Lokalnachrichten BGL

Landschaftsbildkunst auf hohem Niveau

Ramsau – 70 Erwachsene, zehn Jugendliche und zahlreiche Schüler malten vier Tage lang um die Wette: Vom Himmelfahrtstag bis zum Samstagabend war Zeit, um zu zwei Themen – »Ramsauer Landschaft« und »Bergsteigerdorf« – die eigenen Ideen auf die Leinwand zu bannen. Die einheimischen Teilnehmer ernteten im Rahmen eines Frühsommerfestes mit Ausstellung am Klausbachhaus in Ramsau mehrere Preise, die Schirmherr Prof. Albert Scharf verliehen hat. Beeindruckt vom Niveau zeigten sich Organisator Peter Karger und viele Besucher von nah und fern. Den ersten, auf 1 500 Euro dotierten Preis, den die den Wettbewerb ausrichtende Gemeinde Ramsau gestiftet hatte, erhielt Christina Staudacher aus Schönau am Königssee für ihre Variante vom »Bergsteigerdorf«.

  • Christina Staudacher aus Schönau am Königssee erhielt für dieses Relief den ersten Preis. Fotos: Anzeiger/Mergenthal
  • Dietburg Schröder aus Bischofswiesen zeigt ihr mit dem zweiten Preis gekröntes Werk.
  • Emily Renoth (erster Preis Jugend), Hildegard Moderegger und Rosmarie Fegg von der Volksbank-Raiffeisenbank Oberbayern-Südost (Sponsor) und Gloria Neukamp (zweiter Preis Jugend, v.l.).
  • Der junge Bildhauer Lutz Hesse aus Bischofswiesen bekam für sein bemaltes Holzrelief den zweiten Hotelpreis.

Die junge Frau hatte die ungewöhnliche Idee, 30 Pappplatten zu einem Tiefrelief auszuschneiden und daraus in abstrahierter Form das Dorf Ramsau und seine alpinen Geländeformen zu gestalten. Die frei stehende Kirche spiegelt sich am Horizont. Bürgermeister Herbert Gschoßmann, der das Werk fürs Ramsauer Rathaus bekam, zeigte sich begeistert von der starken Tiefenwirkung. »Wenn in einem bestimmten Winkel ein Lichtstrahl hinein fällt, wirft das Bild ganz tolle Schatten.« Aufhängen will er das Kunstobjekt im Trauungs-Zimmer. »Das wird jetzt eine Herausforderung, die richtige Beleuchtung zu installieren.« Um der Gemeinde dabei zu helfen, kommt die Künstlerin noch einmal vorbei.

Den zweiten Preis bekam Dietburg Schröder aus Bischofswiesen für ihre »Watzmann-Südspitze im Morgenlicht«, eigentlich eine Studie für ein Projekt im Bereich Landart, eine Leidenschaft der Künstlerin. Nachdem sie viele Jahre als Kunstlehrerin in Geretsried unterrichtet hatte, führte sie ihre Liebe zu den Bergen in ihre Heimat zurück, die ursprünglich am Faselsberg war. Mit schwungvollem Strich hielt sie den Watzmann aus einer ungewöhnlichen Perspektive fest. Zwischen den Zacken flattern bunte tibetische Gebetsfahnen und darunter gemischte Kernspintomographie-Aufnahmen, die das Licht durchscheinen lassen, und scheinen über die Leinwand hinaus in die echte Landschaft weiter zu führen. »Meine Idee war, das Scheitern und die Erlösung am Berg darzustellen, die Sehnsucht, das Leiden, das Materielle und Grenzen zu überwinden.« Berge sind für sie auch eine Art Religionsersatz. Dafür suchte sie eine archetypische, universelles Bildsprache. Das Bild bekommt als Sponsor der 1 000 Euro die Sparkasse Berchtesgadener Land.

Den Sonderpreis des Vereins »Freunde des Nationalparks Berchtesgaden« in Höhe von 750 Euro überreichte dessen Vorsitzender Dr. Hubert Zierl an Daniel Janzarik aus Traunstein, Schüler der Schnitzschule, der im Vorjahr den zweiten Preis bekommen hatte. Zierl bekam dafür vier Steinböcke im schmalen Hochformat. »Die Hörner bilden eine harmonische Linie oder ein verschlungenes Netzwerk«, merkte Jury-Vorsitzender Dr. Hermann Amann an.

Den gleichen Wert hatten drei Hotelpreise. Den Preis des Best-Western-Berghotels »Rehlegg« gewann der Reichenhaller Stefan Birkel, der vor zwei Jahren den Sonderpreis der Gemeinde Ramsau erhalten hatte. Birkel stellte in seiner konzentrierten Komposition den Fuß eines Bergsteigers, der in eine Felswand steigt, dar. Aus den Kringeln des herabhängenden Seils gestaltete er den Schriftzug »Ramsau«. Lutz Hesse aus Bischofswiesen durfte sich für sein bemaltes Holzrelief im Extrem-Hochformat, das eine Fichte auf einer Insel im Hintersee erkennen lässt, über den zweiten Hotelpreis des Hotels »Hochkalter« freuen. Der Preis des Alpenhotels »Beslhof« für ein luftiges Aquarell vom Hintersee ging an Jürgen Bichler aus Garching bei München.

Bei den Jugendlichen gewann Emily Renoth (14) aus Berchtesgaden den ersten Preis: Sie zeigte, wie sich in den Brillengläsern eines Gesichtes der Hintersee und die Kunterweg-Kirche spiegelten. Nur mit Naturmaterialien die Farbe aufgetragen hat die Zweitplatzierte Gloria Neukamp (19) aus Berchtesgaden ihr Bild von einer Schlucht. Beide Preise (150 und 100) stiftete die Volksbank-Raiffeisenbank Oberbayern-Südost. Die Gemeinde Ramsau investierte auch in den dritten Jugendpreis (50 Euro). Für ein eigentlich aus Langeweile während der Extempore-Anmeldung entstandenes Bild bekam ihn Tobias Duda vom CJD-Gymnasium: Nur mit dem Stempel der Tourist-Info Ramsau gestaltete er eine Ramsauer Berglandschaft.

Acht Schülerinnen und Schüler bis 13 Jahre bekamen für außergewöhnliche Ideen attraktive Sachpreise: Arno Stöberl, Sophia Stanggassinger, Christina Wulf, Stefan Nagl, Dennis Erkenberg, Lukas Dittrich und Eva Sunkler, die eine Kletterin das als Miniatur direkt unter einem Gipfelkreuz platzierte Dorf Ramsau erklimmen lässt – mit den Häusern als Klettergriffen. Nachwuchsbands und junge Musikanten unterhielten das Publikum am Nachmittag. Zum gemütlichen Ausklang spielte die Ramsauer Musikkapelle.

Weitere Fotos zum Wettbewerb finden sich unter www.berchtesgadener-anzeiger.de. Veronika Mergenthal

Quelle: Berchtesgadener Anzeiger

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