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Zupfen und Dreschen wie anno dazumal

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Teisendorf – Wie mühsam die Erntearbeit noch zu Zeiten unserer Großväter und Urgroßväter war, konnten die Besucher auch heuer wieder beim Hopfenzupferfest der Brauerei Wieninger hautnah erleben – sei es das Abzupfen der vielen tausend Hopfendolden mit der Hand oder das Dreschen des Weizens mit dem Dreschflegel.


Die Festbesucher staunten nicht schlecht, als die Drischl-Drescher vom Schnalzerverein Ainring und die Arbeitsgruppe »Alte Landtechnik« Ainring das Weizendreschen wie anno dazumal vorführten. Sie erlebten hautnah, welche Mühen diese harte und staubige Arbeit abverlangte und wie viele fleißige Hände es brauchte, um das wertvolle Korn aus den Ähren zu gewinnen.

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Begonnen hatte der Nachmittag mit einem Festzug vom Empfangsgebäude der Brauerei zum Festgelände. Er wurde von der Musikkapelle »Kellerblech« aus Steinbrünning angeführt. Ihr folgte ein Oldie-Traktor mit Anhänger, beladen mit den im Teisendorfer Hopfengarten abgeernteten Reben – üppig behängt mit den wertvollen Dolden. Dahinter gingen die fleißigen Helfer vom Obst- und Gartenbauverein Teisendorf, die den Hopfengarten das ganze Jahr über betreut haben, sowie Bräu Christian Wieninger und die Führungsspitze der Brauerei.

Mit einem zweiten Oldie-Traktor wurden die Garben des Laufener Landweizens angefahren. Die Arbeitsgruppe »Alte Landtechnik« Ainring hatte ihn Ende Juli in der Ramsau mit der Sense, wie zu Großvaters Zeiten, gemäht und in Garben gebunden. Bis zum Hopfenzupferfest waren sie in der Brauerei zwischengelagert. Im Zug mit dabei waren auch Mitglieder der »Alten Landtechnik«, teilweise in historischen Kleidern, sowie die Jugendlichen von den Teisendorfer Hütten, die in diesem Jahr von der Brauerei als Zupfer eingeladen worden waren.

In gut anderthalb Stunden zupfen hatten die fleißigen Helfer mehrere Weidenkörbe mit den Dolden gefüllt. Sie werden von der Brauerei Wieninger in frischem Zustand als Zutat für das »Hoamat Weißbier« verwendet. 30 Kilogramm Naturhopfen brauche man für 80 Hektoliter Bier, erklärte Braumeister Bernhard Löw, als er den frisch gezupften Hopfen am Sudkessel unter den Blicken der Zupfer und vieler neugieriger Gäste braute. Der Sud war schon um acht Uhr früh angesetzt worden. Das Malz stammte von dem in der Ramsau angebauten Laufener Landweizen.

Einen kleinen Teil davon hatte man für die historischen Vorführungen bei dem Fest abgezweigt. Die vier Drischl-Drescher zeigten, wie man früher, noch bevor es Dreschmaschinen gab, das Korn mit dem Drischl (Flegel) aus den Ähren geschlagen hat. Ihre rhythmischen, genau aufeinander abgestimmten Bewegungen, ließen das, was schwere Arbeit ist, wie einen fast mühelosen Tanz aussehen.

Viel Lärm und Staub machte der Stiftendrescher oder »Hackelzylinder«, eine ab den 1830 entwickelte Maschine zum Dreschen, die anfangs noch per Handkurbel betätigt wurde, wie Franz Messner, der Leiter der Arbeitsgruppe »Alte Landtechnik«, erklärte. Fortgeschrittener war dann schon der vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark verbreitete Schlagleistendrescher, mit dem das Korn auch weniger beschädigt wurde. In Teisendorf wurde er von einem historischen Traktor betrieben. Für das leibliche Wohl aller Gäste sorgte in bewährter Weise der TSV Teisendorf. Neben den traditionellen Teisendorfer Bierspezialitäten gab es Kaffee und Kuchen sowie Leckeres vom Grill. Bei den Kindern war die große Hüpfburg des Kreisjugendrings der Magnet schlechthin. Auch verschiedene Geschicklichkeitsspiele fanden regen Anklang.

Für gute Stimmung und kurzweiliges Hopfenzupfen sorgte am Nachmittag neben dem Bier die Gruppe »Kellerblech« aus Steinbrünning mit beschwingten volksmusikalischen Klängen. Am Abend spielte dann die Teisendorfer Band »Uferlos« und hielt die vielen Gäste warm. So wurde es trotz des recht kühlen, herbstlichen Wetters ein gut besuchtes, fröhliches und interessantes Fest. kon

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