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150 000 Festmeter Schneebruchholz im Forstbetrieb Berchtesgaden

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Der Nasslagerplatz am Kohlhäusl.
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Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller erklärt Staatsministerin Michaela Kaniber Holzseilbahn und Prozessor, rechts daneben Forstwirtschaftsmeister Wolfgang Krämer. (Fotos: Bauregger)

Berchtesgadener Land – Durch die extremen Schneefälle im vergangenen Winter werden in diesem Jahr bayernweit Schadholzmengen von bis zu zehn Millionen Kubikmetern erwartet. Allein im Bereich des Forstbetriebes Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten fielen etwa 150 000 Kubikmeter Schadholz mit Schwerpunkt am Teisenberg an. Dort machte sich die zuständige Staatsministerin Michaela Kaniber am Freitag selber ein Bild vom Stand der Aufarbeitung.


Wie der Leiter des Forstbetriebes, Dr. Daniel Müller, bei diesem Pressetermin in einem Waldstück in der Nähe der Stoißeralm erklärte, konnten durch einen immensen Kraftakt bereits 130 000 Kubikmeter aufgearbeitet werden. Da die Vermarktung äußerst schwierig war und immer noch ist, wurden große Mengen auf einem Nasslagerplatz am Kohlhäusl in Anger zwischengelagert. Die Ministerin versicherte, dass sich die Bayerische Staatsregierung der prekären Lage bewusst sei und bereits weitreichende Maßnahmen zur Unterstützung sowohl der Bayerischen Staatsforsten wie der privaten und kommunalen Waldbesitzer in die Wege geleitet wurden.

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Forstrevier Aufham am stärksten betroffen

Wie Dr. Müller vor Ort erläuterte, werden die nun am stärksten geschädigten, relativ jungen Bestände im Normalfall alle zehn Jahre durchforstet. Wenn die Aufarbeitung der Schäden beendet sein wird, habe man in diesem Jahr vermutlich das Zehnfache dieses Arbeitsvolumens abgearbeitet. Am stärksten sei das Forstrevier Aufham mit dem Revierförster Johann Huber getroffen worden. Am zweitstärksten belastet war das Forstrevier Inzell mit dem Revierförster Georg Berger. Beiden sprach er ein großes Lob für ihr hervorragendes Engagement aus. Sie hatten sich offenbar schon während des Winters mit Tourenskiern auf den Weg zur Schadensaufnahme gemacht. Viele der Schäden seien aber trotzdem bis zum Frühjahr unentdeckt geblieben, da die großen Schneemengen eine Decke über die Schadflächen gelegt hatten. Als im Frühjahr dann das wirkliche Ausmaß erkennbar wurde, seien die Revierförster, zusammen mit den drei Forstwirtschaftsmeistern Franz Leitner, Stefan Hallweger und Wolfgang Krämer, unverzüglich darangegangen, die Aufarbeitung zu organisieren.

Insbesondere die Forstwirtschaftsmeister seien hier stark gefordert worden. Zum einem oblag ihnen die Organisation der Maschineneinsätze und der benötigten Forstwirte. Zum anderen mussten sie dafür Sorge tragen, dass das richtige Holz zum richtigen Kunden kam. Wie Dr. Müller weiter sagte, war es auch deshalb eine große Herausforderung und ein anspruchsvoller Kraftakt, weil die abnehmenden Firmen nicht immer die erst geforderten Mengen tatsächlich dann auch abnahmen oder Bedarf hatten, wenn gerade weniger Holz zur Verfügung war.

Aus diesem Grund entschied sich der Forstbetrieb auch, am Kohlhäusl in Anger einen Nasslagerplatz für bis zu 10 000 Festmeter Stammholz einzurichten. Das geerntete Holz wurde dort ständig mit Wasser aus dem nahe liegenden Bach benetzt. Wie der stellvertretende Leiter Armin Haberl später erläuterte, behält das Stammholz so den Wert wie frisch geschlagenes Holz und hat sogar viele Vorteile bei der weiteren Bearbeitung. Laut Dr. Müller wurden darüber hinaus noch zehn Trockenlager in den besagten Gebieten angelegt. Die Leistung der Mannschaft des Forstbetriebes Berchtesgaden sei auch deshalb so herausragend, weil trotz Steigerung des Arbeitsvolumens um etwa 80 Prozent die Belegschaft nur um 20 Prozent aufgestockt werden konnte. Umso mehr schätze er es, dass die Staatsministerin sich nun selber ein Bild machte und damit auch ihre Wertschätzung für diese Leistung ausdrückte.

