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Klar gegen eine Olympia-Bewerbung

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Traunstein. Klar gegen eine Bewerbung des Chiemgaus für die Olympischen Winterspiele 2022 sprach sich die Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP) bei ihrem Kreistreffen im Wochinger-Brauhaus aus. Helmut Kauer, ÖDP-Fraktionsvorsitzender im Kreistag, nannte als Hauptkritikpunkt: »Das IOC gibt in seinem Konzept zwar viele Versprechen ab. In der einleitenden Überschrift aber bringt es zum Ausdruck, die Versprechen würden nur umgesetzt, wenn Bund und Land die Finanzierung übernehmen.« Das Sprichwort »Wer anschafft, der zahlt«, werde bei Olympia »wissentlich außer Kraft gesetzt«, kritisierte Kreisschatzmeister Roman Babuczki. Wenn das IOC die finanziellen Auswirkungen seiner Vorschriften und Anforderungen selber bezahlen müsste, würden »sicherlich einfachere und umweltfreundlichere Spiele ausgerichtet«.


An andere drängende Aufgaben des Landkreises wie langfristige Sicherung und Erhalt der Kreiskliniken erinnerte Kreisrat Thomas Graf. Diese Dinge seien ihm wichtiger als ein »14-tägiges Großevent« mit einem unüberschaubaren finanziellen Risiko. Georg Huber aus Waging zeigte Verständnis für die aktiven Sportler, die sich über Olympische Spiele in Deutschland freuen würden. Als Kreisrat könne er aber »nicht nur nach Wunsch- und Spaßfaktor entscheiden«, müsse vielmehr Verantwortung auch für nachkommende Generationen übernehmen.

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Viele sinnvolle Maßnahmen werden nicht umgesetzt

Angesichts der Kreisfinanzen mit einem Schuldenstand von derzeit 74 Millionen Euro – wofür allein jährlich drei Millionen Euro Zinsen bezahlt werden müssten – könnten schon viele sinnvolle Maßnahmen nicht umgesetzt werden. »Ich erinnere an einen Antrag von Elternbeirat und Schulleitung des Annette-Kolb-Gymnasiums Traunstein zum Bau einer Turnhalle. Leider ist hierfür momentan kein Geld vorhanden. Das Projekt wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Wie soll ich diesen Eltern erklären, dass ich für die Olympiabewerbung eine Menge Geld ausgebe, für einen verbesserten Schulsportunterricht aber nicht?«

Helmut Kauer aus Traunreut widersprach dem Argument, die ganze Region werde von Olympia profitieren. Er verwies auf die Biathlon-Weltmeisterschaft in Ruhpolding, die nicht den gewünschten Anstieg der Übernachtungszahlen, sondern einen Rückgang mit sich gebracht habe. Kauer weiter: »Kann es sein, dass aufgrund gestiegener Preise viele Gäste in andere Orte ausgewichen sind, wo sie dann sogar längerfristig ihre Urlaubszeit verbringen?« Das Argument der kostengünstigen Werbung für die Tourismusorte bezweifelte ÖDP-Kreisvorsitzender Bruno Siglreitmaier aus Chieming. Inzell und Ruhpolding seien bereits jetzt durch internationale Wettkämpfe in den Medien präsent und könnten hierbei für sich werben. Wenn diese Werbung so viel brächte, dürften die Fremdenverkehrskommunen »nicht die am stärksten verschuldeten Gemeinden des Landkreises« sein.

Dr. Ute Künkele betonte, sie habe Verständnis für die sportbegeisterte Jugend, lehne jedoch aus ökologischen Gründen eine Bewerbung für Winterspiele ab. Ihre Gründe: »Der Landkreis müsste zum Beispiel Schneesicherheit garantieren. Notfalls müsste unter Einsatz von Chemikalien und unter enormem Wasser- und Energieverbrauch Kunstschnee produziert werden – und das alles aus dem wertvollen Trinkwasserreservoir für die Stadt Traunstein.« Schnee aus anderen Regionen heranzuschaffen, sei nur mittels zahlloser Lkw-Transporte machbar, so die Biologin aus Petting.

»Plattform für Konzernwerbung«

Andreas Huber, Biolandwirt aus Waging, monierte, bei der Olympiabewerbung gebe es »zu viele Halbwahrheiten«. Die Finanzierung sei »nicht plausibel«. Als Ex-Leistungssportler habe er keine grundsätzlichen Bedenken gegen größere Sportveranstaltungen. Allerdings sei eine natürliche Umgebung bei Wettkämpfen für Athleten immer angenehmer als »eine Betonwüste mit künstlichem Klima«. Weiter kritisierte er, Olympia sei »leider eine Plattform für Konzernwerbung«, der Ablauf der Spiele davon wesentlich geprägt.

Bei solider Finanzierung und demokratischen Entscheidungen bis in die höchste Ebene würden unangemessener Flächenverbrauch und langfristige Naturzerstörung gar nicht infrage kommen. Derzeit werde die Bevölkerung mit dem Slogan »Wir machen die schönsten Öko-Spiele« geködert. Im Kleingedruckten werde dann eingeschränkt, »wenn es einer bezahlt«.

Thomas Graf argumentierte, durch Straßenbaumaßnahmen, Sportstättenerweiterung und für das Olympische Dorf sollten wieder landwirtschaftliche Flächen verbaut werden – obwohl viele Bauern landwirtschaftlichen Grund suchen.

Helmut Kauer gab zum Verkehrskonzept zu bedenken: »Wie sollen 30 000 Besucher aus Ruhpolding zur Siegerehrung nach Reichenhall kommen? Die direkte Verbindung von Ruhpolding nach Inzell soll ja für den Individualverkehr gesperrt werden. Die Bahnverbindung führt von Ruhpolding über Traunstein nach Freilassing, von dort erst nach Bad Reichenhall.« Roman Babuczki aus Emertsham verwies auf noch nicht bekannte Auflagen des IOC: »In London waren vier Meter hohe Zäune, welche unter Hochspannung standen, um die Sportstätten gezogen. Und das »Bid Book« für die Bewerbung 2018 sah über 40 Kilometer Sicherheitszaun vor.« kd