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»Die Kunden sind einiges gewöhnt«

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Metzgermeister Florian Kastner und seine Verkäuferinnen haben nach der Einstufung von Wurst und Salami als potenziell krebserregend bislang keine Verunsicherung bei den Kunden festgestellt. Auch die Watzmann-Salami verkauft sicht immer noch gut. (Foto: Michael Wagner)

Berchtesgadener Land – Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat verarbeitetes Fleisch als krebserregend und rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Bei den heimischen Verbrauchern ist noch keine große Verunsicherung festzustellen, wie eine Umfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« in hiesigen Metzgereibetrieben ergab. Allerdings ist die Studie noch sehr jung, weshalb die Metzger schon noch mit entsprechenden Fragen der Kunden rechnen.


»Im Moment gibt es noch keine entsprechenden Nachfragen vonseiten unserer Kundschaft«, sagt Metzgermeister Reimund Hölzl von der gleichnamigen Metzgerei in Schönau am Königssee. Weil die Studie aber noch sehr jung ist, rechnet er schon noch damit, dass sich die Verbraucher nach der Qualität des Fleisches erkundigen werden. »Aber die Leute fragen ja bei jedem angeblichen Skandal«, sagt Hölzl und verweist auf das BSE-Thema. Damals hatte man schon erhebliche Umsatzeinbußen zu verkraften, heute sei das kein Thema mehr.

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Reimund Hölzl verweist darauf, dass in seiner Metzgerei das Fleisch immer frisch sei, weil es nicht von weit her transportiert werde. »Und die Haltbarkeit erreichen wir ausschließlich durch Salz, Kochen und Räuchern«, sagt der Metzgereimeister. Andere Mittel brauche man nicht. Dreimal die Woche produziere man Weißwürste, »damit sind sie immer frisch«.

»Zu heiß gekocht« wird das Thema Krebsgefahr durch Wurst und Schinken nach Meinung von Metzgermeister Fritz Kastner. »Wir merken hier bislang keine Verunsicherung bei den Kunden«, sagt der Schönauer. Schließlich gebe es ja in aller Regelmäßigkeit wieder einen neuen angeblichen Skandal. Deshalb rechnet Florian Kastner auch nicht damit, dass diese Studie hohe Wellen schlagen wird. Auch seine Metzgerei verarbeitet ausschließlich Fleisch von Tieren aus der Region. Die negativen Auswirkungen von Stresshormonen, Massentierhaltung und Überzüchtung kämen deshalb hier nicht zum Tragen. Darüber hinaus seien Nitrate ja in vielen Lebensmitteln enthalten. Und weglassen könne man sie nicht, weil es dann zu hygienischen Mängeln kommen könne. »Eine ausgewogene Ernährung ist immer noch das Beste«, sagt Kastner.

Überhaupt keine Nachfragen von Kunden registrierte man auch bei der Metzgerei Ehler in Bischofswiesen. »Unsere Kunden wissen, woher das Fleisch kommt. Sie haben deshalb großes Vertrauen«, sagt Corinna Ehler.

Die Firma Magg aus Trostberg besitzt Metzgereifilialen in Berchtesgaden und Ramsau. Hier hat man laut Geschäftsführer Stefan Magg nur bedingt Nachfragen bei den Kunden festgestellt. »Unsere Kunden lassen sich nicht so leicht verunsichern, weil sie wissen, dass das Fleisch aus der Region kommt«, sagt Magg. Man besitze auch ein eigenes Schlachthaus. Die Aussagen in der von der Weltgesundheitsorganisation veröffentlichten Studie hält der Geschäftsführer für »stark übertrieben, weil sie zum Teil auf Vermutungen und nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen« beruhten. »Die Dosis macht das Gift«, betont Stefan Magg. Und meint dann, dass zu einer ausgewogenen Ernährung auch Fleisch gehöre. Ein Beispiel findet er in der eigenen Familie: »Mein Vater ist jetzt 83. Er hat sein Leben lang alles verzehrt, also auch Fleisch. Noch heute ist er so gesund, dass er jeden Tag in derFirma arbeitet.« Ulli Kastner