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Bälle verfehlen vor Traumkulisse

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Konzentration: Willi Grassl zeigt »Anzeiger«-Volontärin Alexandra Rothenbuchner, wo die Löcher sind. (Fotos: privat)
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Geduldig zeigt Willi Grassl beim Schnupperkurs, wie es richtig geht.

Berchtesgaden – Wer golft, lebt länger. Das sagt eine schwedische Studie. Kein Wunder, denn Golfen macht nicht nur Spaß, sondern ist auch wesentlich anstrengender, als man erwarten würde. Dieses Fazit zog die Volontärin des »Berchtesgadener Anzeigers«, Alexandra Rothenbuchner, nach ihrem Schnupperkurs beim Golfclub Berchtesgaden.


Ein wenig eingeschüchtert bin ich schon, bei meiner Ankunft am Parkplatz des feudal wirkenden Gebäudes am Obersalzberg. Ursprünglich ein Bauwerk aus der NS-Zeit, nützten die Amerikaner das Gelände bald, um den Golfschläger zu schwingen. Die Art der Nutzung blieb, das Publikum ist heute aber ein anderes.

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Einmal durchatmen, dann geht es hinein ins Sekretariat des Golfclubs. Und in eine komplett andere Atmosphäre, als gedacht. Keine kühl snobistische Aura in altehrwürdiger Empfangshalle. Auch keine abschätzigen Seitenblicke von Clubmitgliedern in zurückhaltend eleganter Markenkleidung. Stattdessen steht man in einem gemütlich wirkenden Foyer mit kleinem Sofa. Links führt eine offene Tür zu einem Tresen inmitten eines Raums voller Golfartikel. Schläger, Kleidung, und was der Golfprofi – oder der, der es gerne sein möchte – eben so braucht. Hinter dem Tresen steht ein sympatisch wirkender junger Mann, der sich schnell als Sohn meines heutigen Golflehrers herausstellt. Übrigens selbst auf dem besten Weg einer zu werden, wie mir sein Vater später erzählt.

Willy Grassl kommt dann auch schon selbst mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen um die Ecke. Wir stellen uns rasch vor, dann bildet eine kurze Erklärung zu verschiedenen Schlägertypen den Auftakt zu meiner Schnupperstunde. Im Anschluss an die Erkenntnis, dass »Hölzer« heute meist nicht mehr aus Holz sind, geht es dann ab ins Grüne. Der Berchtesgadener Golfplatz gilt als einer der schönsten und höchstgelegenen Deutschlands. Tatsächlich kann sich das Panorama, dass sich den Golfern auf der Neun-Loch-Anlage bietet, sehen lassen. Der Blick auf Watzmann, Hochkalter und Co. dürfte nicht nur das Berchtesgadener Herz höher schlagen lassen.

Viel Zeit, die Aussicht zu bewundern, bleibt mir allerdings nicht, denn bald sehe ich hauptsächlich drei Dinge: Viel Gras, Bälle, die nicht dahin fliegen, wo ich sie gerne hätte und Schläger, die nicht so treffen wollen, wie sie sollen.

Schwerer, als es aussieht

»Golfen fordert eine bessere Koordination als alle anderen Sportarten«, warnt mich Willi Grassl bereits vorab. Und tatsächlich: Wer einem Golfer von der Ferne zusieht, würde nicht glauben, wie viele Kleinigkeiten zu beachten sind, damit der Ball dorthin fliegt, wo er ihn haben will: Den Schläger richtig fassen, Fußspitzen Richtung Ball, in die Knie gehen, beim Schwungholen unten bleiben, den Kopf gerade lassen, zum Ball schauen, Handgelenke abwinkeln und so weiter und so fort. Da kann man als Anfänger schon mal überfordert sein. Zum Glück erweist sich Grassl als geduldiger Lehrer, der immer wieder erklärt, vorzeigt und korrigiert. Auch viel Lob für die ersten »besseren« Schläge gibt es. So werden Zufallstreffer – zumindest in meinem Fall – auch gleich zum besonderen Erfolgserlebnis.

Bei musikalischer Untermalung durch zahlreiche Kuhglocken im Hintergrund, übe ich fleißig meine Abschläge, während mir Willi Grassl das eine oder andere über die Sportart erzählt: »Golfen ist Konzentrationssache. Wir haben auch einige Biathlonsportler, die regelmäßig zum Golfen kommen. Die beiden Sportarten sind sich nicht unähnlich. Beim Schießen und beim Abschlag muss die Konzentration punktgenau da sein.«

Ganz schön anstrengend

Ob es nun an mangelnder Konzentration oder Koordination liegt, für einen Anfänger ist Golfen schon eine Herausforderung. Und anstrengender, als man glauben würde. Ein ums andere Mal abzuschlagen – unabhängig davon, ob man nun trifft oder nicht – braucht Kraft und Kondition. Zugegeben, ich brauche wahrscheinlich mehr Kraft als nötig. Eigentlich soll ein Golfer beim Abschlagen entspannt sein und keine Kraft aufwenden. »Wie beim Bogenschießen, wo man die Sehne einfach loslässt, anstatt nachzudrücken«, erklärt Grassl. Im Prinzip klar. Nur mit der praktischen Umsetzung hapert es. Zumindest bei mir.

»Fürs erste Mal war das gar nicht schlecht. Und du hast ja schon einiges getroffen«, kommentiert Grassl am Ende dennoch. Das gibt dem Ego wieder Auftrieb. Eigentlich kann es auch nur besser werden. Eine zweite Stunde ist deshalb schnell vereinbart. Immerhin ist Golf auch gesund, und lange an der frischen Luft ist ein Golfer auf jeden Fall. »Für ein Spiel auf unserer Neun-Loch-Anlage braucht man durchschnittlich etwa zwei Stunden«, erzählt mir Grassl bereits am Anfang des Kurses. Da ist es kein Wunder, dass man Golfern nachsagt, länger zu leben. Eine englische Krankenkasse bietet ihren Mitgliedern sogar Vergünstigungen, wenn sie nachweislich aktiv Golf spielen. Alexandra Rothenbuchner