Zwei neue Bahnstationen für 540 Zugfahrer

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In Bischofswiesen baut die Bahn derzeit für mehrere Millionen Euro den Bahnhof aus. Ein Bahnhaltepunkt in Winkl soll erst in rund fünf Jahren verwirklicht werden. Zu diesem Zeitpunkt könnten dann auch die Bahnstationen in Freilassing und Saaldorf-Surheim gebaut werden. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgadener Land – Die Ausbaustrecke 38 (ABS 38) München-Mühldorf-Freilassing ist in den vordringlichen Bedarf eingestuft worden. Das bedeutet für die geplanten Bahnstationen Freilassing Nord und Saaldorf-Surheim: Bei zweigleisigem und elektrifiziertem Streckenausbau würden diese Realität werden. In einem vorliegenden Entwurf zur »Verkehrlichen Aufgabenstellung« der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, über den der Ausschuss für Umweltfragen, Energie, Landkreisentwicklung und Mobilität nun abstimmte, wird klar: Bis zur Umsetzung wird es noch Jahre dauern. 


Bessere Anbindung

Der zweigleisige Ausbau gilt als Voraussetzung für die Errichtung zusätzlicher Bahnstationen zwischen Mühldorf und Freilassing. Die Ausbaustrecke 38 soll dabei eine Perspektive eröffnen für den Bau der Bahnstationen Freilassing Nord und Saaldorf-Surheim. Nicht nur, um das nordwestliche Stadtgebiet von Freilassing besser an den Schienenverkehr anzubinden, sondern auch, um Saaldorf-Surheim wieder über die Schiene erreichbar zu machen. Der Verkehrsexperte des Landkreises, Johann Wick, sagt: »Das wäre ein Meilenstein.« Bis 1994 wurde der ehemalige Bahnhof Surheim noch aktiv angefahren. Laut Bayerischer Eisenbahngesellschaft ist es das Ziel, »die im Einzugsgebiet liegenden Wohn- und Gewerbegebiete für den Schienenpersonennahverkehr« zu erschließen und neue Fahrgäste zu gewinnen.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft geht in Zukunft von 140 Ein- und Aussteigern in Saaldorf-Surheim am Tag aus, in Freilassing Nord rechnet man mit 400 Nutzern. »Dieses Fahrgastaufkommen hält der Freistaat Bayern für ausreichend, um ein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis für die Investitionen zu erreichen«, sagt Johann Wick. Mit der Verkehrlichen Aufgabenstellung (VAST) zu den beiden geplanten Verkehrsstationen werden die Anforderungen festgelegt. Die VAST beinhaltet eine standardisierte Projektbeschreibung und die wichtigsten Planungsziele. Zudem dient sie als Grundlage für die weitere Planung, heißt es in den Entwürfen.

Der Standort der Bahnstation Freilassing Nord liegt an der Eisenbahnüberführung Wasserburger Straße (St 2 104). Die Entfernung zum Bahnhof Freilassing beträgt rund 1,2 Kilometer. Die Bahnsteige sollen versetzt angeordnet werden, wobei jener Richtung Mühldorf südlich der Wasserburger Straße umgesetzt werden soll. Der Bahnsteig Richtung Freilassing soll nördlich der Wasserburger Straße angelegt werden. So soll der Standort auf Höhe der Eisenbahnüberführung Wasserburger Straße eine gute Erreichbarkeit des Haltepunkts für Fußgänger, Radfahrer und Umsteiger des ÖPNV gewährleisten.

Sichere und barrierefreie Umstiege gefordert

Hinsichtlich der Verknüpfung mit dem ÖPNV muss die Stadt Freilassing prüfen, ob die Haltestellen des Stadtbusses an der Wasserburger Straße in Richtung Bahnstation verlegt oder eine neue Haltestelle direkt an der Station eingerichtet werden kann. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft fordert, dass ein »verkehrssicheres und barrierefreies Umsteigen zwischen Bus und Bahn auf möglichst kurzem Weg« erfolgt. Fest steht auch: Die Bushaltestelle erhält die Haltestellenbezeichnung »Bahnhof Freilassing Nord«. Aufgabe der Stadt Freilassing wird es sein, in der Nähe der Bahnsteigzugänge überdachte Fahrradstellplätze, Behindertenstellplätze und sogenannte »Kiss-and-Ride«-Plätze zu erstellen – Orte, an denen man kurz anhält und etwa jemanden aussteigen lässt. Die Stadt soll zudem die Errichtung zusätzlicher »Park-and-Ride«-Stellplätze überprüfen, weiß Johann Wick.

Für die Bahnstation Saaldorf-Surheim wurde Bahn-Kilometer 60,8 auserkoren. Die nächste Bahnstation im Norden wäre dann 3,5 Kilometer entfernt, »die Bahnstreckenlänge von Freilassing Nord zum Bahnhof Laufen beträgt rund 11 Kilometer«, heißt es im VAST-Entwurf. Dabei sollen zwei Außenbahnsteige mit einer Länge von 155 Metern realisiert werden. Auch wird die Gemeinde eine neue Bushaltestelle anlegen, deren Haltestellenbezeichnung »Bahnhof Saaldorf-Surheim« heißen wird. Die Bahnsteige beider künftiger Bahnstationen werden barrierefrei geplant, sollen Blindenleitsysteme, dynamische Fahrgastinformationen, Wetterschutzanlagen und Sitzgelegenheiten aufweisen.

Fußgängersteg optional

Zu den angedachten Kosten konnte sich Johann Wick bereits konkret äußern, wobei bis zur Realisierung noch Jahre vergehen dürften. So soll die Bahnstation Freilassing Nord, nach einer Grobkostenschätzung der DB RegioNetz Infrastruktur, mit rund 4,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. Die Planung eines optionalen Fußgängerstegs entlang der Lärmschutzwand soll hingegen von der Stadt Freilassing finanziert werden. In Saaldorf-Surheim belaufen sich die Investitionskosten laut Bahn auf 1,8 Millionen Euro.

Für die Fertigstellung der beiden Bahnstationen gibt es noch keinen konkreten Termin. Auch die Bahnhaltestelle in Winkl, seit Ewigkeiten in Planung, wurde bereits um Jahre verschoben. Der Baubeginn für die Ausbaustrecke 38 ist derzeit für 2026/27 vorgesehen. Johann Wick rechnet damit, dass dann auch in Freilassing und Saaldorf-Surheim gebaut wird. Für Landrat Bernhard Kern ist indes klar: »Mit den Bahnstationen setzen wir ein deutliches Bekenntnis zur Bahn.«

Kilian Pfeiffer