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Zupackendes Musizieren mit Kopf und Herz

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Das vitale Spiel des »Morgenstern-Trios« wurde mit großem Jubel quittiert. (Foto: Aumiller)

Das Klaviertrio Morgenstern, nach dem Dichter Christian Morgenstern benannt, brachte am dritten Kammermusikabend der Sommerkonzerte lebensvoll zupackende Energie in die Traunsteiner Klosterkirche.


Die drei Musiker des Ensembles, die Pianistin Catherine Klipfel, der Geiger Stefan Hempel und der Cellist Emanuel Wehse, haben in ihren Anfängen zahlreiche Wettbewerbspreise gewonnen, darunter auch beim renommierten ARD Musikwettbewerb in München im Jahr 2007. Seither hat sich das Dreigestirn zu eminenten Musikern gereiften Anspruchs entwickelt, die in Traunstein mit ihrem vitalen Einsatz und profunder Werkkenntnis schnell die Gunst der aufmerksam lauschenden Zuhörerschaft gewannen.

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Mit den Trio-Kompositionen von Robert Schumann, Wolfgang Rihm, Dmitri Schostakowitsch und Johannes Brahms boten sie eine vielseitige Klangpalette, bei der sie sich überzeugend als ausdrucksstarkes Kammerensemble profilierten. Man spürte ihren Ernst bei der Sache, aber auch ihre Freude am Spiel und am gemeinsamen Formen der Klangrede. Mit jugendlich intensivem Impetus vertieften sie sich in die technischen wie musikalischen Anforderungen der Stücke mit intelligenter Bewusstheit ebenso wie sie sie zur ausdrucksstarken Herzensangelegenheit machten.

Mit leidenschaftlichem Einsatz gestaltete das Trio die reiche, von Chromatik durchsetzte Melodik in Schumanns Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 63. Düstere Grundierung, romantische Sehnsucht und erregte Spannung durchzog die sich verflechtenden und überlagernden klanglichen Schichtungen und Verwebungen in wie spontan improvisiert wirkenden rhythmischen und dynamischen Wechselbewegungen. Schumanns Tempobezeichnungen »mit Energie und Leidenschaft; Lebhaft, doch nicht zu rasch; Langsam, mit inniger Empfindung; Mit Feuer« ließ das Trio den Hörer offenkundig mitempfinden.

Die Violine konnte mit ihrem extrem schlanken Ton der Klangintensität der pianistischen Fülle zwar nicht immer ganz Paroli bieten, aber der Geiger kompensierte mit emotionalem Einsatz und im Dreiklang von Klavier und Streichern beeindruckte der gemeinsame musikalische Zugang zur interpretatorischen Werkauffassung, der in den Ruhepassagen zum verinnerlichten Ausdruck wuchs. Wolfgang Rihms »Fremde Szenen III« stellten rein spieltechnisch eine große Herausforderung dar, die die Morgensterns mit konzentriertem Gestaltungswillen zum spannenden Œvre werden ließen. Dem melodischen Ausgangspunkt folgten hämmernde Akkordsequenzen im Klavier, vereinte Tonpakete in kraftvoll energischer Dynamik reizten die Grenzen des Tonalen zum »spielwütigen« Ausdruckselement aus, Dissonanz-Schwerpunkte wurden von eingestreuten Harmoniefäden oder feinen Klangtropfen wieder entspannt.

Nach der Pause steigerten sich die Drei noch an energischem Einsatz wie auch an instrumentaler Geschmeidigkeit bei den Trios Nr. 1 c-Moll von Dmitri Schostakowitsch und dem Trio Nr. 3 c-Moll op. 101 von Johannes Brahms. Die Musiker schürften in die Tiefen, spürten dem Moll-Charakter und der melodischen Linie in den beruhigten Passagen nach, gaben aber auch hier der Expressivität viel Raum.

Interessant war der Vergleich von Schostakowitschs kompositorischer Entwicklung vom 1923 entstandenen Klaviertrio Nr. 1 c-Moll op. 8 zum in der Zugabe präsentierten 2. Satz aus dem 1944 komponierten Trio op. 67. Flotte Tempi bei Brahms, entspannter klingendes Singen, schlichte Linien und rhythmische Prägnanz brachten ein musikalisches Lächeln in die ernsthafte Grundstimmung. Zurück zu den Anfängen der Trioliteratur ging es mit dem 1. Satz aus Beethovens op. 1 Nr. 1 als zweite Zugabe. Begeisterung im Saal. Elisabeth Aumiller

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