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Stromzähler: 20 Jahre zahlen zwei Mietparteien den Strom des anderen. (Fotos: Kilian Pfeiffer)

Verhängnisvoller Zählertausch – Seit 20 Jahren zahlen zwei Mieter den Strom der anderen Partei

Bischofswiesen – Der Fauxpas ereignete sich vor mehr als 20 Jahren: In einer Wohnanlage in Bischofswiesen wurden die Wohnungszähler vertauscht. Die Mietparteien zahlten über zwei Jahrzehnte jeweils den Strom des Nachbarn. »Der Sachverhalt ist durch Zufall aufgrund einer Stromabschaltung aufgekommen«, bestätigt Florian Brunner, Geschäftsführer des Wohnbauwerkes Berchtesgadener Land. Die Aufklärung: kompliziert.


Der Stromabschaltung vorausgegangen war eine deutliche Erhöhung der Abschlagszahlung bei einem der Mieter. Der Ein-Personen-Haushalt sollte plötzlich knapp 100 Euro Strom pro Monat bezahlen. Der Mieter weigerte sich, den Betrag zu begleichen und drängte auf Überprüfung. Daraufhin kam es zur Stromabschaltung seitens des Versorgers. Das Problem nun: Der Strom des Nachbarn floss nicht mehr. So wurde auch das Wohnbauwerk Berchtesgadener Land auf den Fehler aufmerksam.

»Zwischenzeitlich ist die Angelegenheit bereinigt worden, indem die Wohnungen auf den richtigen Zähler angeschlossen und weitere Wohnungen entsprechend geprüft wurden«, teilt Florian Brunner mit. Tatsache ist: Eine der Parteien hat mehr bezahlt als die andere. Das herauszufinden, dürfte schwierig sein. Der zuständige Stromanbieter wollte sich auf Nachfrage nicht äußern: Ein Fragenkatalog blieb unbeantwortet.

»Ein Schaden ist nach unserem Kenntnisstand den beiden Mietparteien nicht entstanden, da beide Wohnungen jeweils von der gleichen Personenzahl bewohnt werden, ähnlich groß sind und somit ähnliche Verbräuche vorhanden sein müssten«, sagt Florian Brunner. Doch ganz so einfach ist es nicht. Stromstände werden Kilowatt-genau berechnet. Der Verbrauch kann je nach Wohnverhältnis und Nutzung ein anderer sein. Etliche Euro Verlust beklagt eine der beiden Parteien.

Mit den Mietern sei vereinbart worden, dass diese sich mit ihren jeweiligen Stromversorgern in Verbindung setzen, um eine gegenseitige Verrechnung zu veranlassen. Das wiederum stieß seit Bekanntwerden der falschen Anschlüsse auf massive Probleme. Von einer »Odyssee« berichtet eine der Parteien, die in zahlreichen Telefonaten und E-Mails ihrem Stromanbieter über das Problem berichtete. Die Parteien mussten ihre Stromzähler abmelden, einen Quasi-Umzug ankündigen. Hilfreich sei der Stromanbieter zunächst nicht gewesen. Seit Monaten zahlt eine der Mietparteien nun gar keinen Strom, obwohl sie einen neuen Vertrag abgeschlossen und eine neue Zählernummer hat. Allerdings: Ein Abschlagsbetrag wurde noch nicht mitgeteilt, ebenfalls liegt keine Kundennummer vor. Die Sache sei ziemlich chaotisch, heißt es.

Beim Wohnbauwerk Berchtesgadener Land heißt es: Wie weit zurück eine Verrechnung möglich ist, könne nicht abschließend geklärt werden, »da die Mieter eventuell zwischendurch den Stromversorger gewechselt haben oder diese sich auf Verjährung berufen«. Gegenüber dem Stromversorger könne das Wohnbauwerk nicht aktiv werden, da man selbst nicht Kunde sei und »aus datenschutzrechtlichen Gründen keinerlei Informationen« erhalte.Dennoch möchte man die Mietparteien unterstützen. »Sollte einer davon ein finanzieller Schaden entstanden sein, dann würden wir dies gegebenenfalls regulieren«, sagt der Geschäftsführer. Bis zur Cent-genauen Aufklärung – nach über 20 Jahren – wird es noch ein bisschen dauern.

Das Wohnbauwerk Berchtesgadener Land ist eine 100-prozentige kommunale Gesellschaft des Landkreises Berchtesgadener Land und zehn kreisangehöriger Kommunen. Das Unternehmen wurde 1949 gegründet. Mit mehr als 1 260 eigenen Wohnungen und Gewerbeeinheiten ist das Wohnbauwerk die größte Vermieterin im Berchtesgadener Land.

kp