Unterstützung für die Waldbesitzer

Staatsministerin Michaela Kaniber zeigte sich beeindruckt, dass bereits der größte Teil des Schadholzes aufgearbeitet ist: »Das ist grandios!« Insbesondere Johann Huber sei bis an seine Grenzen belastet gewesen, habe sich aber verantwortungsvoll für »seinen Wald« eingesetzt. Kaniber vergaß aber auch nicht, sich bei allen zu bedanken, die im Innen- und Außendienst der Staatsforsten auch regionsübergreifend oder als Forstunternehmer an der Bewältigung mitgearbeitet haben. Die Ministerin warnte aber davor, sich in Sicherheit zu wiegen. Da sich das Klima nachweisbar ändert, könnten solche Schadereignisse oder verheerende Stürme zumindest öfter auftreten als noch vor Jahrzehnten. Da sei die Frage berechtigt, wie es mit dem »grünen Drittel«, dem Wald in Bayern, weitergehe. Ministerpräsident Markus Söder habe ja bereits vor einiger Zeit angekündigt, dass der Staatswald zu einem »Klimawald« umgebaut werden soll, bei dem nicht die Gewinnmaximierung an vorderster Stelle stehen werde. Dafür stelle die Staatsregierung 200 Millionen Euro zur Verfügung und schaffe 200 neue Stellen innerhalb der Bayerischen Staatsforsten. Im Fokus stehe dabei die Waldverjüngung und ein massive Aufforstung. Wie Ministerpräsident Söder bereits angekündigt hatte, sollen 30 Millionen Bäume neu gepflanzt werden. Jeder neue Baum binde auch CO2. Gerade bei der Auswahl geeigneter Baumsorten sei aber ein nachhaltiges Vorgehen wichtig.

Natürlich dürften bei allen Themen auch die Privatwaldbesitzer und die Kommunen nicht vergessen werden, die nicht nur finanzielle Unterstützung bräuchten, sondern immer öfter auch motiviert werden müssten, nicht zu resignieren, sagte Michaela Kaniber. Derzeit arbeite die Staatsregierung zudem an einem Waldplan, der die Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft sichern helfen soll. In diesem Zusammenhang werde man auch einiges an Geld für Schutzwälder und den Wegebau in die Hand nehmen. Um den Wald nicht nur zu erhalten, sondern ihn retten zu können, müsse man zudem einen weiteren Fokus auf die Forschung, etwa im Kampf gegen Schädlinge oder Schadpilze im Wald, legen. Voraussetzung für einen gesunden Wald und den Erhalt der Artenvielfalt sei in erster Linie die permanente und fachgerechte Pflege.

Gute Zusammenarbeit beim Waldumbau

Nachholbedarf gebe es in Bayern beim Einsatz des heimischen Holzes in der Bauwirtschaft, räumte die Ministerin ein. Auch darauf werde man ein größeres Augenmerk legen müssen. Löblich erwähnte Ministerin Kaniber das Zusammenwirken der Forstleute, der Bayerischen Staatsforsten und der Jägerschaft im Bereich des Forstbetriebes. Trotz der intensiven Diskussion, ob Wald oder Wild oder beides, arbeite man hier nach dem Prinzip »Wald vor Wild«, um eine starke Vielfalt gewährleisten zu können.

Auch Dr. Daniel Müller bekräftige diese Haltung, da der notwendige Waldumbau nur durch ein konsequentes Handeln der Förster und Jäger zu gewährleisten sein werde. Die jagdliche Begleitung, so wie sie von Gesetz wegen vorgegeben sei, sehe er als eine Verpflichtung. Natürlich sei hier die Rückendeckung durch die Politik unverzichtbar. Abschließend sprach Dr. Müller die Hoffnung aus, dass man in nächster Zeit vor sol-chen Katastrophen verschont werde. Ein zweites Jahr mit solch einem immensen Arbeitsvolumen wäre aus seiner Sicht sicher schwierig zu bewältigen. 2020 erwarte er aber eine Herausforderung in Sachen Borkenkäferbefall. Glücklich sei er in jedem Fall darüber, dass bei der Aufarbeitung niemand zu Schaden gekommen ist. Werner Bauregger

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