weather-image

»Bayerisch heißt nicht Dialekt«

4.6
4.6
Bildtext einblenden
Sie setzen sich für Dialekt ein (v.l.): Heinz Schober, Eugen Unterberger, Georg Grabner und Horst Münzing. (Foto: Klein)

Berchtesgadener Land – Wie steht es um die bayerische Sprache im Berchtesgadener Land und Rupertiwinkel? Um diese Frage zu klären, gab der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte (FBSD) eine Studie in Auftrag. Am Donnerstag stellte Eugen Unterberger von der Universität Salzburg die Ergebnisse bei einem Pressegespräch im Landratsamt vor.


Die Frage, warum ein Salzburger die Erhebung in den bayerischen Gemeinden durchgeführt hat, stand von Anfang an im Raum. Unterberger erklärte, dass der Rupertiwinkel erst 1805 an Bayern gefallen sei. »Die Sprache ist auf die Bajuwaren zurückzuführen«, so der Wissenschaftler. In Österreich würden sogar mehr Menschen bayerisch reden, als in Deutschland. Rund 7,5 Millionen sind es in Österreich, eine halbe Million weniger hierzulande. »Eigentlich ist Bayern sehr stabil, aber es gibt andere Länder, wie zum Beispiel die Schweiz, da wird quasi ausschließlich im Dialekt gesprochen«, sagt Unterberger. Zu beobachten sei aber auch, dass in anderen deutschen Bundesländern wie Brandenburg oder Mecklenburg Vorpommern nur noch Hochdeutsch gesprochen werde.

Anzeige

Schüler befragt

In der Studie befragte Unterberger 127 Schüler aus Tittmoning, Surheim, Laufen und Bad Reichenhall. Er legte ihnen ein Buch mit 60 Bildern vor, die Kinder sollten aufschreiben, was sie sehen. Dazu reichte Unterberger 20 Sätze, wie zum Beispiel »Das ist Vaters Hut« oder »Ich habe kein Geld dabei gehabt« und ließ sie übersetzen. Diejenigen, die Dialekt gesprochen hätten, hätten teilweise auch Mischformen benutzt. »Vergleicht man alle Werte, spricht rund die Hälfte der Kinder Dialekt«, so das Ergebnis der Studie.

Eine Besonderheit hätte er aber am Gymnasium Laufen beobachtet: »Viele Kinder von gebildeten Eltern werden hochdeutsch erzogen, denn in den Köpfen der Menschen ist immer noch verankert, dass man mit Dialekt nicht weit kommt.« Am Gymnasium Laufen hätte sich aber Gegenteiliges gezeigt. »Die Mehrheit der Schüler hat im Dialekt gesprochen.« Unterberger: »Die Annahme, dass Dialekt zu sprechen schlecht sei, kann wissenschaftlich nicht belegt werden.« Neben Hochdeutsch auch Dialekt sprechen zu können, könnte damit verglichen werden, zweisprachig aufzuwachsen. »Das bietet kognitiv große Vorteile«, erklärt Unterberger.

Mit Sprache Integration fördern

Ein Problem sehe der Wissenschaftler aber im Bereich Migration: »Wenn beide Elternteile Migranten sind, sprechen auch die Kinder nicht bayerisch.« Das gelte aber nicht nur für Migranten aus anderen Ländern, sondern auch für Menschen, die zum Beispiel aus Hessen nach Bayern gezogen wären. »Das Problem ist die soziale Schwelle. Dialekt zu sprechen vermittelt ein Gefühl der Zugehörigkeit.« Gerade den Eltern falle es aber oft schwer, sich mit der hiesigen Kulturgruppe zu identifizieren. »Das überträgt sich dann auch auf die Kinder.« Dabei könnte so über Sprache die Integration wesentlich vereinfacht werden.

Horst Münzing ist der erste Vorsitzende des FBSD. Er stellt klare Forderungen, um die bayerische Sprache am Leben zu erhalten. »Es geht nicht darum, den jeweiligen Dialekt perfekt zu beherrschen, es muss aber der bayerische Grundwortschatz gelehrt werden.« Dafür müssten die Erzieher und Lehrer verpflichtend darin geschult werden. »In Bayern sagt man zum Beispiel nicht »pusten«, es heißt »blasen«. Es spielt ja auch die »Blaskapelle, und nicht die Pustkapelle.« Dialekt-Wörter müssten zugelassen, und nicht als Fehler gewertet werden. »Dialekt ist nicht schädlich«, so Münzinger. Mit der Studie will der Verein auch die Regierung aufmerksam machen.

»Wir wollen auch, dass Bayerisch in die Europäische Charta für Regional- oder Minderheitensprachen aufgenommen wird.« Dann müsste die Regierung verbindliche Maßnahmen treffen, um die Sprache zu schützen. »Wir feiern heuer ein trauriges Jubiläum, die UNESCO hat vor zehn Jahren festgestellt, dass die bayerische Sprache ausstirbt.« Aber eine 1 500 Jahre alte Sprache sollte geschützt werden.

»Studien sind dafür da, um die richtigen Schlüsse zu ziehen«, erklärt Landrat Georg Grabner. Die Zelle zum Erhalt der Mundart sei die Familie beziehungsweise die Schule. Dafür müsse aber mehr Engagement gezeigt werden. Da sich die Studie direkt auf die Region beziehe, liefere sie auch die Munition, um etwas zu verändern. Lena Klein

Italian Trulli