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Millionenschweres Gipfeltreffen am Jenner

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Schönau am Königssee – Mit einem millionenschweren Geschenk im Gepäck stattete die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner gestern der Gemeinde Schönau am Königssee einen Besuch ab. Zwei Monate vor dem Startschuss für den Neubau der Jennerbahn übergab die Staatsministerin bei strahlendem Winterwetter vor der Bergstation einen Förderbescheid des Freistaats Bayern über 10,5 Millionen Euro an Bürgermeister Hannes Rasp und Michael Emberger, Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG). Die geschätzten Gesamtkosten für das Projekt liegen bei 40 Millionen Euro.


Staatsministerin Ilse Aigner erlebte gestern am Jenner zwar noch keinen Skibetrieb, zeigte sich aber begeistert von der Aussicht, die sie mit ihren Gästen von der Bergstation aus genießen konnte. Mitgekommen waren mehrere Regierungs- vertreter, die am Zuschussverfahren maßgeblich beteiligt waren. Darunter vor allem Regierungspräsidentin Brigitta Brunner mit Regierungsdirektor Arno Vitallowicz. Ilse Aigner selbst machte nicht viele Worte, sondern übergab ohne Umschweife »mit großer Freude« den Förderbescheid an Bürgermeister Hannes Rasp.

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Der erinnerte an das erste Gespräch im Dezember 2014 bei der Regierung. Dort habe ihnen Regierungsdirektor Vitallowicz mit auf den Weg gegeben: »Macht's was Gscheit's!« Schon zwei Jahre später stehe man nun mit fertigen Plänen hier und nehme den Förderbescheid in Empfang. Ausschlaggebend für das schnelle Voranschreiten der Planungsarbeit seit die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. Namentlich nannte der Bürgermeister die Investoren Peter Hettegger, Martin Harlander und Georg Hinterleitner sowie Betriebsleiter Wilfried Däuber und den neuen BBAG-Vorstand Michael Emberger.

Mit den 10,5 Millionen Euro kann aber nur etwa ein Viertel der Gesamtprojekts finanziert werden. Rund 12 Millionen Euro werden die Aktionäre inklusive Gesellschafterdarlehen aufbringen. Zur Finanzierung hatte man Veränderungen der Aktionärsstruktur vorgenommen. Die Gemeinde Schönau am Königssee hat ihr Aktienpaket von früher rund 81 Prozent auf mittlerweile 17 Prozent zurückgeschraubt und dafür neue Investoren ins Boot geholt. Die restlichen rund 17,5 Millionen Euro sollen mit Krediten finanziert werden.

Pünktlich zur Übergabe des Förderbescheids lag nun auch die Genehmigung vonseiten des Landratsamtes vor. Den entsprechenden Bescheid überreichte gestern Johannes Gruber im Auftrag des erkrankten Landrats Georg Grabner. Für die 63 Jahre alte Jennerbahn brechen nun die letzten beiden Monate ihrer Dienstzeit an. Letzter Betriebstag wird am Sonntag, 5. März, sein. Schon einen Tag später soll das Projekt »Jennerbahn-Neubau«, das einen Zeitraum von einem Jahr in Anspruch nehmen wird, starten. Im Frühling 2018 wird dann das Zeitalter der neuen Jennerbahn anbrechen. Nostalgiefreunde müssen allerdings nicht ganz auf die alte Bahn verzichten. Die BBAG verkauft nämlich ab dem 6. März etwa 150 alte Gondeln zum Stückpreis von 500 Euro. Nähere Informationen erhält man im Jennerbahn-Büro.

Das Projekt »Jennerbahn-Neubau« beinhaltet unter anderem Ersatzbauten für die Seilbahn inklusive der drei Stationen, für die Jennerwiesenbahn und für die Mitterkaserbahn, geringfügige Pistenbaumaßnahmen, die Errichtung eines Kinderlands bei der Mittelstation sowie die Anlegung von barrierefreien Wegen im Gipfelbereich. Neu gebaut wird unter anderem auch eine kuppelbare Sechsersesselbahn von einer Talstation rund 150 Meter unterhalb des Beschneiungsteichs bis hinauf zur Mittelstation. Das relativ leichte Gelände soll vor allem Kindern eine Übungsgelegenheit bieten, weshalb alle technischen Anlagen kindgerecht gebaut werden.

Künftig werden die Fahrgäste mit Zehnergondeln auf den Berg schweben. Man hatte sich für große Kabinen entschieden, weil damit auch Europaletten zur Versorgung der Berg- und Mittelstation problemlos transportiert werden können. Künftig wird es nur noch 64 Gondeln geben, bislang waren es 175. Die neue Bahn wird bis zu sechs Meter pro Sekunde schnell sein, die alte fuhr meistens nur 2,2 bis maximal drei Meter pro Sekunde. Das Seil wird nur noch von 20 Stützen getragen, bisher waren es 43.

An Spitzentagen beförderte die Bahn bislang im Sommer bis zu 2 800 Gäste täglich. Bei der neuen Bahn geht man von einem 20-prozentigen Plus, also von bis zu 3 360 Gästen, aus. Ähnlich wird der Zuwachs im Winter sein. Von bislang maximal 1 500 Erstzutritten wird man die Leistung auf bis zu 1 800 Erstzutritte erhöhen. Der BBAG geht es bei dem Projekt nicht unbedingt darum, möglichst viele Menschen auf den Jenner zu bringen, sondern man will vor allem die oftmals langen Wartezeiten verkürzen. Ulli Kastner