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Eile ohne Weile am Jenner

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Die Betonierungsarbeiten an der Bergstation laufen bereits. (Foto: Reiter)
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Groß ist die aus dem Fels gemeißelte Fläche, auf der in den nächsten Monaten die Jennerbahn-Bergstation errichtet werden soll. Zu groß, meint man beim Bund Naturschutz. (Foto: Brandner)

Schönau am Königssee – Am Jenner zählt zurzeit jeder schöne Herbsttag. Weil zuletzt beste Baubedingungen herrschten, konnte beim Bahnneubau nach den Worten von Betriebsleiter Wilfried Däuber die meiste verlorene Zeit wieder aufgeholt werden. Weniger glücklich ist man beim Bund Naturschutz, der zahlreiche Regelverstöße feststellte und deshalb Klage eingereicht hat. Vor allem die Größe der Bergstation, die etwa dreimal so groß wie die alte Station wird, stößt auf Kritik. Dennoch zeigt man sich bei der Berchtesgadener Bergbahn AG zuversichtlich, dass die neue Bahn im Juni/Juli in Betrieb gehen wird.


Die Baumaßnahmen an den fünf Schwerpunkten liegen laut Däuber einigermaßen im Zeitplan, weil man in letzter Zeit wegen des dauerhaften Schönwetters massiv aufholen konnte. Zwischenzeitlich hatte der frühe Wintereinbruch in den Höhenlagen eine Fortsetzung der Baumaßnahmen an der Bergstation unmöglich gemacht. Der Zeitverlust wird jedoch derzeit mit großer Aktivität am Berg kompensiert, wo zurzeit mit Nachdruck die Betonierungsarbeiten stattfinden: »Wir legen derzeit einen Schwerpunkt auf die Baumaßnahmen an der Bergstation, weil wir ja nicht wissen, wie sich das Wetter entwickelt. Sollten wir einen ähnlichen Winter wie im letzten Jahr bekommen, gibt es keine Probleme, aber es kann ja auch ganz anders kommen«, so Däuber.

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Sollte der Wintereinbruch so früh kommen, dass die Rohbauarbeiten am Berg noch nicht abgeschlossen sind, so hat man noch eine andere Option ins Auge gefasst. Man will dann die Straße vom Schnee räumen und die Baustraße mit Schneeketten weiterhin befahren. Das wiederum sieht man beim Bund Naturschutz äußerst kritisch. Laut dem Naturschutzverband heißt es im Genehmigungsbescheid, dass der Betrieb der Baustraße bei einer geschlossenen Schneedecke eingestellt werden müsse. »Das lehnen wir auch total ab«, sagt BN-Kreisvorsitzende Rita Poser.

An vier Gebäuden wird gearbeitet

Winterliche Probleme sollte es dagegen bei Mittel- und Talstation nicht geben. Dort will man durcharbeiten und im Winter mit dem Innenausbau beginnen. Schließlich baut man derzeit an vier Gebäuden: im Tal, in der Mitte, am Berg und an der Talstation des Sesselliftes am Mitterkaser. Die ersten drei Stützen der Bahn bei der Talstation und der Umlauf im Gebäude stehen bereits und auch in der Mitte werden schon die Seilbahn und der neue Sessellift installiert. Noch vor dem Winter möchte man mit dem Bau der Seilbahn zur Bergstation beginnen. Nachdem viele Menschen die Lichter an den Stützen vermissen, erklärte der Betriebsleiter, dass auch an den neuen Stützen wieder Lichter sein werden. Allerdings weit weniger, denn die alte Jennerbahn hatte 48 Stützen, die neue Bahn nur noch 19. Däuber rechnet damit, dass die Jennerbahn im Juni oder Juli in Betrieb gehen kann. Dies hänge jedoch in erster Linie von der Heftigkeit des nächsten Winters ab.

Einstweilen bläst den Verantwortlichen am Jenner auch von anderer Seite der Wind um die Ohren. Mit dem Bund Naturschutz, der das Bauprojekt nach langen Verhandlungen zunächst mehr oder weniger zähneknirschend abgesegnet hatte, hat man es sich mittlerweile ziemlich verscherzt. Kritisiert werden von den Naturschützern zahlreiche Regelverstöße. Vor allem mit der Ausführung der Baustraße unterhalb der Bergstation ist man nicht einverstanden. Hier, im Birkhuhngebiet, sei der Hang entgegen der ursprünglichen Planung großflächig verfüllt worden. Die vom BN geforderte Nutzungsuntersagung für die Baustraße ist von der Regierung mittlerweile abgelehnt worden. Wie man in dieser Angelegenheit weiter vorgehen wird, darüber diskutiert man aktuell beim Bund Naturschutz.

BN kritisiert Größe der Bergstation

Vor allem die Größe der Bergstation ärgert die Verantwortlichen beim Bund Naturschutz. Die Klage betrifft die gegenüber der ursprünglichen Planung stark vergrößerten Flächen für Personalzimmer. So sollen nun 140 Quadratmeter für eine Betriebsleiterwohnung ausgewiesen werden. BN-Ortsvorsitzender Paul Grafwallner formuliert seinen Zorn: »Die Bergstation wird nun mit 340 Quadratmetern mehr als dreimal so groß wie die alte. Da hätte man eigentlich ein Bauleitverfahren einleiten müssen. Dann hätten jede Behörde und jeder Bürger Einwendungen erheben können. Das hat man mit dem normalen Genehmigungsverfahren ausgehebelt. Eine Sauerei.« cw/UK