Zwischen Moral und Realität: »Prof. Wall im Bordell«

«Prof. Wall im Bordell»
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Professor Wall (Hanns Zischler) sucht eine ehemalige Studentin im Bordell auf und möchte die Prostituierte Aurelie (Emilia Schürle) überreden, ihr Studium wieder aufzunehmen. Foto: Nadja Klier/ARD Degeto/dpa Foto: dpa

Das Rotlichtmilieu ist eine Herausforderung für den Uni-Professor. Dennoch wagt er sich auf der Suche nach seiner Studentin in den Puff, was seine Wertvorstellungen auf den Kopf stellt...


Berlin (dpa) - Gewissensbisse und Schuldgefühle treiben einen alten, besserwisserischen Juraprofessor in den Puff. Der Moralist ist dort auf einer ganz besonderen Mission: Er will seine ehemalige Studentin Aurelie bekehren, die hier als Sexarbeiterin ihr Geld verdient.

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Doch in dem Drama »Prof. Wall im Bordell« - in der Nacht von Sonntag auf Montag um 0.05 Uhr im Ersten zu sehen - wird ihm selbst eine Lektion erteilt. Dabei laufen der aus TV-Krimis bekannte Schauspieler Hanns Zischler und Emilia Schüle (»Ku'damm 63«, »Charité«) zu Hochform auf.

Denn im Bordell, deren Chefin Astrid zwar mit besten Arbeitsbedingungen für ihre Angestellten, aber auch mit Dumpingpreisen wirbt, geht es zwischen dem Professor und seiner Studentin zur Sache. Zwischen beiden entwickelt sich im Laufe des Films ein tiefgründiger Dialog über Moral, Recht und Selbstgerechtigkeit. Beide schenken sich dabei nichts.

Vulgarität und Juristerei wechseln sich dabei ab. Dem Professor steigt zwischen Whirlpool und Sex-Gestöhne aus dem Nachbar-Zimmer nicht nur einmal die Schamesröte ins Gesicht. Doch zwischen den beiden Protagonisten müssen noch einige Fragen geklärt werden.

Warum hat Aurelie als »begabteste Studentin des Jahrgangs« wegen einer schlechten Beurteilung alles hingeschmissen? Was treibt sie ins horizontale Gewerbe? Und warum kümmert es den honorigen Akademiker überhaupt, was aus der jungen Frau wird?

Einst hatte der Jurist Aurelie in einem Seminar bei einem Referat über einen Strafrechtsfall vor den Kommilitonen streng bewertet und ihr das Wort entzogen. Die junge Frau fühlte sich so gedemütigt, dass sie der Universität für immer den Rücken kehrte - zumindest ist das die oberflächliche Erklärung. Erst im Gespräch erfährt man, warum sie ihr Vertrauen in das Recht verloren hat und was Professor Wall eigentlich damit zu tun hat.

Als Prostituierte muss sich Aurelie zwar dem Willen der Puffchefin beugen, hat aber Macht über ihre Kunden. Sogar Wall scheint sie mit Hilfe ihrer Kollegin Susie (Katrin Wichmann, »Sörensen hat Angst«) immer mehr in der Hand zu haben. Auf der Zielgeraden des Dramas kehren sich die Machtverhältnisse abrupt um - zum Erstaunen sowohl für Wall als auch für die Zuschauer vor den Bildschirmen.

Der Professor und die Studentin sind zwei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der abgeklärte Jurist scheint durch die junge Frau seine eigene Oberflächlichkeit zu erkennen. Er arbeitet schließlich auch seine eigene schwierige Beziehung zu seinem Sohn Simon auf.

»Prof. Wall im Bordell« wurde 2019 zum ersten Mal im Fernsehen ausgestrahlt. Der Film von Regisseur Stefan Krohmer ist eine Produktion der ARD-Tochter Degeto. Dabei gelingt es ihm, dass sich die beiden unterschiedlichen Charaktere mit pointierten und launigen Dialogen annähern.

Gleichzeitig hat der Film auch einige Längen, die aber durch die exzellente Darstellerleistung von Schüle und Zischler nicht weiter stören. Beide überzeugen ausnehmend gut als gegensätzliches Duo - und trotzdem bleibt der Zuschauer am Ende des Streifens etwas irritiert zurück.

© dpa-infocom, dpa:210707-99-295832/3

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