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Zwei Schläge auf den Helm, dann geht es los

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Ramona Hofmeister bei einem Interview nach ihrem dritten Platz in Winterberg. (Foto: Veranstalter Winterberg)

Bischofswiesen – Ramona Hofmeister vom WSV Bischofswiesen feierte am vergangenen Sonntag mit dem dritten Platz beim Snowboard-Weltcup in Winterberg ihren bisher größten Erfolg. Es war erst ihr dritter Einsatz im Weltcup. Weil sie ohne größere Ambitionen ins Hochsauerland gereist ist, hat sie der dritte Platz auch selbst überrascht. Dabei ist Ramona Hofmeister in der Saison 2014/15 wegen eines Bandscheibenvorfalls fast völlig ausgefallen. Die Landespolizistin hätte auch nicht geglaubt, dass sie die Mediziner und Physiotherapeuten wieder so hinbringen, dass sie völlig schmerzfrei und belastbar ist. In ihrer sportlichen Entwicklung sieht sich Ramona Hofmeister noch lange nicht am Zenit und freut sich auf die nächsten drei Europacups. Zum Saisonende Anfang April stehen noch die Junioren-Weltmeisterschaften in Rogla/Slowenien an. Dort geht sie als eine der Favoritinnen in die Rennen.


Ihr seid drei Schwestern, die alle Snowboard gefahren sind. Übrig geblieben bist aber nur du.

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Ramona Hofmeister: Meine Schwestern haben sich für eine berufliche Karriere entschieden, ich habe mich dem Sport verschrieben. Meine ältere Schwester Melanie war ja bereits im Kader der Halfpiper, studiert aber jetzt Architektur in Innsbruck, was ihr sehr gut gefällt. Sandra hat sich ein Jurastudium in Augsburg ausgesucht, was ihr auch großen Spaß macht.

Gibt es bei dir schon einen Berufswunsch für die Zeit nach dem Sport?

Hofmeister: Nein, erst einmal bin ich bei der Landespolizei gut aufgehoben. Auf keinen Fall möchte ich Trainerin werden. Ich habe ja auch die Möglichkeit bei der Polizei aufzusteigen. Aber vorerst steht neben meiner Ausbildung bei der Landespolizei der Sport im Vordergrund.

Deine Eltern haben euch drei ja schon früh zum Sport gebracht.

Hofmeister: Das ist richtig. Wir haben in der wärmeren Jahreszeit fast jede Woche an einem Laufwettbewerb teilgenommen und dabei insgesamt 527 Pokale gewonnen. Die Wettbewerbe und auch das regelmäßige Lauftraining mit unserem Papa waren wohl die Grundlage für die späteren Erfolge.

Wo stehen all die Pokale?

Hofmeister: Aus vier Vitrinen haben wir eine gemacht, in der die jetzt wichtigsten Trophäen stehen. Alle anderen haben wir verschiedenen Sportvereinen für deren Veranstaltungen vermacht.

Wann ist es denn mit dem Snowboardsport losgegangen?

Hofmeister: Meine Schwestern waren neun und sieben Jahre alt, ich erst gut vier. Und so habe ich natürlich immer von meinen Schwestern gelernt.

Hast du während deiner Verletzung einmal ans Aufhören gedacht?

Hofmeister: Zu keiner Minute, aber ich hätte nicht gedacht, dass es wieder so gut wird. Da haben mein Physio Hajo Friederich und das Aquatraining bei Margot Zeitvogel-Schönthier in Bad Reichenhall ganze Arbeit geleistet.

Man hat ja am Anfang einer sportlichen Laufbahn mehrere Wegbereiter. Wer waren denn deine?

Hofmeister: Zunächst natürlich einmal unsere Eltern, denen wir alles verdanken. Dann haben wir bei Oliver Hutzschenreuter, Andi Graßl und Norbert Bergmann viel gelernt. Und danach ist schon mein Heimtrainer Christian Veit gekommen, der für uns eine engagierte perfekte Arbeit macht. Und an der Spitze steht natürlich Bundestrainer Andi Scheid, mit dem die Europacupgruppe mit Melanie Hochreiter, Carolin Langenhorst und mir auch zusammenarbeitet.

Bei eurem Sport spielt ja die Psyche eine große Rolle, ihr fahrt ja mehrere Male.

Hofmeister: Da habe ich überhaupt keine Probleme, weil ich mich nie unter Druck setze. Wir hatten sogar einen Sportpsychologen dabei, den ich aber nicht brauche. Ich lasse mich in der Startvorbereitung von niemandem aus dem Konzept bringen.

Hast du ein Startritual?

Hofmeister: Ich wärme mich auf wie alle anderen auch. Dann haue ich noch zweimal auf meinen Helm drauf und dann kann es losgehen.

Wie ist es dir denn nach deinem großen Triumph ergangen?

Hofmeister: Mir ist es von Runde zu Runde schon sehr gut gegangen und so wäre ich auch schon mit dem achten Platz zufrieden gewesen. Aber dann ist es immer weiter gegangen. Meine Erwartungen waren eigentlich aufgrund des eher flachen Hanges nicht sehr groß. Ich mag lieber die steileren Pisten.

Du hast ja auch schon deine ersten Fernsehinterviews gegeben, wie war denn das?

Hofmeister: Das war schon etwas durcheinander, weil aus allen Richtungen jemand mit dem Mikrophon und der Kamera gekommen ist. Ich habe sogar in Englisch geantwortet. Aber das war auch ganz o.k.

Vor eurem Haus hängen Willkommensfähnchen in weiß blau und ein Herz. Was haben denn deine Mama und deine Freunde gesagt?

Hofmeister: Die Mama kann bei meinen Rennen nicht zuschauen, die ist spazieren gegangen. Aber auf dem Weg wurde sie schon dauernd angerufen. Am Tag nach dem Rennen hat sie mich mit einer tollen kleinen Party bei uns zu Hause mit Freunden überrascht. Das war richtig lieb, ich habe mich sehr darüber gefreut.

Wie geht es sportlich weiter?

Hofmeister: Mit Europacups auf der Gerlitzen, Rogla und Racines. Ja und dann geht es noch einmal nach Slowenien, wo in Rogla die Weltmeisterschaften der Junioren stattfinden.

Dürfen wir dann eine Weltmeisterin aus Berchtesgaden feiern?

Hofmeister: Schau ma mal. Ich mache mir da überhaupt keinen Stress. Christian Wechslinger