Zukunftschancen für Tourismus nach Corona

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Mit Lukas Krösslhuber und Katie Tropper vom Tourismusverband Wilder Kaiser in Tirol diskutierte Moderator Nico Foltin über neue Wege der Zusammenarbeit im Tourismus.

Welche Zukunftsvisionen und -trends bestimmen den Tourismus nach Corona – regional und überregional? Vielschichtige Antworten und Impulse dazu lieferte ein vom Tourismusverband Chiemgau im Rahmen des Interreg-Projekts »Attraktiver Tourismus« veranstalteter Online-Kongress.


Die Resonanz von 900 Teilnehmern machte die länderübergreifend in Salzburg und Kufstein organisierte Tourismus-Veranstaltung zu einer der größten in den letzten Monaten. Schwerpunkte bildeten die Themen Personalführung, Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell und regionale Best-Practice-Beispiele für die bessere Einbeziehung der jungen Generation.

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Von einem »Leidensdruck, um Veränderungen positiv zu gestalten«, sprach Stephan Semmelmayr, Geschäftsführer des Chiemgau Tourismus, und resümierte: Nach Jahren ständiger Pluszahlen »wird es nie wieder so sein wie vor Corona«. Dass sich die Tourismusregionen Salzburg, Tirol und Südostbayern künftig stärker zusammenschließen und im Verbund voneinander profitieren wollen, machten erste Ergebnisse einer aktuell angelaufenen Interreg-Studie deutlich.

Das Ziel sei, die Attraktivität und das Image der Branche als Arbeitgeber zu erhöhen, so Semmelmayr. Speziell Führungskräfte in den Betrieben sollten durch Umfragen, Online-Lehrgänge, digitale Bewertungsinstrumente, Austauschmöglichkeiten und weitere Synergieeffekte in die Lage versetzt werden, ihre Betriebe auf neue Tourismustrends und eine nachhaltige Mitarbeiterführung ausrichten zu können. Erste Ergebnisse zeigten, dass speziell den jungen Mitarbeitern Wertschätzung und Vertrauen »auf Augenhöhe«, gute Unterstützung, ein kollegiales Umfeld und die passende Work-Life-Balance wichtig seien.

Einen »geschichtlichen Wendepunkt mit Tiefenwir-kung« sah der Zukunftsforscher Matthias Horx in der Corona-Pandemie. Diese werde nicht nur Gesellschaft und Wirtschaft, sondern auch den Tourismus tiefgreifend verändern. Nach »Reise-Exzessen« und Auswüchsen des Massentourismus gehe der Trend zu neuen Werten. Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeit und Naturerleben, Sinnerfüllung und Selbstfindung, persönliche Nähe zu den Gastgebern und das Kennenlernen authentischer regionaler Besonderheiten würden stärker als bisher die Wünsche der Touristen bestimmen. »Im Resonanz- und Erlebnistourismus mit Herzblut wird die Urlaubszeit auch als intensiv erlebte Lebenszeit für die Persönlichkeitsentwicklung verstanden.«

Der Nachhaltigkeitspionier Andreas Koch aus Mainz stellte ungewöhnliche Beispiele aus verschiedenen Regionen vor, wie sich Hotelbetriebe, Landwirtschaft und Regionalanbieter in Projektangeboten zu einer sinn- und wertstiftenden Kooperation zusammenschließen können. Der gemeinsam erzielte Mehrwert schließe dabei auch eine engere Anbindung der Mitarbeiter und Gäste mit ein. Als erfolgreiche Beispiele nannte er Olivenernte und Weinverkostung in Kreta, einen Tee-Diskjockey oder ein »nachwachsendes Hotelzimmer« mit Heuplatten zur Verbesserung des Raumklimas.

Einblicke in die Arbeits- und Lebensweise, Werte und Bedürfnisse der jungen Generation gab der Jugendforscher Simon Schnetzer aus Kempten. Die Ansprüche der Generation Y und Z an einen modernen Arbeitsplatz verglich er mit einem »wärmenden Lagerfeuer mit Atmosphäre«.

Den hohen Mehrwert von den gemeinsam mit 16 Betrieben und ihren Mitarbeitern entwickelten Werten und Führungsqualitäten, Weiterbildungsprogrammen und Attraktionen für die Region erläuterten Lukas Krösslhuber und Katie Tropper vom Tourismus-Verband Wilder Kaiser. Inbegriffen sind dabei umfassende Mitarbeiterangebote, Talente-Management, öffentlichkeitswirksame »Job-Checks« junger Leute sowie eigene Betreuer für Nachwuchswerbung und Vermietercoaching.

Eine Vielzahl konkreter Beispiele für die wertschätzende Einbindung der Mitarbeiter in den Betrieben erläuterten Klaus Graf von Moltke, Inhaber des Gut Steinbach Hotel & Chalets in Reit im Winkl, sowie Carina Lechner vom Saalbacher Hof. Für »mehr Freiraum für Hoteliers« machte sich wiederum der Rosenheimer Landtagsabgeordnete und tourismuspolitische Sprecher der CSU, Klaus Stöttner, in einer Experten-diskussion stark. Besprochen wurden etwa die Abschreibungsmodalitäten für Mitarbeiterwohnungen oder die steuerliche Freistellung von Kost und Logis für Mitarbeiter. Zusammenfassend erklärte Stephan Semmelmayr: »Arbeit muss heute sinnstiftend sein und dem Mitarbeiter das Gefühl der Wertschätzung geben. Nur eine gute Kaffeemaschine reicht heute nicht mehr.«

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