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Aus alt mach wieder neu

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Die Wiederentdeckerinnen (v.l.): Kaffeehaus-Inhaberin Gabriele Sichert, Elfi de Temple und Konditormeisterin Steffi Scholz. (Fotos: Meister)
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Gschmackig: Goldbraun springt der »Hupfauf« schon fast aus der Form, die Elfi de Temple nach historischem Vorbild getöpfert hat und in der die Hefekugeln serviert werden.

Berchtesgaden – Das Café »Forstner« am Berchtesgadener Weihnachtsschützenplatz hat seinen Gästen eine neue Spezialität anzubieten, ein Hefegebäck mit dem Namen »Hupfauf«. Hinter dieser Meldung verbirgt sich eine längere Geschichte, die weit in die heimische Vergangenheit hineinreicht. Denn was Gabriele Sichert in ihrem Café anbietet, ist zwar neu, doch eigentlich schon alt. Als »Erfinder« dieses »Hupfauf« gilt der königlich-bayerische Hofkoch Rottenhöfer, von dessen Anregung seinerzeit auch die Berchtesgadener Töpfer profitierten, weil der Hofkoch seine neue Kreation in einer Halbkugelform backte. Und die gab es dann in Dreier-, Fünfer- und Siebenerformen.


Traditionen können schnell verloren gehen, wenn keiner mehr an sie erinnert. Elfi de Temple erinnerte jedoch. An ein Rezept ihrer Freundin Gertl Ritter, das sogar in einem Buch mit besonderen Schmankerln aus allen Teilen Bayerns gedruckt wurde.

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Vor Jahrzehnten hat Elfi de Temple selbst Formen getöpfert, um den bei diversen Feiern bei Gertl Ritter angebotenen Leckereien den passenden optischen Rahmen zu liefern. Und nun hat sie sich erinnert und es als schade empfunden, wenn der Hupfauf verschwinden würde. In Gabriele Sichert fand sie schnell eine Partnerin für den »Wiederentdeckungsplan«, in deren Konditormeisterin Steffi Scholz auf ebensolche Weise eine »Vollstreckerin«. Nun gibt es ihn also wieder, den neuen, alten Hupfauf, exklusiv am Weihnachtsschützenplatz.

Tradition gerettet

Gabriele Sichert freut sich, dass ihre Gäste das neue Stück in der Kuchentheke gerne unter die Lupe und vor allem in den Mund nehmen. Elfi de Temple freut sich, dass es ihr gelungen ist, ein Stückchen Tradition vor dem endgültigen Untergang zu retten. Und Gertl Ritter, die fast auf den Tag genau vor zehn Jahren starb, hätte sich gefreut, dass eines ihrer bewahrten Rezepte wiederbelebt wird.

Gertrud, genannt Gertl, Ritter war eine Volkskundlerin aus Leidenschaft. Eigentlich Südtirolerin, lebte sie mehr als sechs Jahrzehnte im Berchtesgadener Land und hinterließ viele Spuren. Sie engagierte sich in der Volksmusik und im Brauchtum, setzte sich immens für den Erhalt der bayerischen Sprache ein und interessierte sich auch, neben vielen anderen Dingen, für die Bewahrung von Traditionen, auch in Küche und Backstube. Hinterlassen hat sie unter vielem auch ein spezielles Kochbuch.

Hofkoch Rottenhöfer gab sich seinerzeit nicht zufrieden, ein in der Form gebackenes Hefegebäck zu kreieren und seinen Gästen anzubieten. Er setzte seiner süßen Halbkugel gewissermaßen eine Krone auf, eine kleine Kugel aus demselben Teig, die sein Werk gleich unverwechselbar machte und die ihm auch den passenden Namen gab: Hupf- auf. Und die Konditormeisterin Steffi Scholz, die den Gästen des »Forstner« längst nicht mehr ihr Können beweisen muss, macht es ebenso.

Kugeliges Krönchen

Die Halbkugeln, die sie inzwischen auch ohne Form aufs Backblech »zaubert«, erhalten wie früher ihr kugeliges Krönchen. Bei den Gästen, die bisher schon die Probier-gelegenheit hatten, gehen sie schon weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Wie diese kann man den Hupfauf einfach so essen, oder ihn aufschneiden und mit Butter oder Marmelade essen. Das neue Gebäck mit Tradition. Dieter Meister