen Zuhörer mit Arpeggien und Glissandi in das Reich der meditativen Klänge: »Der kleine Springbrunnen« von Samuel O. Pratt (1925 bis 1985) ließ Bilder von lichtdurchfluteten Wassertropfen aufsteigen, »La Sérénade« des belgischen Harfenisten und Komponisten Félix Godefroid (1818 bis 1897) erinnerte an Franz Schuberts »Ständchen« aus dem »Schwanengesang« D 957, und in »Nocturne« des russischen Komponisten Mikhail Glinka (1804 bis 1857) streichelte und zupfte Veronika Hasenöhrl die Saiten ihres Instruments ebenso zärtlich wie in all den Liedern für Sopran- und Altsolo, die sie einfühlsam begleitete.

Cäcilia Sommer trug auf der Orgel den Satz »Sortie« aus den »Heures Mystiques« op. 29-30 mit einer Sammlung von acht Messen von Léon Boëllmann (1862 bis 1897) vor, ferner »Cantilène religieuse« von »Théodore Dubois« (1837 bis 1924) und »Pax vobiscum« von Henry Elliot Button (1861 bis 1925) und verlieh auf der Königin der Instrumente dem Konzert einen besonders feierlichen Anstrich. Der Kirchenchor Teisendorf unter ihrer Leitung glänzte mit differenzierter Dynamik, schönem Chorklang und konzentrierter Aufmerksamkeit in der Gestaltung seiner Chorsätze und trat bei »Ich weiß ein hübsches Häuselein« als Echo in einen musikalischen Dialog mit den Solistinnen. Die beiden Frauenstimmen waren sehr gut aufeinander abgestimmt und boten genussvoll ihre Soli und Duette dar. Verena Dusch zeigte mit ihrem strahlenden Sopran ihr professionelles Können zum Beispiel in dem anspruchsvollen »Ave Maria« von Luigi Cherubini mit Koloraturen und Trillern und im romantischen und tänzerisch anmutenden »Mariä Wiegenlied« aus »Schlichte Weisen«, op. 76 von Max Reger (1873 bis 1916), ein Schlaflied, das ein buntes Vögelein zu Marias Füßen dem Jesuskind singt. Auch Lisa Schmuck aus Waging sorgte mit ihrer samtenen Altstimme für Gänsehaut-Feeling, besonders bei »Ave Maria« von Camille Saint-Saëns und von Franz Schubert.

Vor der stimmungsvollen Zugabe, dem »Abendsegen« aus »Hänsel und Gretel« von Engelbert Humperdinck (1854 bis 1921) würdigte Verena Dusch alle, die zum Gelingen dieses Konzerts beigetragen haben. Die Spendensumme von 600 Euro geht im Sinne von Ernst Gruber an die Musikschule Teisendorf. Brigitte Janoschka