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Traunsteiner Gitarrenkonzert mit Arturo Zeballos, Mónica Younis und Sebastián Bernal

Zum Dahinschmelzen schön

Vielleicht war es tatsächlich das beste Gitarrenkonzert – wie Alfred Schillmeier in der Pause meinte –, das die zahlreichen Zuhörer im Traunsteiner Rathaussaal bisher gehört haben.

Arturo Zeballos (Mitte), Mónica Younis und Sebastián Bernal lieferten Nahrung für Herz und Verstand – und eines der besten Traunsteiner Gitarrenkonzerte. (Foto: Heigl)

Ganz sicher aber war es das gefühlvollste und das anrührendste – ohne all die wunderbaren Gitarrenvirtuosen abzuwerten, die Schillmeier, Musikpädagoge der Städtischen Musikschule, im Laufe dieser anspruchsvollen Konzertreihe eingeladen hat.

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Im Rahmen der langjährigen Reihe der Traunsteiner Gitarrenkonzerte

Das Konzert »Guitarra Argentina« mit dem Gitarristen Arturo Zeballos, laut Schillmeier einer der besten Gitarristen Argentiniens, war zum Dahinschmelzen schön. Zeballos, der in der musikalischen Tradition der argentinischen Musik zu Hause ist, die sich aus den verschiedensten Einflüssen speist, gilt insbesondere als der Interpret für die Musik des legendären Gitarristen und Komponisten Atahualpa Yupanqui (1908 bis 1992).

Zeballos eher etwas introvertierte Spielweise hätte an diesem Abend wohl nicht das Feuer entfachen können, das er im Zusammenspiel mit der Sängerin Mónica Younis und dem Sänger und Gitarristen Sebastián Bernal auslöste. Die ausgewogene musikalische Mischung an diesem Abend bot also Nahrung für Herz und Verstand.

Die schwierige, leidvolle Geschichte Argentiniens ist die eine Seite ihrer Heimat, von der Mónica Younis in der tiefen Stimmlage der traditionellen Gesangsweise argentinischer Sängerinnen, einer Art Lamento-Gesang, erzählte. Mit dem Einsatz der Bruststimme wird die archaische Ebene des Ausdrucks aktiviert.

Bei den gemeinsam gesungenen Duetten mit Sebastián Bernal, die sich die beiden Sänger – Zeballos mit der Gitarre in der Mitte sitzend – einander zusangen, mischte sie ein wenig Kopfstimme hinzu, und mit lebendiger, geradezu übermütiger Fröhlichkeit erzählten die beiden von den Wundern des Lebens und der Liebe, die auch in schwierigen Zeiten erlebt und vielleicht umso stärker gefühlt werden. Das Schwelgen der beiden Sänger im gemeinsamen Klang war einfach hinreißend. Da wäre manch Zuschauer sicher selbst gerne zwischen den beiden gesessen, um sich den Vibrationen des musikalisch formulierten, leidenschaftlich empfundenen Glücks zur Gänze auszusetzen.

Eine Kostprobe seines Könnens als Gitarrist und Sänger zeigte Sebastián Bernal mit »La Pomena« von Gustavo Cuchillo Leguizamón (1917 bis 2000) und zwei weiteren Stücken. Die Strahlkraft seiner Stimme ließ sofort auch an Oper oder Operette denken.

Die Ansagen Arturo Zeballos die nicht über die Ankündigungen des Titels hinausgingen, übersetzte Evelin Mühlbauer aus München. Interessanter wären kleine Zusammenfassungen der jeweiligen Liedtexte gewesen – auch wenn es Musik war, die die Zuhörer jenseits aller Worte verstanden. Nach drei Zugaben entließen sie die Künstler schließlich schweren Herzens. Barbara Heigl