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Zum Saisonausklang Lieblingsstücke gut gelaunt serviert

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Der Schweizer Pianist Adrian Ötiker wurde vom Publikum im voll besetzten Theater begeistert gefeiert. (Foto: Aumiller)

Die letzte verklungene Note des sechsten philharmonischen Konzertes markierte das Ende der »Glücksmomente« 2014, war aber für die philharmonischen Musiker zugleich Signal für die Glücksmomente ihrer Urlaubszeit, bevor das Orchester dann Mitte Dezember wieder mit frischen Kräften in die neue Saison starten wird.


»Genießen« war der Übertitel zum Schlusspunkt der Konzertreihe. Drei hoch beliebte Werke standen dafür ein, dass sich die Zuhörer wahrlich genießerisch zurücklehnen konnten: Die Ouvertüre zu Mozarts »Die Hochzeit des Figaro«, das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 f-Moll op. 21 von Frédéric Chopin und Beethovens Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68, »Pastorale«. Da packten die Musiker unter der Leitung von Christoph Adt nochmals alle Kräfte und Reserven aus, um dem Publikum einen genussreichen Abend zu bieten. Als Solist am Klavier glänzte der Schweizer Pianist Adrian Ötiker.

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Die Figaro-Ouvertüre umreißt in wenigen Minuten den energetischen Zündstoff der Oper und so wirkte sie zum Konzerteinstieg wie moussierender Champagner. Erwartungsvoll offen zeigte sich das Auditorium für das darauffolgende Klavierkonzert von Chopin, eines der beliebtesten Klavierwerke, nicht nur beim Publikum, sondern auch im Gepäck nahezu jedes konzertierenden Pianisten. Mit nur 19 Jahren hatte der Komponist dieses als Nr. 2 geführte Opus als sein erstes Konzert für Klavier und Orchester geschrieben. Adrian Ötiker bezeichnete im Vorfeld den exponierten Klavierpart als die Attitüde einer Operndiva und Christoph Adt charakterisierte die Aufgabe des Klaviers hier als Virtuosität, die sich selbst gefällt. Aber diese gefiel hier entschieden auch den Zuhörern.

Nach den im zarten Piano gehaltenen Einleitungstakten, die sich rasch aufbauschten und, von den Holzbläsern garniert, wieder in feine Tonschwebungen zurücksanken, setzte das Klavier solistisch ein mit imponierenden, mehrere Oktaven überlaufenden Tonkaskaden. Die Streicher überließen in zunächst vornehm zurückhaltender Begleitfunktion dem Klavier die markante Rolle im Vordergrund. Mit virtuosem Raffinement gab Ötiker elegant der melodisch plätschernden Stimmungslyrik Raum.

Heiter-gefühlvoll träumte das Klavier im Larghetto-Satz, zog feingesponnene Linien, angereichert mit singenden Trillern. Ötiker baute sodann dynamische Steigerungen zu intensivem Ausdruck auf, unterfüttert vom geheimnisvoll pulsierenden Orchester. Das Klavier eroberte sich wieder seine herausragende Positionierung, um dann wieder den romantisch empfindsamen Satz zart verklingen zu lassen. Beherzte Klangvielfalt im Allegro vivace. Die Finger tanzten geradezu übermütig über die ganze Klaviatur und lenkten in den Dialog mit dem Orchester ein. Schließlich forderte das Hornsolo das Klavier zum weiteren Brillieren auf. Jubelnder Applaus war dem Solisten wie den Musikern sicher für den klingenden Genuss.

Ludwig van Beethovens Sechste, die »Pastorale«, die zeitgleich mit seiner Fünften, der »Schicksalssymphonie«, entstanden ist, hätte in ihrer Konsistenz und Wirkung gegensätzlicher zu dieser nicht sein können. Die Pastorale, das Schäferthema«, wird immer wieder mit Beethovens Liebe zur Natur in Verbindung gebracht, oft auch als programmatische Naturschilderung mit Vogelgezwitscher, murmelnden Bächen, Gewitter, Volkstanz-Belustigungen und dergleichen charakterisiert, worauf natürlich die 5 Satzbezeichnungen »Erwachen heiterer Gefühle auf dem Lande«, »Szenen am Bach«, »Lustiges Zusammensein der Landleute«, »Gewitter und Sturm« sowie »Hirtengesänge und dankbare Gefühle nach dem Sturm« hinweisen.

Christoph Adt riet allerdings im Vorfeld dazu, weniger diesbezügliche Vorstellungsbilder zu malen, sondern einfach der klanglichen Aussage zu lauschen und sich den daraus resultierenden Gefühlen zu öffnen. Adt und die Musiker brachten feine Klangschattierungen, ließen Lyrismen und liebliche Melodik schwingen und griffen auch mal in die Vollen. Besonders reizvoll und klangapart machten die zahlreichen solistischen Passagen von Flöte, Klarinette, Fagott und Oboe auf sich aufmerksam. Das Zuhören war eine Freude und man verließ beschwingt und feinsinnig angeregt den Konzertsaal. Elisabeth Aumiller

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