weather-image
23°

Zweckverband stützt die Watzmann Therme

Berchtesgaden - Jährlich rund 600 000 Euro Einnahmen weniger wird auf Dauer der Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee verbuchen können. Die Watzmann Thermen GmbH wird nämlich, wie schon im letzten Halbjahr, auch künftig keine Pacht mehr an den Verband abführen. Dazu wäre das Bad auch nicht mehr in der Lage, nachdem die Besucherzahlen auf rund 650 pro Tag zurückgegangen sind. Wie man trotz der prekären Situation noch den geplanten Umbau des Kongresshauses finanzieren will, das erklärten die Verbandsvorsitzenden Stefan Kurz, Franz Rasp und Toni Altkofer sowie Tourismusdirektor Michael Grießer gestern bei einem Pressegespräch.

Sehen trotz finanzieller Probleme keine Gefahr für die Zukunft der Watzmann Therme (v.l.): Tourismusdirektor Michael Grießer sowie die Vertreter des Zweckverbands Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, Toni Altkofer, Stefan Kurz und Franz Rasp. Anzeiger-Fotos
Ziel beim Betriebsergebnis der Watzmann Therme soll künftig eine »schwarze Null« sein. Das scheint aber nur möglich, weil das Bad jetzt keine Pacht mehr an den Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee abführen muss.

Weit über 1 000 Besucher pro Tag hatte die Watzmann Therme in den Anfangsjahren gezählt. In den letzten Jahren ging es dann zunächst ganz langsam und dann immer schneller nach unten. Ausschlaggebend für den massiven Einbruch zuletzt war die Erweiterung der Bad Reichenhaller Rupertustherme zum Familienbad. »Die zunehmende Konkurrenz auch beispielsweise durch das Tauern Spa in Zell am See hat uns unter Druck gesetzt«, bestätigte Michael Grießer gestern. Die durchschnittliche tägliche Besucherzahl liegt derzeit noch bei rund 650.

Anzeige

Circa 50 000 Euro Pacht im Monat hatte die Watzmann Therme in den letzten Jahren an den Zweckverband Tourismusregion abgeführt. Der konnte damit einen Teil des Schuldendienstes, der früher bei 1,6 Millionen Euro lag und nun noch rund 650 000 Euro beträgt, bezahlen. Wegen des Einnahmeeinbruchs setzte die Therme aber etwa zur Jahresmitte in Absprache mit dem Zweckverband die Pachtzahlungen aus. Rund 300 000 Euro fehlten dem Zweckverband im Haushaltsjahr 2012 damit auf der Einnahmeseite.

Es ist Glück für den Verband, dass er auf ein sehr gutes Tourismusjahr 2012 mit einem hohen Kurbeitragsaufkommen zurückblicken kann. Ansonsten wäre der Jahresverlust von rund 180 000 Euro, mit dem nun gerechnet wird, wohl deutlich höher ausgefallen. In den letzten beiden Jahren hatte die Tourismusregion - mit den Pachtzahlungen der Therme - noch Jahresgewinne von über 200 000 Euro eingefahren.

Verbandsvorsitzender Stefan Kurz ging am Donnerstag davon aus, »dass der Verband auch künftig wieder Verluste schreiben wird«. Das allerdings nicht nur wegen der fehlenden Pacht, sondern auch wegen des anstehenden Kongresshaus-Umbaus. Von den berechneten 6 Millionen Euro wird der Verband rund 3,5 Millionen Euro selbst aufbringen müssen. Für den benötigten Kredit werden Zinsen von etwa 70 000 Euro und Tilgungen in Höhe von rund 150 000 Euro eingeplant. »Das ist zu schaffen. Wir stehen zu unserem Kongresshaus und zum geplanten Umbau, denn es gibt keine Alternative«, betonte Kurz.

Dennoch sieht man im Zweckverband die Notwendigkeit zum Handeln, um bald wieder mehr Einnahmen zu erzielen. »Ziel bei der Watzmann Therme wird eine schwarze Null beim Betriebsergebnis sein«, sagte Aufsichtsratsvorsitzender und stellvertretender Verbandsvorsitzender Franz Rasp, der noch einmal bekräftigte: »Die Watzmann Therme ist nicht pleite.« Zwar gebe man sich nicht der Illusion hin, die Besucherzahlen wieder auf frühere Zeiten hochschrauben zu können. »Doch wir wollen alles tun, um die Situation wenigstens wieder etwas zu verbessern«, so Rasp. Durch peinliche Sauberkeit, einen noch besseren Service, eine Neupositionierung, Kooperationen mit Betrieben und Busunternehmen soll etwas für die Besucherzahlen getan werden.

Personalabbau werde es aber nicht geben, versicherte Rasp, im Gegenteil: Das Bad soll künftig einen noch zu suchenden eigenen Geschäftsführer bekommen, Michael Grießer werde sich dann ganz auf seine Aufgaben als Tourismusdirektor konzentrieren können. Und Aufgabe des neuen Geschäftsführers werde es sein, gute Vermarktungsstrategien zu entwickeln. Die Personalkosten sollen sich dadurch kaum erhöhen, weil die vor eineinhalb Jahren ausgeschiedene Prokuristin nicht ersetzt worden war.

Vor allem die Angst vor gemeindlichen Umlagen ist bei den beteiligten Kommunen traditionell groß, wenn die Tourismusregion finanzielle Probleme hat. Hier konnte Stefan Kurz aber erst einmal Entwarnung geben. »Zumindest bis zum Jahr 2016 gibt es hier keinen Handlungsbedarf«, sagte der Verbandsvorsitzende. Gleichzeitig bereitete er die Vermieterinnen und Vermieter aber auf eine Kurbeitragserhöhung vor, die »frühestens 2014« anstehe. Dafür sei aber nicht nur die Watzmann Therme verantwortlich. Auch die Kosten für die kombinierte Kur- und Buskarte seien mit der damals beschlossenen Kurbeitragserhöhung nicht komplett umgelegt worden.

Die Verbandsvertreter bemühten sich am Donnerstag zu erklären, dass die Watzmann Therme im Vergleich zu vielen anderen Bädern noch sehr gut dastehe. »Vor Baderöffnung vor 15 Jahren hatte niemand damit gerechnet, dass man über die Eintritte die Ausgaben überhaupt erwirtschaften könnte«, erinnerte Franz Rasp. Und 3. Verbandsvorsitzender Toni Altkofer appellierte an die Kritiker, »die Watzmann Therme nicht zum Wahlkampfthema zu machen«. Schließlich sei der Zweckverband das beste Beispiel für die immer wieder eingeforderte gemeindeübergreifende Zusammenarbeit.

Und was kann der Bürger für eine bessere Entwicklung tun? »Das Bad besuchen«, sagte Stefan Kurz. »Mir gehen immer noch zu wenige Einheimische in die Watzmann Therme.« UK