weather-image
20°

»Zwei Welten« - eine faszinierende, magische Bilderwelt

1.0
1.0
Bildtext einblenden
Blick in einen Kulturraum des Staatlichen Landschulheims Marquartstein mit kleineren Skulpturen und Bildern von Walter Lederer.

»Zwei Welten« ist die schöne, liebevoll zusammengestellte Gedächtnisausstellung für den bekannten Überseer Künstler Walter Lederer (1923 bis 2003) in den Kulturräumen des Staatlichen Landschulheims überschrieben, die vom heutigen Donnerstag bis zum 11. Oktober zu sehen ist.


Zusammengestellt von dem Kunsterzieher und Künstler Karlheinz Hauser bietet die Präsentation schlaglichtartig eindrucksvolle Beispiele aus einigen wichtigen Schaffensperioden des Künstlers, der Zeit seines Lebens nach neuen Ausdrucksformen suchte. Bei der Auswahl der Bilder und der Gestaltung half auch Dag Jungbluth mit, Schwiegersohn des Künstlers, dessen Tochter die Oberstufe des Landschulheims besucht. Die Präsentation ist harmonisch aufeinander abgestimmt, so dass der Besucher einen guten Eindruck vom Werk des Künstlers Walter Lederer gewinnen kann.

Anzeige

Gezeigt werden zum Beispiel beachtliche Materialcollagen von Ende der 50er Jahre, einige expressive und realistische Werke, wie Lederer sie von seinem Lehrer, Professor Willi Geiger, übernommen hat, sich dann aber schnell der abstrakten Malerei zuwandte. Zu sehen sind leuchtende, abstrahierte Landschaften, aber auch symbolhafte, surreale Formen und farbige, geometrische Figuren. Gerade in seinen letzten Lebensjahren malte Lederer besonders lebensbejahende, fröhliche, abstrakte Bilder.

Walter Lederer, geboren am 8. November 1923 im Sudetenland, in Schönbach an der Asch, wurde nach seiner Schulzeit sofort zur deutschen Luftwaffe eingezogen. Nach dem Krieg im Gefangenenlager in Bad Aibling erfuhr er von der Wiedereröffnung der Kunstakademie in München, wo er sich mit einigen Zeichnungen bewarb und sofort angenommen wurde. Er wählte für sich Professor Willi Geiger als Lehrer aus, der am Chiemsee lehrte. So kam Lederer an den Chiemsee, eine Gegend, die ihn von da ab nie mehr freigab. Hier lernte er seine Frau Sophie kennen, mit der er über 50 Jahre lang in glücklicher Ehe verbunden blieb. Die Anfangsjahre nach dem Krieg waren besonders finanziell schwierig, da die junge Familie versorgt werden musste und sich Lederer seinen Ruf als Künstler erst in harter Arbeit aufbauen musste. Dabei half ihm damals vor allem die Vorschrift »Kunst am Bau« bei öffentlichen Gebäuden. Zwar hatte er nach dem Studium schon 1949 im Haus der Kunst erstmals ausgestellt, doch erst Anfang der 1960er Jahre konnte er sich aktiv als Mitglied der Neuen Münchner Künstlergenossenschaft in der dortigen Kunstszene einbringen. 1963 beteiligte er sich zum ersten Mal auch an der Jahresausstellung Chiemgauer Künstler in Prien, deren Jury er später lange angehörte. Schon 1958 gründete er mit Kollegen die Gruppe 58 in Traunstein, die moderne zeitgenössische Kunst auch in den Raum Traunstein und Trostberg brachte. Lederer engagierte sich in mehreren Kunstvereinen und als Jurymitglied bei vielen Ausstellungen wie beim Arbeitskreis 68 in Wasserburg oder als Dozent an der Akademie in Bad Reichenhall. Lederer habe »sich in eine malerische Gedankenwelt, die von Mythen und der Magie des Metaphysischen bestimmt war« hineingelebt, hatte der Kunsthistoriker Karl Aß bei der großen Gedächtnisausstellung für Walter Lederer zu seinem 10. Todestag in der Priener Galerie im Alten Rathaus festgestellt. »Dabei ging er seine ganz eigenen Wege, fand aber in seinem künstlerischen Schaffen immer wieder neue Ausrichtungen und Ausdrucksformen«, so Aß.

Der Künstler scheint in seiner unverwechselbaren, rauen Farbpalette eine archaische, geheimnisvolle und apokalyptische Weltenkraft zu beschwören, durch deren Wirkung das menschliche Leben stetig beeinflusst und gelenkt wird. Er suchte die Natur, das Leben, das Mystische, den Zauber, das Symbolische, das Rätsel und letztlich sich selbst in seinen Bildern. »Lederers Bilder leuchten. Und in diesem Leuchten liegt zugleich ihr Leben.«, sagte einmal der frühere Kulturreferent des Landkreises Rosenheim, Jörg Schönmetzler.

Walter Lederer hatte immer wieder den Wunsch geäußert, dass sich der Betrachter seiner Bilder selbst Gedanken zu seinen Arbeiten machen sollte. Die hoffentlich vielen Besucher dieser schönen Werkschau sollten diesem Wunsch des Künstlers nachkommen. Für alle Interessierten wird darüber hinaus ein Werkstattgespräch mit Sophie Lederer, der Witwe des Künstlers, und Karl-Heinz Hauser am Sonntag, 6. Oktober, um 14 Uhr in den Kulturräumen der Schule stattfinden.

Die Ausstellung im Staatlichen Landschulheim ist bis Freitag, 11. Oktober, zu sehen. Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag, von 8 bis 17 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 0160/98283442.

Christiane Giesen