weather-image
17°

»Zwischen Irish Dance und Schuhplattler«

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Familie Bartels: Rachel, Kiera, Günter, Kian und Brendan. (Foto: privat)

Ramsau – Rachel Bartels' Geschichte als Ramsauer Bürgerin begann (fast) als Romanze, die etwas Märchenhaftes hatte: Eine irische Studentin sucht einen Ferienjob, landet letztlich in einem Wirtshaus im Ramsauer Zauberwald und lebt dort seit 28 Jahren mit Ehemann und drei Kindern.


Günter und Rachel Bartels kennen sich schon ein paar Jahre länger. Denn zwischen Ferienjobende und Hochzeit lagen ein paar Jahre, in denen der Entschluss, ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland neu zu fixieren, reifen konnte. Rachel Bartels hat zunächst ihr Lehramts-Studium in ihrem Geburtsort Dublin beendet, während ihr späterer Ehemann Günter weiter im Gasthaus »Zauberwald« seine Gäste bewirtete. Was er heute noch tut. Die Wirtin Rachel Bartels arbeitet auch in ihrem Beruf, unterrichtet in der Realschule unter anderem Englisch.

Anzeige

Damals, als Studentin, hatte sie wenig Kenntnis davon, was sie in den Ferienwochen am Rande von Ramsau erwarten könnte. Die deutsche Sprache war ihr so fremd wie die Geheimnisse der Gastronomie. Was sich natürlich schon lange gewandelt hat. »Das war auch ein wenig Abenteuer«, sagt Rachel Bartels. Aber es ist, wissen die Bartels heute, sehr gut ausgegangen, wenn auch vermutlich völlig anders als einmal von Dublin aus geplant. Besser.

Rachel Bartels lebt mit Ehemann Günter nun schon fast drei Jahrzehnte im Zauberwald, fühlt sich hier auch zu Hause. Immerhin aber haben ihre gemeinsamen drei Kinder irische Vornamen. Brendan, Kian und Kiera sind zweisprachig aufgewachsen, sprechen englisch und deutsch, die Ramsauer Mundart gar nicht mitgezählt. Rachel fühlt sich in der Wahlheimat durchaus integriert und akzeptiert. Aber, sagt sie lächelnd, wird wohl nie so ganz eine Einheimische werden: »Ich werde immer die Irin aus dem Zauberwald bleiben.«

Der Kontakt zu den Wurzeln ist indes nie abgerissen. Gelegentlich kommt die Familie in die Ramsau und mindestens dreimal im Jahr lockt Rachel Bartels die »alte Heimat« Irland. Dort fühlt sich auch Günter Bartels wohl, die Menschen seien dort ähnlich wie hier. Ob er damit Deutschland, Bayern oder speziell die Ramsau meint, lässt er offen. Rachel und Günter Bartels, das spürt man im Gespräch mit beiden, leben in einer Grundzufriedenheit miteinander und blicken mit Stolz auf ihre Kinder. Sohn Brendan studiert derzeit in Dublin Politikwissenschaft und Kian hat im elterlichen Anwesen deutliche Spuren gelegt. Er befindet sich gerade in der Ausbildung zum Holzbildhauer an der Berchtesgadener Schnitzschule.

Trotz aller Zufriedenheit kommt Rachel Bartels am Ende doch noch ins Schwärmen, wenn sie vom Gaelic Football spricht, einer in Irland sehr beliebten Mannschaftssportart. Aus unserer Sicht ist es eine Mischung aus Fußball und Rugby, bei der jeweils 15-köpfige Teams gegeneinander antreten. Rachel Bartels Versuch, diese Sportart in ihrer neuen Heimat ansässig zu machen, ist bislang noch nicht so ganz geglückt. Dieter Meister