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Die Loipeier Habergoaß und Dr. Hiasei von da Zickibloak

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Einmarsch der Habergoaß Gesellschaft.
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Die Habergoaß und ihre Bauersleut, die scheinheilige Antonie vom Geweheisl und Markus von der Machefrettn. (Fotos: B. Stanggassinger)
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Dr. Hiasei von da Zickibloak.
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Die Bürgermeister aus dem Talkessel wollten die Habergoaß steigern, doch zahlten zu wenig.

Bischofswiesen – Zu einem besonderen Faschingsspektakel hatte der GTEV »D'Watzmanner« für Samstag in die Bischofswieser Turnhalle eingeladen. Höhepunkt des Balls war das nur alle sieben Jahre stattfindende Loipeier Habergoaßtreiben.


Alles ging gemütlich los in der Bischofswieser Turnhalle, um 20 Uhr war es noch sehr ruhig. Ein paar Honoratioren des GTEV D'Watzmanner waren bereits da und wunderten sich über das Ausbleiben der Jugend: »Die muss heutzutage erst einmal zu Hause vorglühen«. Ab 21 Uhr spielte das Reitertal Quintett aus Reit im Winkl auf und es wurde gleich getanzt. In einem Umkleideraum hatte man eine Bar eingerichtet und die jungen »Watzmanner« bedienten als Schlümpfe.

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Gegen 22 Uhr begann das Habergoaßtreiben, als plötzlich während einer Tanzpause zwei »Habergoaßkitzei«, gekranzt mit Latschenboschn und Fuiklsternen, in den Saal rannten. Sennerin Herbertine vom Roisler hat sie mit Futter wieder eingefangen und zurück in den Flur gebracht. Zugleich erfolgte der Einmarsch des Loipeier Habergoaßtreibens. Angeführt wurde die Gruppe von einem Taferlbuam, gefolgt von einem Fähnrich mit der Habergoaßfahne, zwei Fahnenbegleitern und einer Musi. Die Habergoaß, auf der der »Loipei-Kini«, namentlich »Kinig Wasti I. von der Hauptstadt Gewe«, ritt, wurde von einem Habergoaßtreiber geführt. Mit dabei waren Loipeier Männer, die die verschiedensten Aufgaben hatten: zwei Hufschmiede, Dr. Hiasei von da Zickibloak, Krankenschwester Geogine Zupfer, Bäuerin Antonie vom Geweheisl und Bauer Markus von der Machefrettn. Der Hofmarschall (Josef Fegg) hielt die Fastenpredigt.

Viele gemeindepolitische Anliegen drückten den Hofmarschall, beispielsweise die Verkehrsinsel in Bischofswiesen, an der sie mit der Goaß auf dem Nachhauseweg vermutlich nicht vorbeikommen, oder die Engstelle beim Bachhäusl. Die Goaß sollte an diesem Abend versteigert werden, denn auf ihrer Alm in der Mordau wird aufgrund der immer mehr werdenden Bauern die Weide knapp.

Nicht verstanden hat der Marschall, dass in Loipl am Götschen wieder ein Weiher gebaut wird. »Da glangst da doch ans Hirn, duat's Wasser doch seit eh und je erst unter null Grad gfriern und dass den zahlenden Gästen nix passiert, werden die Tourengeher glei freiwillig abkassiert. Hiaz ham's am Bahnhof unt a mords drum Tafel hinbaut, dass sich bald gar keiner mehr aufigeh traut«, so der Vortragende. Außerdem wusste er über Schellenberg zu berichten, dass dort, wo jetzt keine Chalets gebaut werden, Platz für eine Goaß wär. »Wir könnten auch unsere Goaß nach Ettenberg schicken, damit die Einheimischen nicht mehr so alleine sind, seitdem die Lorenz Lena weg ist.« In Ramsau hätte man seiner Meinung nach das Glump am Schandfleck Nr. 1 mit der Goaß abtransportieren können und die Almsauen vom Kederbacher wären auch nicht mehr so alleine, wenn die Habergoaß da wär. Weitere Themen waren die Jennerbahn, das Hotel »Geiger«, die »Unterstoa«-Wirtin, das »Bräustüberl« und das Hotel »Edelweiß«.

Zur anschließenden Versteigerung kamen alle Bürgermeister aus dem Talkessel. Doch weil so wenig geboten wurde, gab man die Goaß nicht her und kam zur Moral von der Geschichte: »De Goas kimt wieder hoam ins Sonnenlicht. Weil oans is klar und des is gwiss, dass schöner wia im Königreich Loipei nirgenswo is, drum lass mas leb´n auf dera Welt neben der Kirch im Paterheislfeld.«

Es war eine Ballnacht wie in der guten alten Zeit und gefeiert wurde bis in die frühen Morgenstunden. Bernhard Stanggassinger