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Zwei Piano-Damen auf »Tasta-Tour«

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Unser Bild zeigt Jennifer Rüth (links) und Anne Folger, die »Queenz of Piano«, bei ihrem Konzert im Traunreuter k1. (Foto: Kewitsch)

Es sind ja bekanntlich die Zufälle, die das Leben verändern können. So geschah das wohl auch im Leben von Anne Folger, als sie in der Zeitung die Annonce von Jennifer Rüth mit der vielversprechenden Überschrift »Suche Musiker, Konzerte vorhanden« las. 2008 war das wohl und seither sind die zwei ein musikalisches Paar, verliebt in den gleichen »Kerl«, den mit den drei Holzbeinen und der großen schwarzen Klappe.


Aus der Annonce wurde ein Duo, aus dem Duo schließlich die »Queenz of Piano«. Die beiden Pianistinnen bilden jedoch keine herkömmliche Kombination, die Beethovens »Neunte« hoch und runter spielt, sondern eher eine Paarung, die das Wechselspiel der schwarz-weißen Tasten ebenso liebt wie gelegentliches Einstreuen von Pointen. So begann das Konzert im Traunreuter k1 denn auch eher modern mit einer Interpretation von Michael Jacksons »Thriller« und einem darauffolgenden »Libertango«. Die schelmischen Damen sind on Tour, auf »Tasta-Tour« sozusagen. Man durfte dabei nicht sicher sein, ob nun ein musikalisches Schmuckstück serviert wird oder mittendrin der klare Lauf unterbrochen wird für einen Dialog, wo immer dieser hinführen mag. Dass sich hierbei auch, frei nach Turnvater Jahn, Leibesertüchtigungen anschließen können, versteht sich von selbst. Schließlich lässt sich so ein Flügel von vorne, rücklings, bäuchlings oder irgendwie auch von innen spielen. Kurzum: Jennifer Rüth und Anne Folger nehmen sich selbst nicht ganz so ernst, sind aber ernsthaft genug, wohl ein gewaltiges Übungspensum zu absolvieren, denn: Das Spiel ist perfekt, feinsinnig, temporeich, professionell, gefühlvoll und über jeden Zweifel erhaben.

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Mit den kabarettistischen Einlagen war es jedoch so eine Sache, denn der Lachsalven- Sprengsatz konnte nicht immer gezündet werden im k1. Die zwei hübschen Damen aus München bzw. Weimar blieben wohl locker und schelmisch, doch so mancher »Joke« kam auf drei Holzbeinen daher, war ein Spur zu trocken. Trotzdem, es blieb kurzweilig, unterhaltsam allemal und vor allem eines: entspannt, unhektisch.

Und so konnten sowohl die dunkelhaarige Jennifer als auch die blonde Anne letztlich Sympathiepunkte holen. Steter Kontakt zum Publikum und schlussendlich auch die Vielfältigkeit des Spiels – der Bogen reichte von Zitherklängen (dem Inneren des Flügels entlockt) bis hin zu einem saftigen Rock'n' Roll.

Die Stärke liegt jedoch im klassischen und vor allem tempogetriebenen Duett. Auch gesanglich wussten die beiden zu begeistern, wenngleich der Schlussakt bei der zweiten Zugabe gerne auch eine deutliche Spur mitreißender hätte sein können und nicht so balladenhaft traurig. Wie auch immer, schön, dass es Zufälle gibt, die eine solche Kunstform entstehen lassen und Klassik nicht immer so todernst sein muss, sondern Lachen und Lächeln Teil des umtriebigen Programms sind. Udo Kewitsch