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Zwölf junge Afghanen und Pakistani einquartiert

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Zwölf junge Afghanen und Pakistani wohnen seit gestern in der Königsseerstraße. Anwohner und Marktgemeinde Berchtesgaden waren darüber vom Landratsamt nicht informiert worden. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Aufregung an der Königsseerstraße und im Berchtesgadener Rathaus: Ohne irgendeine Vorwarnung hat das Landratsamt Berchtesgadener Land gestern Mittag zwölf Asylbewerber in einem alten Gebäude mit der Hausnummer 41 einquartiert. Die überwiegend jungen Männer aus Afghanistan und Pakistan wurden mittags mit dem Bus an ihrem neuen Unterkunftsort abgesetzt. Die Anwohner sind entsetzt, weil es sich dort um ein eng bebautes Gebiet zwischen zwei Hotels handelt. Und Bürgermeister Franz Rasp, der erst gestern morgen offiziell informiert wurde, lässt seinem Ärger freien Lauf: »Das ist ganz schlechter Stil«.


Franz Rasp ist stinksauer. Er hatte am Donnerstagabend zufällig von den Plänen des Landratsamts erfahren. Zwei Anwohner an der Königsseerstraße standen vor seiner Tür, weil sie beunruhigt waren, nachdem vor der Hausnummer 41 Feldbetten ausgeladen worden waren. Bei einem Telefonat mit Landrat Georg Grabner, der sich im Urlaub befindet, erfuhr Rasp, dass auch Grabner keinerlei Information über die Hau-Ruck-Aktion hatte.

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Erst gestern morgen teilte das Landratsamt dem Berchtesgadener Bürgermeister mit, dass mittags in das dort teilweise leer stehende Wohnhaus zwischen zwei Hotels Asylsuchende einquartiert werden. Rasp sprach gestern von 17 Asylbewerbern, gekommen sind am Mittag aber lediglich zwölf. Angeblich war vorgesehen, die Marktgemeinde Berchtesgaden zu informierern, nachdem die Asylbewerber eingezogen sind. Für Franz Rasp ist diese Argumentation vonseiten des Amtes »frech«.

»Ich habe drei große Kritikpunkte zu dieser Sache zu äußern«, so Franz Rasp gestern Vormittag zur Heimatzeitung. »Zum ersten bin ich enttäuscht von der Informationspolitik des Landratsamtes. Bisher wurden wir immer im Vorfeld informiert, wenn die Gemeinde Asylsuchende aufnehmen sollte, und hatten die Möglichkeit, alles abzusprechen«. Das sei in diesem Fall nicht geschehen.

Auch die Anwohner wurden nicht über ihre neue Nachbarschaft informiert. Wäre das im Vorfeld geschehen, hätte es wohl kaum Probleme gegeben, meint Rasp. »Wir haben ja bereits Asylbewerber, die im 'Café Waldluft' untergebracht sind, und haben dort keinerlei Probleme«, merkt der Bürgermeister an. Im Gegenteil, die Berchtesgadener täten viel für die Integration der Personen. Aber die Art und Weise, wie die Information in diesem Falle abgelaufen ist, will Rasp nicht akzeptieren.

Der zweite große Kritikpunkt des Bürgermeisters bezieht sich auf den ganzen Landkreis: »Die Verteilung der Bewerber über den Landkreis ist sehr unausgewogen. Wir in Berchtesgaden haben in der Waldluft und in einem anderen Gebäude bereits 40 Asylbewerber und bekommen jetzt noch einmal zwölf dazu. Normalerweise müssten wir nur zwischen 15 und 20 Bewerber aufnehmen«, so Rasp verärgert.

Seine dritte und größte Kritik richtet sich an das Auswahlverfahren, mit dem das Landratsamt die Örtlichkeiten auswählt: »Meiner Meinung nach gibt sich das Amt zu wenig Mühe bei der Suche, besonders, wenn es um passende Räumlichkeiten geht. Es schaut sich die Umgebung nicht an. Denn die Lage zwischen zwei Hotels geht meiner Meinung nach gar nicht«, äußert sich Franz Rasp ungehalten. Die Gemeinde hätte zudem keinerlei Handhabe, keinen Ansatzpunkt, wie man die Situation steuern oder verändern könnte. Rasp sagt, dass der stellvertretende Landrat erst gestern Morgen den Mietvertrag für die Unterkunft in der Königsseerstraße 41 unterschrieben habe.

Nicht nur die Gemeinde fühlt sich von der eiligen Maßnahme überrumpelt. Auch bei den Anwohnern ist man schockiert über die Hau-Ruck-Aktion. Ursula Conserti, Betreiberin des benachbarten »Hotel Floriani«, formuliert ihre Bedenken: »Natürlich muss man den Leuten helfen. Aber hier ist es doch so eng. Ich weiß nicht, wie ich das meinen Gästen erklären soll«.

Trotz allen Ärgers ruft deshalb Bürgermeister Franz Rasp die Bevölkerung zur Besonnenheit auf: »Wir dürfen nicht vergessen, dass auch die Asylbewerber unsere Gäste sind«. In gutem Englisch sagten sie gestern zur Heimatzeitung, dass sie in ihren Heimatländern nicht mehr sicher seien.

Für den kommenden Donnerstag, 29. August, ist um 20 Uhr eine Informationsveranstaltung zum Thema Asylbewerberheim an der Königsseerstraße geplant. Der Ort wird noch bekannt gegeben. Annabelle Voss