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»Salzburger Passionssingen« bringt in Taxham die Gestalt des Petrus nahe

Zwischen »Superheiligem« und Feigling

Szene aus »Petrus der Fels« mit (von links) Willi Pilz (Lazarus), Alfred Kröll (Judas), Hermann Lechner (Petrus) und Andrea Resch (Martha). (Foto: Mergenthal)

Der Schlüsselfigur der Kirche schlechthin, nämlich dem heiligen Petrus, widmet sich heuer das »Salzburger Passionssingen«. Statt die altbekannten Szenen der Leidensgeschichte aneinanderzureihen, rückt der künstlerische Leiter Josef Radauer die existentielle Not der Figuren in den Mittelpunkt. Die Gestalt des Petrus in ihrer Diskrepanz zwischen Superheiligem und Feigling kommt dem Zuschauer in schlichten Szenen und Musik ganz nahe. Aufgeführt wird das Spiel am morgigen Freitag um 19 Uhr in der Pfarrkirche Taxham in der Nähe des Europarks.


Die 1968 eingeweihte moderne Kirche, die von innen wie ein großes Zelt erscheint und an den Weg Gottes mit seinem Volk erinnert, bildet einen stimmigen Rahmen. »Die Apostel zeigen laut Bibel gewisse Schwächen«, sagt Radauer im Gespräch mit unserer Zeitung über die Entstehung des Petrus-Stücks, eine Wiederaufnahme aus dem Jahr 2005. »Der Verrat, die Verleugnung, aber auch dieses Schlafen am Ölberg zeigen, dass sie der Situation nicht gewachsen sind. Unter dem Kreuz finden wir außer Johannes nur Frauen. Die Apostel spielen eine erbärmliche, mittelmäßige Rolle.« Das Ringen der Jünger darum, ob sie eingreifen sollen, und ihr Hadern mit ihrer Rolle sind für den Salzburger Musiker gut nachvollziehbar. Tröstlich ist für ihn, dass Jesus ihnen verzeiht und sie zu Zeugen seiner Auferstehung macht. Wichtig sei allein, nicht aufzugeben wie Judas.

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Für Radauer ist der uralte Stoff ein Spiegel für die heutige Zeit, »wenn innerhalb weniger Tage Ereignisse sich so überschlagen, dass aus Jubel und Begeisterung Verurteilung und Spott werden... dass Entwicklungen bis zur Radikalisierung entgleiten und Menschen so leicht und so schnell zu manipulieren sind«. Die Forderung Jesu zum hundertprozentigen Gewaltverzicht sei ebenso brandaktuell und »das Einzige, das helfen würde in dem ganzen Tohuwabohu«.

Sein Ziel ist es, eine relativ natürliche Handlung zu zeichnen, die ohne Schwarzweiß-Malerei Menschen aus Fleisch und Blut mit ihren Beweggründen zeigt. So beginnt die Geschichte mit der Auferweckung des Lazarus – eine Provokation: »Wer Tote zum Leben erwecken kann, wird gefährlich für alle, die Macht haben.« Auch das Thema »Nahtod-Erfahrung« wird angesprochen. Den Zuschauer möchte Radauer inspirieren, »zu überlegen, wie es ihm in der Situation ergangen wäre«. Wichtig ist ihm auch der hoffnungsvolle Ausblick auf Ostern mit einer Emmaus-Sequenz. Musikalisch eingebettet ist die Handlung in Volksgut und Weisen von Tobi Reiser, festliche Choräle, Chorsätze von Hans Hermann Schein, Anton Bruckner, Josef Rheinberger und anderen sowie neue Kompositionen, zum Beispiel von Josef Radauer und Andreas Gassner (Orgel), Leiter des Kirchenmusikreferates der Erzdiözese Salzburg.

Erstmals präsentiert sich in dieser Aufführung, die an verschiedenen österreichischen Spielorten wiederholt wird, ein neues, junges Ensemble, die »Tobias Reiser Passionsmusik« mit Waltraud Stögner aus Hallwang (Hackbrett), Silvia Reith-Höfer aus Salzburg (Zither), Heidi Reicher aus dem Pongau (Harfe), Irmgard Messin aus Mondsee (Querflöte) und Dominik Meissnitzer aus Werfenweng (Gitarre und Harmonika). Radauer spielt dazu den Kontrabaß. Mitwirkende sind außerdem der 1998 gegründete junge Salzburger Chor »SalTo Vocale«, der Salzburger Dreigesang und die Pongauer Bläser. In der Titelrolle »Petrus« ist Hermann Lechner zu erleben, als Zweifler Thomas Charly Rabanser, der auch die Schauspiel-Regie hat, als Martha Andrea Resch, als Lazarus Willi Pilz, als Judas Alfred Kröll und als Johannes Benedikt Helminger.

Nächstes Jahr sind übrigens wieder bayerische Spielorte vorgesehen, unter anderem das Prinzregententheater in München und die Mühlfeldkirche in Bad Tölz.

Karten für »Petrus der Fels« gibt es in der Pfarrei Taxham (www.pfarre-taxham.at), im Ticketcenter Polzer unter Telefon 0043/662/89690 und an der Abendkasse. Veronika Mergenthal