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Zwischen Bach und Blues

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Jazz beim »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« mit Christian Elsässer und seinem Quintett im Trostberger Postsaal. (Foto: Heel)

Einen fulminanten Auftritt legte der 1983 in München geborene Komponist, Pianist und Dirigent Christian Elsässer mit seinem Quintett im Trostberger Postsaal hin.


Ein Projekt, das auf Anregung von Thomas Hartmann, einem der künstlerischen Leiter des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« entstanden ist und eine Premiere darstellte: zum ersten Mal Jazz im Rahmen dieser Konzertreihe. Brandneu waren auch die Stücke, die Elsässer, der als einer der wichtigsten Vertreter des zeitgenössischen Jazz in Europa gilt, dazu im Frühjahr geschrieben hat und deren Themen und Arrangements auf einem einzigen Notenblatt Platz finden sollten, wie er zwischendurch anmerkte. Aus dieser Frische rührte auch, dass die meisten Stücke noch keinen endgültigen Titel hatten, sondern lediglich Arbeitstitel wie »Quintett neu Nr. 1« oder »Blues«.

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Als adäquate Partner, die seine musikalischen Visionen teilen, hatte Elsässer vier Musiker mitgebracht, mit denen er dieser Tage im Studio des Bayerischen Rundfunks auch eine CD des Konzertprogramms aufnehmen wird: Niels Klein (Tenorsaxofon), der neben seinen eigenen Formationen vor allem als Leiter des Bundesjazzorchesters bekannt ist; Tim Collins (Vibrafon), ein gebürtiger Amerikaner, der seit 2010 in München lebt und als Weltklasse-Vibrafonist gilt; Henning Sieverts (Kontrabass), von der »Zeit« als Bassist der Stunde bezeichnet; und Fabian Arends, der sich als Jazz-Drummer und Komponist einen Namen gemacht hat. Allesamt virtuos auftrumpfende Meister ihres Fachs, denen Elsässer viel Raum für Improvisationen ließ, wobei Sieverts stärker als vielleicht üblich präsent war und Arends geschickt Akzente setzte, die großen Soli aber Klein und Collins vorbehalten blieben.

Am Anfang stand dabei ein Unisono-Thema von Klavier und Saxofon, von den übrigen Musikern behutsam weiterentwickelt und gefolgt von gut zehn Stücken, manche davon inspiriert von einem Kanon oder der Cello-Suite von J. S. Bach. Humorvoll moderiert von Elsässer, verging die Zeit so wie im Flug, schade nur, dass die Anzahl der Zuhörer recht überschaubar war. Mit der Zugabe, einer so kraftvoll wie herzergreifend gespielten zweiten Blues-Nummer namens »French Cowboy«, verabschiedeten sich Elsässer und seine Mitstreiter dann vom Publikum. Wolfgang Schweiger