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37-Jährige stirbt kurz vor Matrashaus

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Der Berchtesgadener Roman Kurz, Hüttenwirt des Matrashauses, konnte am Montag auf dem Hochkönig das Leben einer erschöpften Bergsteigerin trotz aller Versuche nicht retten. Foto: Anzeiger-Archiv/kp
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Kurz unterhalb des Matrashauses mussten Roman Kurz und sein Helfer die verstorbene Bergsteigerin am Montagabend zurücklassen. Foto: Kurz

Mühlbach/Berchtesgaden - Als Matrashaus-Wirt Roman Kurz am Montagmorgen vom Hochkönig aus für den »Berchtesgadener Anzeiger« die Berchtesgadener Alpen fotografierte (siehe Dienstagausgabe, Serviceseite), da konnte der Berchtesgadener noch nicht wissen, dass dieser Tag auf dem höchsten Gipfel der Berchtesgadener Berge weniger schön enden würde. Denn nur 150 Meter von der Hütte entfernt sollte am selben Abend eine Bergsteigerin im Schneesturm sterben. Dabei hatte Roman Kurz alles versucht, um das Leben der 37-Jährigen noch zu retten.


Die in Wiener Neustadt lebende Rumänin war mit einem 38-Jährigen aus Gerasdorf (Niederösterreich) am Montag gegen 9.00 Uhr bei der Erichhütte am Fuß des Hochkönigs losmarschiert. Die beiden nahmen den schwierigen, langen und anstrengenden Königsjodler-Klettersteig, der über 1 700 Höhenmeter auf den Hochkönig führt.

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Doch gegen 18.00 Uhr - kurz vor dem Ausstieg aus dem Klettersteig - brach der Föhn zusammen. Ein Wettersturz brachte heftigen Schneefall. Die Frau war zu diesem Zeitpunkt bereits erschöpft und unterkühlt. Deshalb musste das Paar längere Pausen einlegen.

Gegen 22.30 Uhr gelang es dem Mann schließlich, per Handy den Hüttenwirt des Matrashauses auf dem 2 941 Meter hohen Hochkönig-Gipfel zu verständigen. Wirt Roman Kurz stieg im dichten Schneetreiben etwa 80 Höhenmeter zu dem Paar ab - im Gepäck hatte er Kleidung, warme Getränke und einen Biwaksack. Schon 15 Minuten später traf er auf die beiden.

Die Frau war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr ansprechbar. »Sie konnte schon nicht mehr gehen«, so der Hüttenwirt. Weil er wusste, dass sich die Frau in Lebensgefahr befand, wollte Roman Kurz die Bergsteigerin tragen. »Doch sie hat sich heftig gewehrt, mich gekratzt und mir dann die Stirnlampe heruntergerissen«, schildert Kurz

Der Wirt holte daraufhin einen Freund aus der Hütte. Die beiden versuchten, die Frau mit einer Gebirgstrage in die Hütte zu bringen. »Es war in dem Schrofengelände sehr grenzwertig und gefährlich. Wir haben die Frau dann in der Trage bloß noch gezerrt. Sie ist dann geschätzte 150 Meter vor der Hütte gestorben«, erzählt Roman Kurz, dem das Ganze sehr nahe geht. »Das ist so ein sinnloser Tod.«

Den 38-jährigen Partner der Frau konnten die beiden aber sicher ins Matrashaus bringen, der Mann wurde am Dienstag ins Krankenhaus Schwarzach eingeliefert. Am selben Tag brachte Roman Kurz zusammen mit zwei Polizeibergführern und einem Bergretter die Leiche der 37-Jährigen zum Matrashaus. »Wir vier Männer brauchten dafür bei Tageslicht und schönstem Wetter über eine Stunde«, erzählt der Wirt. Ein Hubschrauber sollte die Tote ins Tal fliegen, das war jedoch bis gestern Mittag wegen des starken Föhnwindes nicht möglich.

Immer wieder sind Bergsteiger auf dem Königsjodler-Klettersteig überfordert. »Die Leute brechen oft zu spät auf und sind zu langsam unterwegs, wollen dann aber nicht umdrehen«, sagt Roman Kurz.

So war es dann wohl auch am Montag, als die beiden Bergsteiger um 9.00 Uhr bei der Erichhütte aufgebrochen waren. »Das ist um diese Jahreszeit schon ziemlich spät, erst recht bei den Wetterverhältnissen«, sagt Kurz und fügt an: »Die hätten einfach eher umdrehen müssen«. UK