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Zwischen Abstraktion und Welterfassung

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Ein Aquarell aus dem Jahr 2013 von der Amalfi-Küste - Beispiel für die abstrahierende Kraft der Landschaftsmalerei Hans Torwestens. (Foto: Inge Graichen)

Angeregt durch seinen 70. Geburtstag zu Beginn dieses Jahres präsentiert ab dem heutigen Freitag der im nördlichen Chiemgau ansässige Maler Hans Torwesten unterschiedlichste Werke aus fünf Jahrzehnten in einer Ausstellung im Kulturzentrum in Traunstein am Stadtpark.


In der Region bekannt für seine stimmungsvollen Landschafts-Aquarelle zeigt Torwesten hier auch andere Seiten seines künstlerischen Schaffens aus früheren Etappen der künstlerischen Entwicklung. Der Reiz dieser Gesamtschau liegt für den Betrachter in der Möglichkeit, Entwicklungslinien und Brüche nachzuverfolgen, Bilder aus verschiedenen Perioden zu vergleichen und gegenseitige Einflüsse zu erkennen.

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Hans Torwesten absolvierte seine Ausbildung als Maler Ende der sechziger Jahre an der Kunstakademie Wien – zu einer Zeit, als nur die abstrakte Malerei als professionell galt, Gegenständliches als altmodisch eher verpönt war, zumindest surrealistisch überhöht werden musste. Es entstanden filigrane Feder- und Tuschezeichnungen und surreale Aquarelle und Ölbilder – abstrahierende Werke, die sich aus dem Inneren des Künstlers heraus entfalteten und dennoch Gegenständliches immer noch erahnen ließen.

Nach dem Umzug ins oberösterreichische Mühlviertel im Jahre 1982 kommt die Landschaft als Thema des künstlerischen Schaffens gewissermaßen von außen auf Hans Torwesten zu und bestimmt es zunehmend. Noch mehr mit der Rückkehr in den Chiemgau: So faszinieren nun beispielsweise Bilder von der Fraueninsel und Kloster Seeon den einheimischen Betrachter mit ungewohnter Sichtweise und Herausarbeitung von Einzelheiten, die er bisher so nicht wahrgenommen hat. Denn besonders in Hans Torwestens Aquarellen geht die Genauigkeit der zeichnerisch durchgearbeiteten Details im Vordergrund eine charakteristische Verbindung ein mit dem schwungvollen Pinselstrich, der dynamischen Komposition und der atmosphärischen Dichte des oft nur in groben Zügen angedeuteten Hintergrundes.

Neben der bayerisch-österreichischen Landschaft vor den Alpen liefern Aufenthalte im Mediterranen bis hin zu Marokko den Stoff für Hans Torwestens Landschaftsmalerei. Sonnen-durchflutete Gärten und dunkle Gassen versetzen den Betrachter in die Welt des Südens. Mit klaren Konturen zwischen den verschwimmenden Pinselstrichen und Farbflächen der aquarellistischen Komposition wird in diesen Bildern die besondere Stimmung des Mittelmeerraumes künstlerisch umgesetzt.

In den letzten Jahren ist ein neues Element in die Landschaftsbilder Hans Torwestens gekommen: Personen beleben die landschaftliche Momentaufnahme, machen Landschaft als Einheit von natürlichen oder städtebaulichen Gegebenheiten und darin handelnden Menschen erfahrbar. Die unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksweisen haben sich immer wieder gegenseitig befruchtet. Hans Torwesten abstrahiert auch im Erfassen des Gegenständlichen. Der Aus-schnitt aus der Landschaft ist unverwechselbar; doch im subjektiven Blickwinkel und der Reduktion auf das Wesentliche, in der bewussten Farbgebung und dem durchkomponierten Bildaufbau werden die Grenzen zur abstrakten Malerei fließend.

Vernissage der Ausstellung im Kulturzentrum Traunstein ist am heutigen Freitag ab 19 Uhr, danach ist die Ausstellung geöffnet vom morgigen Samstag bis Sonntag, 13. April, täglich von 11 Uhr bis 19 Uhr. Inge Graichen