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»Der kleine Prinz« aus Marktschellenberg

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Komponist Nikolaus Schapfl mit seinem bisher wichtigsten Werk. (Foto: privat)

Marktschellenberg – Das Buch »Der kleine Prinz« bekam Nikolaus Schapfl bereits im Alter von sieben Jahren geschenkt. Fortan sollte es sein Leben verändern und bis heute seine Biografie mitbestimmen. Aus einem kleinen Jungen wurde ein großer Musiker, und aus der Lektüre eine erfolgreiche Oper.


Zahlreiche Komponisten scheiterten an der musikalischen Umsetzung; Schapfl schaffte es. Wie sich die Künstlerkarriere entwickelte und welche Bedeutung »Der kleine Prinz« hat, erfuhr der »Berchtesgadener Anzeiger« in einem ausführlichen Gespräch.

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Wer sich mit Nikolaus Schapfl unterhält, erlebt einen sortierten Gesprächspartner. Er spricht einfühlsam und weich. Vor ihm auf dem Klavier liegen eine dicke Partitur und die Lektüre, die sein Werk begründet. Eine Pilotengeschichte, ein Weltraummärchen, die Reisen eines kleinen Jungen von Planet zu Planet, der diese staunend erforscht. »Der kleine Prinz« entwickelt sich im Laufe der Kapitel zu einer substanziellen Liebesgeschichte mit unterschiedlichen Charakteren und vielen Lebensweisheiten.

Gummibärchen auf dem C

»Mein Großonkel war Hornist im Bayerischen Staatsorchester. Auch sein Klavierspiel hatte mich bereits als Fünfjähriger sehr beeindruckt. Später, mit sieben, als ich selbst das Instrument erlernte, legte meine Mutter mir beim Üben immer ein Gummibärchen aufs »C«, damit ich es schneller finden konnte«, erinnert sich Nikolaus Schapfl noch gut und lächelt.

Mit 14 schrieb Schapfl seine ersten Kompositionen und entdeckte durch den Quintenzirkel die Grundstruktur der Harmonie, die ihm half, zu improvisieren. Die meisten seiner Freunde spielten Fußball, er spielte Boogie-Woogie oder Beethoven. Dann aber rief die Pflicht den jungen Künstler. Nach Abschluss des Wehrdienstes trat er in die beruflichen Spuren seines Vaters und sollte Bauingenieur werden. Da seine Kompositionen immer häufiger aufgeführt wurden, wollte er kein Autodidakt mehr sein, kündigte und machte die Aufnahmeprüfung am Mozarteum Salzburg für Komposition. Von rund 25 Bewerbern wurden zwei genommen. Er war dabei.

Die weiteren Stationen in Kürze: Studium der Komposition und Klavier am Mozarteum und an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, Abschluss am Mozarteum mit Auszeichnung, Förderpreis des Bayerischen Musikfonds 1995, Förderung Bundeskanzleramt Wien 1997, Förderung Land Salzburg 1997, zahlreiche Aufträge für sinfonische Werke, kirchliche Kompositionen und Musik zum Kinofilm »Der Templer«.

Die Oper

Schapfl hatte den Wunsch, den »Kleinen Prinzen« zu vertonen. Als Vorlage diente die Originalausgabe aus dem Jahr 1944 von Antoine de Saint-Exupéry. Nikolaus Schapfl erzählt: »Ein Kind hält den Erwachsenen einen Spiegel vor und stellt analytische Fragen. Viele Charaktere stellen innere Widersprüche dar. Und das mit den Augen eines Kindes erfragt. Ich habe den Text immer mehr zu schätzen gewusst. Bis heute hat der Inhalt auf mich eine philosophisch-poetische Aussage. Er ist zudem lyrisch und – was besonders faszinierend ist – zeitlos.«

Der Reiz der Umsetzung trieb Schapfl weiter voran und sollte konkrete Formen annehmen; aber es kam vorerst anders: »Ich erfuhr, dass dieses Buch gar nicht vertont werden durfte, und bemühte mich um Kontaktaufnahme mit den Rechtsinhabern. Die jedoch führte ins Leere. Später erhielt ich die Gelegenheit, den Erben des Autors Musikauszüge zuzusenden«. Das wiederum hatten bereits über 70 Komponisten vor ihm erfolglos versucht. Schapfls Arbeit jedoch überzeugte. Mehr noch: Seine musikalische Umsetzung verzauberte die Erben; es entwickelte sich sogar eine tiefe Freundschaft.

1998 erhielt Nikolaus Schapfl endlich die Vertonungsrechte. Er hatte bereits das Libretto verfasst. Die musikalische Umsetzung wurde eine romantische Oper in zwei Akten und 16 Szenen. Streichorchester, Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte, Hörner, Trompeten, Posaunen, Pauken, Harfe und ein gemischter Chor gestalten die Oper umfassend melodiös, sie erinnert an Filmmusik. Die Oper ist abwechslungsreich, besticht mit beeindruckenden Arien, Duetten und erzeugt im Gesamtbild eine koloristische Komposition. In einer emotionsstarken Orchestrierung und Instrumentierung wurden die Motive in Melodien verpackt. Schapfl geht in die Tiefe: »Die Komposition ist ein Bühnenwerk für alle Altersstufen. Es galt die kontrastierenden Charaktere lebendig herauszuarbeiten und unterschiedliche Situationen lyrischen Gehalts im Klangbild malerisch darzustellen. In ihm atmet der Geist der Pionierzeit der Luftfahrt, der Abenteuer und der Freiheit. Mich interessierte schon immer das Leben in Funktion seiner Gesamtheit. Die Musik ist dabei für mich selbst ein Erlebnis. Dabei spüre ich Geheimnisse auf und kann deren Gesetze erforschen.«

2003 wurde »Der kleine Prinz« von der »Jungen Philharmonie Salzburg« uraufgeführt. Von 2003 bis 2015 folgten rund 150 Aufführungen in Salzburg und den renommiertesten Konzerthallen Deutschlands. Allein von 2011 bis 2013 wurde das Werk über 100 Mal aufgeführt.

Und so sieht Schapfl die Zukunft: »Für den Herbst 2019 laufen schon die Vorbereitungen für eine weitere Inszenierung von »Der kleine Prinz«. Rund 150 Personen werden daran beteiligt sein. Meine Ziele sind weiterhin, die Menschen mit meiner Musik zu emotionalisieren, aktuelle und zeitlose Fragen zu behandeln, die seit Jahrzehnten unverändert sind. Man muss die menschliche Natur nicht jedes Mal neu erfinden und ich denke, das ist auch für den »Nicht-Opernbesucher« interessant, und für Musikinteressierte sowieso«. Jörg Tessnow

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