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Zweimillionster Besucher auf dem Obersalzberg

Berchtesgaden – Hoher Besuch in Berchtesgaden: Der bayerische Finanzminister Dr. Markus Söder hat gemeinsam mit Landrat Georg Grabner und dem Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, Prof. Dr. Andreas Wirsching, den zweimillionsten Besucher der Dokumentation Obersalzberg begrüßt – eine neunte Klasse der Christophorus-Realschule. Söder bekräftigte den geplanten Ausbau der Dokumentationsstelle. 17 Millionen Euro wird der Freistaat investieren. Los geht es 2015. Beendet werden soll die Maßnahme nun früher als geplant.

Seit 1999 hat die Dokumentation Obersalzberg geöffnet. Nun soll die Ausstellungsfläche auf 2  500 Quadratmeter wachsen.

6 400 Schulklassen: Das ist die Bilanz der vergangenen 14 Jahre, seitdem es die Einrichtung am Obersalzberg gibt. Söder verkündete die Zahl mit gewissem Stolz. »Ein Fünftel, also 400 000 Besucher, waren Schüler und Schülerinnen.« Die Schüler der Bubenklasse der CJD-Realschule waren die Glücklichen, die jeweils ein Präsent-Sackerl von Staatsminister Söder überreicht bekamen.

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Von Anfang an habe die Resonanz der Öffentlichkeit alle Erwartungen übertroffen, meinte Söder. Geplant war, 40 000 Besucher Jahr für Jahr auf den Obersalzberg zu holen. Mittlerweile haben sich die Zahlen bei rund 150 000 eingependelt. »Die Ausstellung ist dafür viel zu klein«, sagte der Minister und verwies auf die Pläne, die bereits in den Schubladen des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen schlummern. Allein die Ausstellungsfläche der Dokumentation soll kräftig erweitert werden: »Von aktuell etwa 1  000 Quadratmeter auf dann 2 500 Quadratmeter«, so Söder.

17 Millionen Euro möchte der Freistaat investieren, »mit der Dokumentationsstelle werden wir unserer historischen Verantwortung gerecht«. Enttäuscht zeigte er sich, dass seitens des Bundes keine finanziellen Mittel fließen, obwohl dies, seiner Meinung nach, erwartet werden könnte. »Immerhin ist das ein deutsches Erbe.« Der Freistaat werde die Erweiterung nun aber alleine finanzieren.

Ziel sei es, in Zukunft noch stärker zur »Entmystifizierung des Ortes«, der im Dritten Reich einst zweiter Regierungssitz Hitlers war, beizutragen. Die Dauerausstellung, die auch inhaltlich überarbeitet werden soll, wird mit moderner Medientechnik und zusätzlichen Informationstafeln ausgestattet. Nächster Schritt sei die Durchführung eines Architektenwettbewerbs, so Söder, der noch bis Ende dieses Jahres eingeläutet werden wird. Der Haushalt sieht alleine für die Planung des Projektes 1,8 Millionen Euro (im Gesamtbetrag enthalten; Anm. d. Red.) vor. 2,6 Millionen Euro sind für die Überarbeitung der Dauerausstellung angedacht, 14,6 Millionen Euro wird der Umbau veranschlagen.

Die aktuelle Dokumentation Obersalzberg wird ein neues Gesicht erhalten: Allein das Foyer soll deutlich vergrößert werden. Die museumspädagogischen Räumlichkeiten werden großzügiger gestaltet, den medialen Aspekten soll ein größerer Stellenwert eingeräumt werden. Vor allem dürften es Bewegtbilder sein, die zukünftig für zusätzliche Eindrücke sorgen. Wichtig ist Finanzminister Söder, dass der Besucherservice verbessert wird, auch ist geplant, einen Ideenwettbewerb zum Thema »Berghof« zu veranstalten.

Die heile deutsche Welt auf dem Obersalzberg, die im Dritten Reich transportiert wurde, müsse aufgearbeitet werden. Wichtig auch: Zeitzeugen einzubinden. »Es gibt nicht mehr viele Menschen, die aus der Zeit berichten können«, sagte Söder, daher sei es umso notwendiger, diese in das Gesamtkonzept besser zu integrieren. Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte hat man in der Dokumentation bereits damit begonnen, Zeitzeugeninterviews durchzuführen.

Für Landrat Georg Grabner ist der zweimillionste Besucher eine Bestätigung für die fortwährenden Bemühungen um den Ausbau der Einrichtung. »Die Aufarbeitung der Geschichte ist uns ein Anliegen«, sagte Grabner und verwies auf das Zwei-Säulen-Modell am Obersalzberg mit dem Fünf-Sterne-Hotel »Intercontinental Berchtesgaden« und der Dauerausstellung. Das Konzept der Dokumentation sei »ausgezeichnet«. Auch in Zukunft werde dieses Bewährtes mit Neuem verbinden.

Prof. Dr. Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, sagte, dass der Obersalzberg eine wunderschöne Landschaft sei, aber historisch »kontaminiert«. Genau hier liege auch die Herausforderung, der man sich stellen müsse. »Seitens des Freistaats ist es eine kluge und weitsichtige Entscheidung, auszubauen«, meint Wirsching.

Auch fachlich sei es eine Herausforderung, die besten Experten des Landes beteiligten sich an dieser Aufgabe. »Wir müssen die Verknüpfung des Ortes mit den Personen, die hier leben, leisten.« Ein Grobkonzept liege bereits vor. Sicher ist sich Wirsching, dass man sich mit dem ambitionierten Projekt in einer »Risikozone« befinde, da die Aufmerksamkeit nicht nur groß, sondern vor allem auch international sei. Es müsse gelingen, den Ansprüchen gerecht zu werden.

2015 soll der Ausbau am Berg beginnen. Söder bekräftigte, dass man das Projekt so schnell als möglich zu einem Abschluss bringen möchte: »Ende 2016, Anfang 2017 wollen wir spätestens fertig sein.« Kilian Pfeiffer