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Zupackendes Sinfonisches Konzert

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Richard Putz am Marimbaphon begeisterte die Zuhörer. (Foto: Kaiser)

»Grandios« – unter diesem Motto stand das vierte Sinfonische Konzert in der Aula der Berufsschule Traunstein. Im vorletzten dieser Konzerte der laufenden Saison spielte die Reichenhaller Philharmonie unter der Leitung von Christoph Adt.


Und grandios war wahrlich das »Marimba Concerto No.1« von Anders Koppel mit dem Solisten Richard Putz an diesem großen und großartigen Instrument. Vor gut zwei Monaten hatte er seinen 20. Geburtstag, im Vorjahr gewann er als jüngster Teilnehmer die Salzburg Marimba Competition, einen für alle Altersklassen und Nationen offenen Wettbewerb; davor schon war er erfolgreich bei einem Konzert für den erkrankten Martin Grubinger eingesprungen.

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Aus den drei traditionellen Sätzen Allegro – Adagio – Andante besteht dieses Konzert aus dem Jahr 1995 des 1947 geborenen dänischen Komponisten und Musikers Anders Koppel. Als Mann der ersten Stunde bei der Rockgruppe »The Savage Rose« und als Gründer des »Trio Bazar« (1976) begann er seine Kompositionslaufbahn und schrieb seither Musik auch für Ballette und Musicals, für 50 Theaterstücke und mehr als 125 Filme. Das Marimbakonzert zeigt, dass er sein Handwerk beherrscht. Er verbindet gekonnt reißerisch-raffinierte Effekte mit feiner Melodik oder auch mitreißender Dynamik lässt auch den Orchesterregistern Entfaltungsmöglichkeiten; auch eine Solopassage für die Konzertmeisterin war dabei. Doch was er für den Solisten notiert hatte, war faszinierend – wie der sympathische, aufgeweckte und sportlich-agile junge Solist damit umging, war es erst recht. Schon die Schrittzahl, die er an seinem Rieseninstrument absolvierte, war beeindruckend.

Ganz kurz: die Marimba oder auch das Marimbaphon ist ein Aufschlagidiophon, also ein »Selbstklinger«, dessen Holzstäbe mit filzbestückten Schlägeln angeschlagen werden. Die Tonabstrahlung wird durch unter den Stäben angebrachte Resonanzröhren verstärkt; der Klang ist dunkel und voll, oft geradezu erdig. Der erste Satz des Konzerts kam hart rhythmisiert unter starker Beteiligung der Pauken, dazwischen blitzte die Pikkoloflöte auf. Melodiös-wohltuende Klänge auf einem Teppich der Streicher, von den Holzbläsern farblich abgemischt, bot der Mittelsalz. Mit kleineren, härteren Schlägelköpfen klopfte der Solist im Andante packende Synkopen in hellem Klang aus seiner Marimba, genial in die Begleitung durch seine Orchesterkollegen integriert.

Das Traunsteiner Publikum war restlos aus dem Häuschen. Richard Putz freute sich ganz uneitel darüber und konnte die begeisterten Zuhörer mit zwei Zugaben kaum zufriedenstellen. Die erste, die von einem japanischen Komponisten stammte (»Den Namen müssen Sie sich nicht merken, aber danke fürs Zuhören«), ein bezauberndes, anrührendes Stück, brachte den vielstimmigen Wohlklang der Marimba besonders schön zur Geltung; Die zweite, von Peter Sadlo, dem Lehrer des Solisten geschrieben, zeigte ihre virtuose und mitreißende Seite auf; doch in den Pianopassagen schien das Instrument mit den Zuhörern geradezu sprechen zu wollen. In der darauffolgenden Pause sprachen die Zuhörer nur über sie und ihren Meister.

Das Konzert wurde, wie schon zu viele Konzerte an zu vielen Orten, eingeleitet durch die gefällige »Hebriden«-Ouvertüre des jungen Felix Mendelssohn Bartholdy, die im Wechsel ihrer Stimmungsmalerei aufzeigte, wie gut das Verständnis zwischen den Reichenhallern und ihrem Dirigenten funktioniert – eine weniger lautstark-dramatische Betrachtung der Fingals-Höhle hätte aber nicht geschadet.

Wirklich grandios ereignete sich Antonín Dvoráks Sinfonie »Aus der neuen Welt«. Kontrollierte Fortissimo-Abschnitte mit punktgenauen Tutti-Schlägen, zäsiert von einem bestens aufgelegten Pauker, und eine herbstnahe »Prärie-Stimmung«, herbeigezaubert von einem hauchig näselnden Englischhorn, überzeugten. Im nervigen, vorwärtsdrängenden Scherzo klang schon die Motorik des Gastlandes an; dann leiteten die Streicher kraftvoll über zum »Amerikanischen Choral«, hell verkündet von den Blechbläsern, und im »con fuoco«-Satzschluss schien der Komponist den swingenden Grundbass des Rock’n’Roll bereits »erfunden« zu haben. Allgemeine Zustimmung im Publikum. Engelbert Kaiser