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Zum Gedenken an Mieczylaw Weinberg

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Der Salzburger-Festspiele-und-Landestheater-Kinderchor mit Mirga Gražinyte-Tyla (Zweite von links)

Am 8. Dezember wäre Mieczylaw Weinberg 100 Jahre alt geworden. Der Abschlussabend zum fünftägigen »Festival Weinberg 100« in Salzburg war zugleich Geburtstagsfeier, Neubelebung und Entdeckung der Werke des 1996 verstorbenen Komponisten.


In Warschau geboren, flüchtete der knapp 20-jährige Student vor den Nazis in die Sowjetunion und lebte ab 1943 als russischer Komponist bis zu seinem Tod in Moskau. Erst nach dem Krieg erfuhr er, dass Eltern und Schwester von den Nazis ermordet worden waren. Seinem reichen Schaffen wird jetzt zunehmend mehr Aufmerksamkeit gezollt. In einer Video-Einspielung aus Moskau drückte die Tochter des Komponisten ihre Freude über die Aufführung seiner Werke aus. Als einer der produktivsten Komponisten des 20. Jahrhunderts schuf er Opern, Ballette, Orchesterwerke, Kammermusik, Lieder und auch Film- und Unterhaltungsmusik. Schostakowitsch förderte Weinberg und die beiden verband eine enge Freundschaft. Die Geburtstagsfeier bot ein umfangreiches Programm mit neun sehr unterschiedlichen Werken, die damit ein gutes Bild von Weinbergs Tonsprache vermittelten, die trotz mancher Nähe zu Schostakowitsch von kreativer Eigenständigkeit und Originalität gekennzeichnet ist. In der Grundanlage tonal, beeindruckten melodische Passagen mit kühnen Harmonien in kontrastreichem Wechsel, auch slawisches Kolorit, Klezmer-Farben und dunkel-melancholische Stimmungen klangen an.

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Mit Hingabe und feinem Zusammenspiel ließ das »stadler quartett« den Streichquartettsatz op. 9 und das Streichquartett Nr. 4 op. 20 aus den Jahren 1942 und 1945 zum klangsinnlichen Erlebnis werden. Erstklassige Bravour zeigte Ferdinand Steiner mit seiner Kunst an der Klarinette bei der Sonate op. 28, am Klavier gekonnt begleitet von Per Rundberg.

Einen Höhepunkt setzten die fabelhafte, junge Geigerin Alexandra Seywald und das Orchester der Uni Mozarteum unter der Leitung der jungen Dirigentin Silvia Spinnato mit dem kantablen Concertino für Violine und Streichorchester op. 42 aus dem Jahr 1948. Reizend war der Salzburger Festspiele und Landestheater Kinderchor, den die Musikdirektorin des Birmingham Symphony Orchestra, Mirga Gražinyte-Tyla, leitete und auch mitsang, mit Wolfgang Götz am Klavier. Hochvirtuose Cellokünste führte Mikhail Nemtsov vor mit der anspruchsvollen Cellosonate Nr. 2 op. 63, die für den renommierten Cellisten Mstislaw Rostropowitsch geschrieben wurde.

Am Klavier waltete stimmig seine Schwester Elena Nemtsova. Mit der Klaviersonate Nr. 6 op. 73 brillierte der junge Pianist Philip Huber. Als ein sehr ungewöhnliches Werk entdeckte man die Solosonate für Kontrabass, hier in Kombination mit einem Solo vom Kontrafagott. Verena Wurzer, Kontrabassistin beim Mozarteumorchester, lotete singende Tiefen tonschön aus und Edward Bartlett ging mit dem Kontrafagott noch tiefer in den Keller der Töne.

Heiter sollte der anspruchsvolle Abend ausklingen und dafür sorgte auf belebende Weise das junge Landesjazzorchester Salzburg mit Weinbergs »Zirkusmusik« im Arrangement für Bigband von Andreas Lachberger. Durch das Programm führten Karl Müller und Mirga Gražinyte-Tyla, die abschließend ihrer Hoffnung Ausdruck verlieh, das Festival Weinberg möge sich zur Tradition entwickeln.

Elisabeth Aumiller