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Bahn so langsam wie vor 100 Jahren

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Zahlreiche Bahnübergänge ohne Schranken sind schuld an einigen Langsamfahrstrecken, auf denen die BLB nur mit 10 km/h dahinzuckeln darf. (Foto: Hudelist)

Bischofswiesen – Mehr Haltestellen und ein besserer Fahrplan sind für Bischofwiesens Bürgermeister Thomas Weber das »A und O« für einen Erfolg von Bus- und Bahnverkehr. Dies betonte er in einer Veranstaltung des Verkehrsforums Berchtesgadener Land.


Die DB als Streckenbetreiber sagt, eine schnellere Fahrzeit sei nur mit weniger unbeschrankten Übergängen möglich. Weber bezweifelte das: »Alleine wenn ich mir ansehe, wie lange die Triebwagen in Bischofswiesen oder Hallthurm oft stehen und warten.« Er will »prähistorische Regeln« für die Nebenbahn beseitigen. Hausaufgaben sieht Weber aber auch zum Thema Busverbindungen: »Ich will wieder eine Verbindung in Richtung Aschauerweiher.«

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Im Gemeindebereich von Bischofswiesen machen sowohl die Steigungsstrecke Hallthurm als auch zahlreiche unbeschrankte Bahnübergänge der Berchtesgadener-Land-Bahn zu schaffen. Die Bahn will zwar eine schnellere Fahrzeit, dies sei aber nur bei mehr gesicherten Übergängen möglich. »Drei Übergänge werden wir in Bischofswiesen schließen, dazu haben wir schon entsprechende Verträge unterschrieben«, erklärte Weber im Verkehrsforum BGL in Berchtesgaden.

50 km/h wegen Tempolimit aus 1913

An den vielen Langsamfahrstellen der BLB sind nach Meinung Webers nicht nur die Übergänge ohne Schranken Schuld. Weitere Gründe habe er bei einer Mitfahrt auf dem Führerstand mit dem ehemaligen BLB-Chef Gunter Mackinger hautnah mitbekommen: »Zum Beispiel, warum die Bahn über den Hallthurmer Berg so langsam fahren muss«, erklärte Weber. Schuld seien Uralt-Richtlinien aus dem Jahr 1913, an die sich die Bahn auch im 21. Jahrhundert noch halten müsse. »Das macht aus technischer Sicht auch keinen Sinn mehr, denn die Triebwagen von heute haben eine andere technische Ausstattung wie früher«, war Weber überzeugt.

Seit dem Bau der Strecke 1913 ist der Abschnitt zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden eine Nebenstrecke, und für die gelte eben Tempo 50. »Alleine wenn man hier 70 km/h fahren dürfte und auch noch ungesicherte Übergänge wegbrächte, dann wäre der Zug viel schneller unterwegs«, so Weber. Er habe dies auch dem Bayerischen Verkehrsminister Joachim Herrmann geschildert.

Gutachten an Eisenbahn-Bundesamt

Michael Behringer vom Verkehrsforum BGL entgegnete, die 50 km/h für die Strecke nach Berchtesgaden sei eine »Speziallösung, die halt niemand bei der DB Netz AG seit dem Bestehen geändert hat«. Man müsse nur dem Eisenbahnbundesamt klarmachen, dass diese Vorschrift aus dem Jahr 1913 keinen Sinn mehr habe. Behringer forderte die Berchtesgadener-Land-Bahn auf, entsprechende Technik-Gutachten des Triebwagen-Herstellers Stadler an das Bundesamt zu senden. In Richtung Peter Brandl von der BLB fügte Behringer hinzu: »Die beim Bundesamt sind zwar alle überlastet, aber aufgeschlossen.«

Weber zeigte sich auch irritiert, dass die Strecke am Hallthurmer Berg in den vergangenen Jahren um ein Promille steiler geworden sein soll: »Vielleicht wurde ja nur genauer gemessen als früher, aber wegen diesem einen Promille mehr müsse die Steilstrecke jetzt eben noch langsamer befahren werden.« Der Bürgermeister gibt sich kämpferisch: »Wir bräuchten einfach den Mut, wegen diesem einen Promille nachzuhaken, das der BLB jetzt so viele Probleme macht.« Ein ehemaliger Lokführer als Mitglied des Verkehrsforums entgegnete zwar, jede Regel gelte eben ab gewissen Grenzwerten, und diese könne man nicht beliebig verändern. Weber blieb bei seiner Meinung: »Man versteckt sich zu oft hinter Regelwerken, statt den normalen Menschenverstand zu verwenden.«

Rufbus nach Ramsau

Aber nicht nur die Bahn, sondern auch die Busverbindungen innerhalb der Gemeinde müssten besser werden, forderte Weber: »Wir haben derzeit zum Beispiel eine schlechte Anbindung in Richtung Aschauerweiher inklusive Hochschwarzeck.« Hier müsse die Gemeinde in Vorleistung treten: »Zu glauben, dass wir mit dem derzeitigen Angebot mehr Fahrgäste bekommen, ist ein Trugschluss«, sagte der Bürgermeister von Bischofswiesen selbstkritisch. So könne er sich zum Beispiel einen Rufbus von Bischofswiesen nach Ramsau vorstellen.

Generell bräuchte man aber für neue Verbindungen einen langen Atem. »Der einjährige Probebetrieb zum Aschauerweiher musste floppen, denn so schnell kann man Gewohnheiten eben nicht ändern.« Neue Linien müssten drei bis fünf Jahre fahren, um eine Bilanz ziehen zu können. »Eine neue Linie in Richtung Aschauerweiher möchte ich in meiner ersten Amtszeit noch verwirklichen«, versprach Weber abschließend. Michael Hudelist

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