weather-image
20°
»Kliniken Südostbayern«-Chef Uwe Gretscher will mit 100 neuen Serviceassistenten das Pflegepersonal deutlich entlasten

Zu wenig Personal, zu viel Arbeit, ineffiziente Prozesse

Der Vorstandsvorsitzende der Kliniken Südostbayern, Dr. Uwe Gretscher, kündigt an, insgesamt 100 Serviceassistenten über alle sechs Standorte hinweg einzustellen.
Weitere Optimierungen von Arbeitsabläufen stehen in den Kliniken (hier: Kreisklinik Berchtesgaden) auf dem Programm. (Fotos: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Die Anforderung an das Personal der Kliniken Südostbayern, die an sechs Standorten vertreten sind, ist hoch. »Ich weiß nicht, wie das noch weitergehen soll. Wir sind zu wenige und haben zu viel zu tun«, sagt ein Mitarbeiter aus dem Pflegebereich in Bad Reichenhall. Zu wenig Personal, zu viele Aufgaben. Davon hat man auch im Vorstand Wind bekommen. Es gab Personal- und Gruppengespräche. In den Kliniken, sechs Häuser in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein, soll sich nun einiges ändern, wie Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Gretscher bestätigt.


»Unsere Pflegekräfte sind uns sehr wichtig«, sagt Dr. Uwe Gretscher. Dass nicht alles immer rund lief, weiß auch er. Deshalb sei es nun umso wichtiger, die »Arbeitsabläufe besser anzupassen«. Überall im Land seien die Kliniken mit Veränderungen konfrontiert. Der Verbund der Kliniken Südostbayern mache da keine Ausnahme. 3 700 Angestellte arbeiten dort. Darunter einige, denen die Situation über den Kopf wächst.

Anzeige

»Es gibt immer mehr zu tun, oft Dinge, die nicht dem entsprechen, um was wir uns kümmern sollten«, sagt eine enttäuschte Mitarbeiterin aus Freilassing. Auch der Vorsitzende des Aufsichtsrates und Landrat des Berchtesgadener Land, Georg Grabner, sagt, dass es an Standorten »geknirscht hat« und die Prozesse nun sukzessive optimiert werden sollen. »Wir haben riesige Herausforderungen zu bewältigen.«

Es besteht Optimierungsbedarf

Auch Vorstandsvorsitzender Uwe Gretscher weiß, dass in Sachen Arbeitsabläufe Optimierungsbedarf besteht. Allerdings benötige das ein »hohes Maß an Organisation«, da das heutige Arbeiten mit dem von vor zehn Jahren fast nichts mehr gemein habe. »Unsere Pflegekräfte arbeiten deutlich fokussierter«, sagt er. Aber zugleich oft am eigentlichen Einsatzbereich vorbei. Laborröhrchen und Antragszettel durch die Klinik zu tragen, könne nicht »unsere Hauptarbeit sein«, sagt eine Pflegekraft. Das sieht auch Uwe Gretscher so und kündigt an, dass es innerhalb der Kliniken deutliche Veränderungen geben werde.

So sollen im Klinikverbund etwa 100 zusätzliche Serviceassistenten eingestellt werden, die zwar nicht über den generellen Mangel an Pflegekräften hinweghelfen können, aber Aufgaben übernehmen, mit denen aktuell Pflegekräfte gebunden sind. Dass sich so mancher Mitarbeiter in einer »Stresssituation befindet, erklärt sich von selbst«, gibt Uwe Gretscher zu. Einige Mitarbeiter fühlten sich belastet, auch möchte der Vorstandsvorsitzende nicht verhehlen, dass »in der Pflege in den letzten Monaten einige Leute gegangen sind«.

Kleinere Pflegeteams

In der Tat sind die Teams im Pflegebereich deutlich geschrumpft. Einzelne Schichten werden mit zunehmend weniger Kräften gefahren, als noch vor einigen Jahren. »Wir haben einfach über unsere Verhältnisse gelebt und uns zu viele Mitarbeiter geleistet«, gesteht Uwe Gretscher mit Blick auf die Vergangenheit und jene schwierigen Jahre, in denen sich die Kliniken befunden haben und teilweise noch befinden. Viele Stellen wurden daher nicht nachbesetzt, innerhalb der Kliniken wurde das Personal versetzt, Arbeitsabläufe umstrukturiert. Die Personalkosten seien ausschlaggebend gewesen, »die sind bei uns noch zu hoch«, sagt er, obwohl mit dem Personal der Betrieb in einer Klinik steht und fällt. »Unsere Leute waren in der letzten Zeit immer wieder häufiger Belastungsspitzen ausgesetzt«, sagt Uwe Gretscher, die etwa dann eintreten, wenn nur wenige Betten auf einer Station belegt sind und das Personal angeglichen wurde, weil etwa andere Kollegen in den Urlaub geschickt worden waren. Wenn sich die Situation dann zuspitzt, wieder mehr Patienten kommen, das Personal aber unverändert bleibt, kann es tage- oder wochenweise zu sogenannten »Belastungsspitzen« kommen. »Mit unseren neuen Maßgaben versuchen wir das zu umgehen«, sagt Uwe Gretscher. In den Kliniken gelte es, nachzujustieren und jene insgesamt 100 zusätzlichen Seviceassistenten über alle sechs Standorte verteilt mit Aufgaben zu belegen, sodass das Pflegepersonal, das zahlenmäßig sowieso schon stark beansprucht ist, unterstützt wird. Ob Hol- oder Bringdienste, das Fahren von Patienten zu Operationen oder das Verteilen von Essen – alles Dinge, die bislang größtenteils von Gesundheits- und Pflegekräften absolviert wurden.

Baustellen gebe es in den Kliniken aber noch einige. Etwa das Thema Dokumentation. »Aktuell dokumentieren wir auf Papier und elektronisch«, sagt Uwe Gretscher. Doppelt gemoppelt. Aber ein Zeitaufwand, der zulasten der Mitarbeiter und schließlich auch der Patienten geht. »Entweder Papier oder elektronisch«, sagt er. Naheliegend ist die elektronische Patienten-Dokumentation, da dies einfacher sei und am wenigsten Zeit beanspruche. »In dieser Hinsicht müssen wir noch viel Geld in die Hand nehmen und konsequent an Ergebnissen arbeiten«, sagt er. Zudem ergebe es etwa wenig Sinn, wenn alle Patienten auf einmal um eine bestimmte Uhrzeit einberufen würden. Kilian Pfeiffer