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Zwei Uraufführungen in der Klosterkirche

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Patrick Pföß und Flötistin Johanna Hartmann musizieren beim Gesprächskonzert in der Traunsteiner Klosterkirche einfühlsam miteinander. (Foto: Janoschka)

Patrick Pföß hat für sein Gesprächskonzert im Kulturraum der Klosterkirche hoch qualifizierte Musiker und Musikerinnen gewonnen: Zum Beispiel Silke Aichhorn, die weit über den Landkreis hinaus bekannte Harfenistin. Zauberhaft und engelsgleich erklangen unter ihren Händen die drei Sätze Allegro assai, Andante und Presto der »Sinfonia Concerto« in G-Dur von Johann Christian Bach, denen sie jeweils eine charakteristische Stimmung angedeihen ließ.


Dann die Flötistin Johanna Hartmann, die durch ihre Verträge mit den Münchner Symphonikern und dem Philharmonischen Orchester Regensburg viel Bühnenerfahrung vorweisen kann, sowie Claudio von Hassel, der Perkussionist, zu dessen 50. Geburtstag Patrick Pföß ihm das Werk »Phi« für Schlagwerk gewidmet hat, und der dieses dann auch mit allen Finessen darbot.

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»Komposition ist klingende Architektur«, sagt Pföß, und so weist das Formkonzept dieses Stücks einen mathematisch-stabilen Rahmen auf, der dem Schlagzeuger trotz der inneren Logik die Freiheit der Interpretation gewährt. Dieser manifestiert sich in einem regelmäßigen linear und ohne Punktierungen oder Synkopen verlaufenden Vierer-Rhythmus, meist auf der kleinen Trommel, in den dann Klänge verschiedener Tonhöhe und Geräusche mit dem Becken, auf den Tempelblocks, den Chimes und der Holzschalenrassel sowie der Triangel eingestreut werden.

Pföß ist Flötist, Dirigent und Komponist, ein Multitalent also. Seinen ersten Kompositionsauftrag erhielt er 1999. Das Kammerkonzert für Flöte, Streichorchester und Schlagwerk, das er auch dirigierte, komponierte er für die Bachtage in Neuburg an der Donau im Jahr 2000. 2015 veränderte er dessen Klangsprache, die an Igor Strawinsky erinnert, und erweiterte den ursprünglichen Paukenpart mit Becken, kleiner Trommel und Tempelblock. Pföß führte durch sein klares Dirigat das Streichorchester – Studenten und Berufsmusiker – hin bis zur Apotheose nach dem 4. Satz.

Die zweite Uraufführung des Abends war der »Prolog« für Bariton und Harfe zur Kammeroper »Cuchulinn« von Patrick Pföß. Silke Aichhorn überzeugte vom ersten angerissenen Ton ihres Instrumentes an und zeigte sämtliche Klangvarianten wie Triller und Glissandi im gemeinsamen Musizieren mit dem Bariton Heinrich Albrecht, Leiter der Inzeller Musikschule, der den Besuchern informativ einen Zugang zu den einzelnen Programmpunkten vermittelte.

Nach dem Libretto von Jürgen Arnold erklangen passend zum anklagenden Text ungewohnte, fast disharmonische Intervalle im vokalen Melodiebogen. Die gesamte Oper aus dem Sagenzyklus der Kelten mit den Themen Eitelkeit, Liebe und Eifersucht wurde aus finanziellen Gründen nicht wie geplant aufgeführt, doch hofft der Komponist immer noch auf weitere Sponsoren. Sozusagen als Kostprobe und pars pro toto konnten sich die Zuhörer während des Prologs ein Bild von der Konzeption der gesamten Oper machen.

Eugène Bozzas Werk »Soir dans les Montagnes« wurde von Pföß von einem Werk für Flöte und Klavier zu einem Orchesterwerk für Flöte und Streichorchester umgearbeitet. Sehr ansprechend und mit einem schönen Ton ließ Johanna Hartmann die Weiten einer Bergregion an einem lauen Sommerabend im ersten Satz erstehen. Die Improvisation der Flöte im 2. Satz ließ an einen Wanderer, der den Weg sucht, denken und der 3. Satz führte den Zuhörer zu einer Szene mit springenden Gämsen und Murmeltieren.

In den jeweiligen Kadenzen zog die Solistin alle Register ihres Könnens. Pföß dirigierte alle Orchesterwerke des Abends und spannte mit den verschiedenen Kompositionen einen weiten Bogen durch die Musikgeschichte. Dabei nahm er die Zuhörer mit Johann Christian Bachs »Sinfonia Concerto« in G-Dur für Harfe und Streichorchester mit in die Frühklassik und überzeugte mit seiner Auffassung und seinem Dirigat ebenso bei Dimitri Schostakowitschs Kammersinfonie op. 110a, die auf dessen 8. Streichquartett basiert.

Die Initialen des Komponisten d-(e)s-c-h geben dabei die musikalische Signatur des Komponisten ab. Zudem erklingt eine Fülle von Zitaten aus seinen früheren Werken. Wehmütig, morbide, fast satanisch klang der ironische Walzer im 3. Satz. Ein anspruchsvolles Programm, das mit großer Spielfreude dargeboten wurde. Brigitte Janoschka

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