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Zwei Männer und eine Gitarre

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Robert Heigls schöne Lieder brachten das Publikum im Kulturhaus Chiemgau zum Schmunzeln. (Foto: Benekam)

Einen lustig-beschwingten Abend genossen die Gäste des »Kulturhaus Chiemgau« mit Musik und Kabarett – und mischten sich während des gesamten Abends bereitwillig ins Geschehen ein. Robert Heigl gestaltete mit seiner Gitarre den ersten Programmteil, während sich Stefan Schimmel im Publikum sitzend schon rotzfrech Inspiration für den zweiten Teil holte: Stand-up-Kabarett.


Robert Heigl vertritt die gesunde Einstellung »die Welt braucht Lieder« und seinen Beitrag dazu leistete er mit herzerfrischender Musizierfreude. Seinen Begleiter mit sechs Saiten trug er lässig um den Hals: ein Mann, eine Gitarre, die wie ein angewachsenes Körperteil wirkte, und viele tiefschürfend-witzige Lieder.

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»Gesungene Gedanken« und »gespielte Erlebnisse«

Eigentlich passt zu dem, was die Besucher zu hören bekamen, eher die Bezeichnung »gesungene Gedanken« oder »gespielte Erlebnisse«. Jedenfalls drang Heigl damit voll durch, gewann mit seiner Stimme haufenweise Sympathiepunkte und bereicherte die Welt mit seinem musikalischen Vortrag um hoffnungsvolle Zuversicht.

Seine Lieder, deren Inspiration allesamt aus den Widrigkeiten des alltäglichen Wahnsinns geschöpft sind, schwankten zwischen sozialkritischen Ansätzen und lebensbejahenden Alltagsphilosophien. So geht es im Lied »Hast du Lust, billig für mich zu tanzen« um den großen Anteil der Menschen, die sich ganz gerne mal belügen lassen und sich im Zuge einer »Ich-will-Spaß-ich-geb-Gas-Einstellung« ungeachtet der daraus entstehenden Folgen wie Umweltverschmutzung oder zu erwartender gesundheitlicher Beeinträchtigung durch Drogenkonsum im Nebel der Ignoranz treiben lassen.

Zu dem Paris-Attentat hat er sich auch eine Meinung gebildet und in ein Lied verpackt: »Mein Gott heißt Fußball«. Zum Sportkonsum unserer Gesellschaft ließ er sich in »Funsport« aus, in dem er beschrieb, dass weniger oft mehr ist und dass Viele Gefahr laufen, ihre Freizeit zu einem weiteren Stress-Event zu degradieren.

Natürlich dürfen im Repertoire eines Liedermachers die Themen Liebe und Herzschmerz nicht fehlen: »Ein Trennungslied«, das eigentlich den Neuanfang einleitet, machte Hoffnung und Laune. Letzteres trifft eigentlich auf alle Lieder Heigls zu. Dass er Autodidakt ist, interessiert nicht. Was zählt, ist das Gesamtpaket, die Nähe zum Publikum, die positiven »Vibrations« und dieses besonders charmante Lachen, mit dem er jedes seiner Lieder ausklingen ließ.

Im zweiten Programmteil überließ Heigl die Bühne und seine Gitarre dem Künstlerkollegen Stefan Schimmel aus Bad Reichenhall. Ganz im Gegensatz zu Heigl wirkte bei Schimmel dieses Instrument wie ein Fremdkörper – vielleicht weil »Robert Heigl« auf dem Korpus steht. Der Musik-Kabarettist stürzte sich erst mal lieber auf kurze Witzchen und, wie er selbst behauptete, auf ein tiefsinniges Programm, von dem er selbst nur etwa die Hälfte verstand.

Also begann er mit der anderen Hälfte, bevor er zum musikalischen Teil übergehen wollte. Diese andere Hälfte strotzte nur so von Spitzfindigkeiten. Schimmel nahm jeden und alles auf die Schippe: unschuldige Menschen im Publikum, zu allererst Kollegen Heigl, Ärzte, denen er Fehldiagnosen unterstellte oder die Männer vom Wertstoffhof, die er insgeheim unheimlich beneidet, weil sie sich mit nur einem Satz von unliebsamen Pflichten entledigen können: »Damit kannst glei wieda hoamfoarn.« Übertragen auf andere Berufsgruppen (Friseure, Kosmetiker, Metzger ...) bedeute diese Arbeitseinstellung eine sofortige Geschäftsschädigung.

Lustige Anekdoten statt der versprochenen Lieder

Das Publikum war längst eingelacht und hing an Schimmels Lippen, über die anstelle der versprochenen Lieder immer nur weitere Anekdoten kamen. Schimmels Humor ist staubtrocken. Er saß da, ganz ruhig, als überlege er, wo er weitermachen soll, fast naiv-dümmlich, um dann in kurzen, pointierten Sätzen einen Volltreffer auf die Lachnerven seiner Zuschauer zu landen.

Auf bestimmte Themenbereiche war er nicht festgelegt, er feuerte seine Pointen frei heraus, wie Schrot, trifft immer und bleibt bis zum bitteren Ende dem Publikum seine Lieder schuldig. Aber das verzieh man ihm gerne, wo doch der erste Teil des Abends den musikalischen Bereich so wunderbar abgedeckt hatte. So war der Abend rund und ein bestens unterhaltenes Publikum bedankte sich mit kräftigem Applaus für ein niveauvolles, gemeinsam gestaltetes Musik-Kabarett. Kirsten Benekam

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