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Zwei Millionen Notrufe und 780.000 Einsätze in der Region

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Chiemgau/BGL: Zwei Millionen Notrufe und 780.000 Einsätze in der Region
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Geschäftsführer Josef Gschwendner (l.) und Leiter Anton Groschack im Leitstellenraum mit dem damaligen »Buzzer« zur Inbetriebnahme der Leitstelle. (Foto: privat)

Traunstein/BGL – Vor rund zehn Jahren, am 17. Juni 2010, wurde die Notrufnummer 112 auf die neue Integrierte Leitstelle (ILS) in Traunstein aufgeschaltet. Die Einführung des sogenannten »Euronotrufs 112« war bereits im Jahre 1991 vom EU-Ministerrat auf Vorschlag der Europäischen Kommission beschlossen worden.


Auf Grundlage der Gesetzgebungszuständigkeit der Bundesländer wurde in Bayern 2002 das »Gesetz zur Einführung Integrierter Leitstellen« erlassen. Dies bildete die Grundlage für den Aufbau von insgesamt 26 Integrierten Leitstellen in Bayern, die den Euronotruf 112 empfangen und je nach Notfall die Feuerwehren und rettungsdienstlichen Einheiten alarmieren. Vor der Umstellung auf die Integrierten Leitstellen war die Notrufnummer 112 noch von den Polizeidienststellen angenommen worden. In der ILS Traunstein werden seit 17. Juni 2010 alle 112-Notrufe aus den Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf a. Inn und Traunstein entgegengenommen.

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Die Inbetriebnahme der ILS erfolgte gestaffelt. Bereits am 15. Juni 2010 wurde die Rufnummer 19222 auf die neue Leitstelle umgeroutet. Hier handelte es sich um die in der früheren Rettungsleitstelle bereits verwendete Nummer des Rettungsdienstes, jedoch um keine Notrufnummer.

Die größte Einschränkung bei der 19222 war freilich, dass diese Nummer nicht gebührenfrei und vom Handynetz nicht vorwahlfrei angewählt werden konnte. Die Ausstattung der nicht polizeilichen Gefahrenabwehr (insbesondere Feuerwehr und Rettungsdienst) mit einer eigenen Notrufnummer, zumal mit dem Euronotruf 112, stellte damals einen Quantensprung in der Welt der BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) dar.

Aber auch für die Bürgerinnen und Bürger wurde die Situation erleichtert, da man sich seither nur noch zwei Notrufnummern merken musste: die 110 als polizeilichen Notruf und die 112 für die Bereiche Feuerwehr und Rettungsdienst.

Die seit Anbeginn des ILS-Projektes (die ersten Grundsatzentscheidungen des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Traunstein wurden bereits 2006 getroffen) verantwortlichen Leitungspersonen schauen rückblickend zufrieden auf eine bewegte aber auch gleichermaßen erfüllende Zeit zurück. »Die ILS Traunstein ist für uns eine Lebensaufgabe. Wir stehen mit vollem Herzblut hinter diesem Projekt und möchten die Leitstelle stetig verbessern«, stellen Geschäftsführer Josef Gschwendner und der technische Leiter Anton Groschack gleichlautend fest.

Insbesondere muss die Leitstelle auf die ständig fortschreitenden technischen Möglichkeiten angepasst und optimiert werden. Als Beispiel kann hierzu die Umrüstung auf den BOS-Digitalfunk 2015 und die Einführung des Systems »e-Call« (automatischer Fahrzeugnotruf) 2017 genannt werden. Weitere technische Optimierungen wie zum Beispiel die digitale BOS-Alarmierung, die Umstellung auf IP-Notruf usw. stehen in den nächsten Monaten und Jahren unmittelbar bevor.

In den nunmehr zehn Jahren wurden von der ILS Traunstein über zwei Millionen Notrufe angenommen, welche zu etwa 720.000 rettungsdienstlichen Einsätzen und zu knapp 60.000 Feuerwehreinsätzen führten. Auf Grundlage der jeweils geschilderten Notsituation erarbeitet der ILS-Disponent das sogenannte »Meldebild«, welches dann gegebenenfalls zu einem Feuerwehr- und/oder Rettungsdiensteinsatz führt. Hierfür muss jeder Mitarbeiter der ILS über zwei Berufsausbildungen (Feuerwehr und Rettungsdienst) verfügen.

Für die notwendige Anpassungsausbildung wurde in den vergangenen zehn Jahren ein Ausbildungsaufwand von insgesamt knapp 200 Monaten in Vollzeit aufgewendet. Als Beispiel: Ein neuer ILS-Mitarbeiter mit der Qualifikation Rettungssanitäter (ohne Feuerwehrausbildung) muss insgesamt neun Lehrgangsmonate in Vollzeit mit mehreren staatlichen Prüfungen durchlaufen, bevor er die Mindestqualifikation als ILS-Disponent erfüllt.

Für Großschadenslagen verfügt die Leitstelle über zusätzliche Plätze zur reinen Notrufannahme. In der Volllast können somit 16 Mitarbeiter zur Notrufannahme eingesetzt werden. Tatsächlich kam das Sonderlagenkonzept in den vergangenen zehn bewegten Jahren bereits mehrmals zur Anwendung und wurde ständig optimiert. Gschwendner und Groschack erinnern in diesem Zusammenhang an das Pfingsthochwasser 2013, das Sturmtief Niklas 2015, die Sturmlage im August 2017 (Stichwort »Chiemsee Summer«), die Schneekatastrophe 2019 und nicht zuletzt die Covid-19-Pandemie 2020. fb