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Zwischen dem Laub, das in Stöttham am Ufer des Chiemsees hin- und hergespült wird, entdeckte der achtjährige Moritz diese Handgranate.

Zwei Jungen entdeckten in Stöttham eine Handgranate aus dem Weltkrieg

Chieming – Was für ein aufregender Jahresausklang für Moritz und seinen Bruder Hannes. Beim Spaziergang am Chiemsee entdeckten die Buben eine Handgranate aus dem Weltkrieg.


Wie der Kampfmittelräumdienst kurze Zeit später feststellte, ging von der Granate keine Gefahr aus: da sie über keinen Zünder mehr verfügte, wurde sie als ungefährlich eingestuft und konnte gefahrlos entsorgt werden. Um was für eine Granate es sich genau handelte, hat die Polizei nicht erfasst.

Moritz und Hannes werden diese Geschichte aber noch lange erzählen: Sie gingen am Silvestertag vormittags mit ihrem Papa Robert in Stöttham eine Runde am Chiemseeufer spazieren. Die Buben hatten Gummistiefel an, um auch ein bisschen ins Wasser zu laufen. Da entdeckte Moritz zwischen dem Laub, das am Ufer hin- und hergespült wurde, plötzlich die Granate.

Aufgeregt rief er seinem Vater: »Papa, da ist was, das schaut aus wie eine Bombe.« Zufällig hatte der Achtjährige ein paar Tage zuvor im Fernsehen bei PUR+, einem Entdeckermagazin für Kinder, einen Beitrag zum Thema »Bombe« gesehen. Deshalb war er sich auch gleich ziemlich sicher, dass das, was da im Wasser lag, etwas Ähnliches sein musste, und blieb energisch, als sein Papa nicht sofort reagierte.

Der Vater rief die Kinder zu sich und schaute sich die Kugel im Wasser genauer an bzw. suchte Vergleichs-bilder im Internet. Doch für Sohn Moritz war klar: »Im Fernsehen haben sie gesagt, das muss man auf jeden Fall melden.« Also verständigten die drei die Polizei, die mit ihrem Kampfmittelräumdienst in Stöttham anrückte.

Nach kurzer Zeit gaben die Experten Entwarnung. Zwar handelte es sich in der Tat, wie der Achtjährige erkannt hatte, um eine kleine Bombe, allerdings fehlte der Zünder. Deshalb ging von der Granate keine Gefahr mehr aus. Der Bub hatte aber genau richtig reagiert: »Funde in vorgefundener Lage liegen lassen und sofort die Polizei verständigen«, heißt es in einem Leitfaden des Bayerischen Innenministeriums zum Thema »Kampfmittelbeseitigung«.

Die Polizei weist darauf hin, dass an den Gewässern in der Region immer wieder mit Munitionsfunden gerechnet werden kann, vor allem bei niedrigem Wasserstand. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei im Chiemsee einiges versenkt worden, so die Polizei.

Im März vergangenen Jahres war im Hafenbecken von Gollenshausen eine amerikanische Eierhandgranate aus dem 2. Weltkrieg gefunden und kontrolliert gesprengt worden, da ein gefahrloser Abtransport nicht möglich war. Im September 2020 hatten Badegäste am Nordufer des Chiemsees in 1,5 Meter Wassertiefe mehrere scharfe Sprengzünder und eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Sie waren von der Wasserschutzpolizei und Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes geborgen worden.

Eine Nachfrage beim Bayerischen Innenministerium ergab, für 2021 liegt noch keine Auflistung über gefundene Kampfmittel in Bayern vor. Im Jahr 2020 haben Spezialisten rund 150 Tonnen Kampfmitteln beseitigt. Darunter waren 63 Blindgänger alliierter Spreng- und Splitterbomben, wie Innenminister Joachim Herrmann Ende November 2021 mitgeteilt hatte. Auch Jahrzehnte nach Ende des 2. Weltkriegs finden sich immer noch Hinterlassenschaften wie Bomben, Granaten, Panzerfäuste und Patronenmunition im bayerischen Boden. Herrmann warnte bei sogenannten Zufallsfunden vor unachtsamen Verhalten: »Hier gilt besondere Vorsicht und vor allem: Hände weg! Verständigen Sie sofort die Polizei und gehen Sie kein Risiko ein!«

ka